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Das PRO PLANET-Label, gut oder unnötig?

  • Worum geht es in diesem Bericht?

    Es gab bereits schon viele Berichte über nachhaltige Siegel in der Community. Die meisten beschränken sich dabei auf das Bio-, FSC- oder MSC-Siegel. In dieser kleinen Berichtreihe sollen abseits der „großen“ Siegel weitere Siegel für Lebensmittel (aber auch darüber hinaus) vorgestellt werden.

     

    Warum ist das wichtig?

    Im Zertifizierungsdschungel kennt sich kaum mehr einer aus. Worauf kann man vertrauen, worauf nicht? Was ist an den Produkten eigentlich nachhaltig und bringt das jetzt wirklich was? All die kleinen Fragen des Alltags und vor allem beim Einkaufen sollen dabei geklärt werden. Gemeinsam können wir dann darüber diskutieren, wie sinnvoll diese Zertifizierungen sind und ob die angegebenen Kriterien auch wirklich eine ökologische Wirkung haben. Ich hoffe ihr habt darauf Bock. :-)

     

    Dieses Mal soll es um das PRO PLANET-Label der REWE Group gehen. Aber was zertifiziert das PRO PLANET-Label eigentlich? Hier ein kurzer Überblick!

    Das PRO PLANET-Label ist ein Eigenmarken-Label von REWE. Das heißt, dass mit diesem Label nur Produkte zertifiziert werden können, die von der REWE-Eigenmarke sind. REWE hat dieses Label vor etwa 4 Jahren eingeführt. Das Siegel ist blau und trägt in der Mitte eine Kennziffer, mit der man im Internet Informationen über die Nachhaltigkeit des Produktes abrufen kann. Weiterhin ist das Siegel dreieckig, um die drei Eckpfeiler der Nachhaltigkeit zu symbolisieren (Ökologie, Ökonomie und Soziales). Bisher sind damit über 500 REWE-Produkte zertifiziert.

     

    Wie unterscheidet sich das PRO PLANET-Label zu anderen Labels, wie z.B. Bio?

    Mit dem PRO PLANET-Label zertifiziert die REWE-Group nur konventionelle Produkte. Dabei analysiert REWE sogenannte Hot-Spots. Das sind kritische soziale oder ökologische Probleme entlang des Produktionsprozesses. Diese Hot-Spots versucht die REWE-Group zu reduzieren oder sogar ganz zu beseitigen. Ein Beispiel für einen Hot-Spot könnten unfaire Löhne für Kakaobauern in Westafrika oder starke gesundheitliche Schäden bzw. ökologische Schäden an der Umwelt durch Pestizideinsatz u.a. bei Bananen sein. Werden diese Kriterien verbessert so stimmt ein Expertenrat in Absprache mit Mitarbeitern von REWE darüber ab, ob ein Produkt das PRO PLANET-Label bekommen darf.

     

    Wer sitzt im Expertenrat und stimmt über die Freigabe des PRO PLANET-Labels ab?

    Im Expertenrat sitzen Vertreter von unterschiedlichen Organisationen, Initiativen oder Verbänden. Diese sind alle Experten in ihren Fachgebieten und wissen, wo Probleme entlang der Wertschöpfungskette existieren und welche Maßnahmen dagegen wirkungsvoll sind. Beispielsweise vertreten die Umweltschutzorganisationen GLOBAL 2000 und der NABU das Thema Ökologie. Darüber hinaus werden auch soziale Interessen durch das SÜDWIND-Institut oder Interessen von Verbrauchern durch die VERBRAUCHER INITIATIVE vertreten.

     

    Wie äußert sich die Zeritifizierung?

    Da das PRO PLANET-Label konventionelle Produkte zertifiziert finden man es ebenfalls auch auf „Billigmarken“ wie ja!. Dabei trägt z.B. die Billig-ja! Schokolade für 0,49€ das PRO PLANET Label. Darüber hinaus findet man das Label auch auf ja!-Milch oder Eiern aus Boden- und Freilandhaltung.

    Dabei wurden jeweils verschiedene Maßnahmen getroffen um die Hot Spots zu beseitigen. Bei den Eiern erhalten die Hühner kein gentechnisch verändertes Futtermittel und das Futtermittel darf nicht aus Übersee (z.B. dem Amazonas-Regenwald) stammen. Das Futtermittel, meistens Soja, wird im Amazonas angebaut und dafür wird Regenwald gerodet. Auf der ja!-Schokolade findet man das UTZ-Zertifikat. Dieses hat zwar nicht so starke Standards wie Fairtrade, ist jedoch ein erster Anfang um die Ausbeutung (z.B. durch Verbot von Kinderarbeit oder einen lokalen Mindestlohn) zu bekämpfen. PRO PLANET- Produkte können also nicht mit den starken Bio- oder Fairtrade-Kriterien mithalten, dies müssen sie jedoch gar nicht, da sie sich an eine andere Käufergruppe (z.B. den Preisbewussten-Käufern) richten.

