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Nils und Neven - Gemeinsam etwas Positives bewirken - Straßenmusik für den WWF

  • Nils und Neven machen in ihrer Freizeit Musik auf der Straße. In Berlin ist das erstmal nichts ungewöhnliches, doch das Geld welches sie dafür bekommen, spenden sie an den WWF.

    Kennengelernt haben wir uns beim Essensretterbrunch in Berlin, wo sie uns an
    ihrer Musik haben teilhaben lassen und für uns gespielt haben. Ich war sehr fasziniert von ihrer Geschichten und musste noch einige Zeit an die beiden denken.  Auch ihnen liegt viel daran, ihre Idee und positive Stimmung weiter zu tragen.
    Also haben wir uns zu einem Interview verabredet.

     

    Nils Lennarthaack ist 18 und geht in Berlin auf die Clay Oberschule. Seine Mama wollte, dass er zum Trommeln geht und darauf hatte Nils keine Lust. Seine Mama hat
    ihn gefragt, was er denn für ein Instrument lernen will und ohne wirklich zu
    wissen, was das ist, meinte Nils: Ich will Trompete spielen. Seit 10 Jahren nun spielt er dieses Instrument und wie ich höre auch sehr talentiert und mit Leidenschaft.
    Außerdem singt Nils noch in einem Chor und spielt Klavier.

     

    Neven Pilipovic ist 30 und studiert im 5. Semester Verwaltungsinformatik. Ein Teil seiner Kindheit ist er in Jugoslawien aufgewachsen, wo seine Eltern viele traditionelle Volkstänze getanzt haben und er so schon früh den Bezug zur Musik gefunden hat. Seit 24 Jahre ist er nun in Berlin und hat dort seine Schauspielausbildung gemacht.
    Hier hatte er wieder Kontakt zur Musik und Gesangsunterricht. Seit zwei Jahren spielt er auch wieder Gitarre.

    Wir treffen uns in einem veganen Cafe in Berlin, die beiden mit ihrer Gitarre und Trompete, ich mit meinem Notizblock und Stift.

    Nils, du bist 18, Neven du bist 30. Da lernt man sich nicht in der Schule oder im Studium kennen. Wir habt ihr beiden zusammen gefunden?
    Neven: Vor einem Jahr während der WM sollte es eine Jam Session in der Bar „Flop“
    geben in Wedding. Es war sehr wenig los, aber wir wollten trotzdem Musik machen und waren schon dabei, als auf einmal Nils rein kommt und mit machen wollte. Als er seine
    Trompete ausgepackt hat und wir alle angefangen haben zu spielen, war das
    einfach nur magisch!
    Nils war damals erst 17 und musste dann um 12 nach Hause. Doch ohne dass wir unsere Kontakte austauschen, hätte ich ihn nicht gehen lassen.

    Inzwischen spielt ihr ca. einmal in der Woche zusammen auf der Straße, in Hochphase auch manchmal täglich und spendet das Geld, welches ihr bekommt an den WWF. Wie ist es dazu gekommen?
    Nils: Nach zwei Wochen hat Neven mich dann angerufen und die Idee gehabt einfach
    mal zusammen auf der Straße zu spielen. Ich hatte gerade Sommerferien, da hat
    das auch zeitlich gut gepasst. Wir wollten beide kein Geld damit verdienen,
    sondern ehrliche, persönliche Musik machen und damit andere Menschen beglücken.
    So sind wir auf die Idee gekommen noch was weiteres Positives mit dem Geld
    anzufangen und zu spenden.

    Wieso spendet ihr das Geld an den WWF?
    Neven: Ich will etwas zurückgeben, weil uns die Erde so viel gibt und
    ermöglicht. Ich bin schon seit 2013 Fördermitglied des WWFs und habe damit gute
    Erfahrungen gemacht. Dann war es naheliegend für uns das Geld auch dem WWF zu
    spenden.

    Wissen denn die Menschen, dass ihr das Geld spendet?
    Nils: Nein, wir haben kein Schild wo das drauf steht, wenn wir spielen.

    Und wenn ihr es denn Menschen sagt, wie reagieren sie darauf?
    Nils: Die Leute sind teilweise sehr überrascht, doch die Reaktionen sind durchweg positiv. Bis jetzt wollte noch niemand sein Geld zurück. Außerdem lernen wir dadurch viele nette Menschen kennen, weil sie das toll finden, was wir machen.

     

    Ihr hofft damit auch andere Musiker zu inspirieren und eure Idee weiter zu tragen. Wie genau könnte das aussehen?
    Nils: Musiker melden sich bei NGOs an und stellen sich quasi als Mittel zum Spendensammeln zur Verfügung. Die Organisationen geben dann eine Bestätigung raus, dass die Musiker das Geld tatsächlich spenden. Das könnte vieles mit Genehmigungen erleichtern. Doch auch ohne es offiziell zu machen, wollen wir weitere Musiker dafür begeistern.