     

    Ist die Strategie der REWE-Group nun sinnvoll oder nicht?

    Das ist eine sehr schwierige und komplexe Frage. Grundsätzlich fördert REWE auch sehr viele Bio-Produkte, die über sehr hohe Standards verfügen. Die Idee auch konventionelle Produkte mit PRO PLANET zu labeln, die im Vergleich dazu über deutlich geringere Standards verfügen, ist jedoch nicht falsch oder schlecht. Warum nicht? nachhaltige Konsumenten kaufen in der Regel sowieso nachhaltig (d.h. Bio-Produkte). Jedoch ist der Anteil an nachhaltigen Konsumenten immer noch wahnsinnig gering. Durch das PRO PLANET-Label werden auch Preisbewusste- bzw. konventionelle Käufer gezwungen „nachhaltig“ einzukaufen (auch wenn sie dies nicht wollen oder bewusst wahrnehmen). Natürlich kann man jeden Menschen die Schäden am Ökosystem durch konventionelles Konsumverhalten vorführen und ihn versuchen zu bekehren nur noch ökologisch einzukaufen. Jedoch wird man dies niemals schaffen. Zum einen, weil man nie die Aufmerksamkeit aller Menschen für diese Thematik bekommen wird und zum anderen, weil viele nicht bereit sein werden mehr für nachhaltige Produkte zu zahlen. Durch das PRO PLANET umgeht man genau dieses Problem und ändert den Markt so, dass man gar nicht mehr anders kann, als mindestens Produkte mit PRO PLANET-Standard zu kaufen.

     

    Gibt es Probleme bei der Umsetzung des PRO PLANET-Labels?

    Ja, denn die anderen Lebensmitteleinzelhändler wie LIDL, Kaufland oder ALDI machen dies nicht. Sie fördern zwar Bio-Produkte, verursachen jedoch gleichzeitig, durch die preiswerten Produkte, erhebliche Schäden am Ökosystem. Extrem preisbewussten Käufern fallen die höheren Preise von PRO PLANET-Produkten auf und wechseln so den Anbieter und kaufen statt bei REWE nun bei LIDL, Kaufland, ALDI und Co. ein.

    Die Nachhaltigkeit im Lebensmitteleinzelhandel würde extrem profitieren, wenn alle Einzelhändler sich an die PRO PLANET-Kriterien halten. Dazu wäre politische Intervention notwendig. Leider ist das PRO PLANET-Label nicht dafür geschaffen auf dem ganzen Markt genutzt zu werden, da es sich ja um eine Eigenmarkenzertifizierung handelt.

     

    Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Label natürlich auch Schwächen hat. Jedoch ist das PRO PLANET-Label eine extrem innovative Idee gewesen um den Lebensmitteleinzelhandel insgesamt nachhaltiger zu machen.

     

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    Nun seid ihr gefragt! 

    #1 Habt ihr Bock, dass noch mehr Siegel vorgestellt werden?

    #2 Wie kauft ihr ein? Ist euch das PRO PLANET-Label vielleicht sogar schon aufgefallen und stimmt ihr meiner Einschätzung zu?

Kommentare

11 Kommentare
  • MarcelB
    MarcelB @Johannisbeere1502:
    Ich finds auch gut, allerdings sind die Bezeichnungen oft nur sehr oberflächlich. Was heißt denn nun konkret z.B. Artenvielfalt schützend? Klar ist es nur ein erster Hinweis beim Einkauf und die detaillierteren Kriteri...  mehr
    20. August 2015
  • luisa2412
    luisa2412 Sehr interessant & auf jeden Fall hilfreich beim nächsten Einkauf!
    24. August 2015
  • BlueLikeTheSky
    BlueLikeTheSky Danke für den Bericht, der ist echt sehr informativ! Als ich die Werbung für PRO-PLANET gesehen hatte, kam von meinem Vater die Vermutung, es könnte eventuell auch nur Greenwashing sein, aber ich finde es sehr interessant zu lesen, dass hin...  mehr
    25. August 2015
  • Johannisbeere1502
    Johannisbeere1502 @MarcelB: Deshalb ist es so wichtig, dass über die Siegel "aufgeklärt" wird! So weiß der preisbewusste nachhaltige Konsument, dass das Siegel nicht dem Bio-Standard entspricht und kann dann entscheiden, ob er das Bio oder das Pro...  mehr
    27. August 2015