    Was spielt ihr für Musik zusammen?
    Neven: Wir haben als Cover Duett angefangen. Die Cover Musik haben wir von Beginn an, durch eigenen Stil aus den Bereichen Irish Folksong und Jazz beeinflusst. Es hat uns so viel Spaß gemacht, Musik zu recyceln, dass die Songs teilweise bis zu 16 Minuten Länge erreichten. Nils spielt hierbei eine sehr wichtige Rolle, denn er hat nicht nur hervorragendes Musik Theorie wissen, sondern er ist im Allgemeinen das virtuose Musiktalent unseres Duetts. Mein musikalischer Beitrag in dem Duett kommt gesanglich durch musikalische Prägung aus der Welt des Balkan Rock und aus der Welt des Soul. Nach nun knapp einem Jahr mega Spaß,  haben wir uns entschlossen den nächsten Schritt zu gehen und haben frisch mit der Sängerin Katja Fleischhauer ein Trio gegründet und ein eigenes Album kürzlich fast fertig geschrieben. Dieses bewegt sich auf einer Crossover Ebene, mehr in die Richtung Funk,Pop‎, Reggae mit einigen tollen 80s Elektronika Elementen. 
    Wenn alles so verläuft, wie geplant, dann werden wir noch dieses Jahr spannendes zum Vorzeigen erarbeitet haben‎, womit wir in Zukunft sicherlich noch noch mehr Menschen mit unserer Musik und Idee erreichen werden.

    Darauf können wir sehr gespannt sein.
    Was inspiriert euch zusammen Musik zu machen?
    Nils: Wir sind vor allem an ab gelegeneren Bahnhöfen oder Straßenecken unterwegs.
    Einmal waren wir in der Nähe der Osloerstraße und innerhalb von ein paar
    Minuten standen dort 30 Leute und haben uns zugehört. Es ist einfach magisch zu
    sehen, wie die Musik die Menschen berührt. Dieser Moment ist so natürlich
    und nicht gemacht.
    Interessant ist auch, wer uns manchmal Geld gibt. Teilweise Kinder, Obdachlose,
    ausländische Bauarbeiter. Sie sind in dem Moment so glücklich über die Musik,
    dass sie etwas zurückgeben wollen, obwohl sie selbst nicht viel haben.

    Neven: Musik bringt auch dunkle Ecken zum Leuchten. Wie Nils schon sagt, es ist
    einfach toll, zu sehen und  zu fühlen, dass man Leute im Herzen erreicht.

    Was ist euch bei eurer Musik und eurer Idee noch wichtig?
    Neven: Man sollte nie vergessen, warum man Musik macht und mit wem man Musik macht. Es geht darum, etwas auszudrücken. Ich will authentisch bleiben. Unsere Musik
    soll persönlich sein, das heißt auch mal Schwächen zeigen und Fehler machen.  
    Es ist wichtig, das beizutragen, was ich kann. Ich bin Teil der Gesellschaft. Im möglichen Rahmen partizipieren, nur so funktioniert Kunst. Man wächst mit der Gesellschaft und mit sich selbst. Es geht darum, gemeinsam etwas Positives zu bewirken.

    Nils: Manchmal bin ich bedrückt von unserer Gesellschaft. Musik zu machen hilft
    mir damit umzugehen. Es ist eine Art Ausbrechen und Rebellieren gegen unsere
    kommerzielle Gesellschaft und der kommerziellen Geldmacherei von Musik. Musik muss
    ehrlich sein uns von Herzen kommen. Ich spiele sehr viel Jazz und der
    ursprüngliche Jazz war Gefühl und Leidenschaft pur. Afrikanische Sklaven haben
    die Musik genutzt, um sich auszudrücken. Mich berührt die Art, wie sie die
    Instrumente, die vor allem in den Militärkapellen vorkamen, genutzt haben und
    mit ihrem Spirit und der afrikanischen Kultur verbunden haben.


    Wenn ihr in die Zukunft schaut, wie geht es dann weiter für euch und eure Musik?
    Nils: Ich werde nächstes Jahr mein Abitur machen und danach möchte ich gerne
    Musik und Jazz Trompete studieren. Diesen Sommer werden wir noch eine Zeit lang
    in Schweden unterwegs sein und dort spielen.

    Neven: Ich werde ab Oktober ein 6-monatiges Praktikum in Nicaragua machen und
    danach mein Studium fertig machen. Anschließend will ich in London den Master
    of Arts in Schauspiel anfangen.
    Wir wollen beide weiter Musik machen und in unserer Freizeit gemeinsam auf der
    Straße spielen. Auch wenn sich unsere Wege erstmal trennen, wollen wir weiter spenden und andere Musiker und Menschen dazu inspirieren.
    Außerdem planen wir eine Musikreise durch Europa mit anderen Musikern zusammen.


    Das klingt nach einer aufregenden Zeit, die vor euch liegt.
    Zu guter Letzt: Was wollt ihr der WWF Jugend noch sagen?
    Nils: Ich wünsche  mir, dass alle Menschen, die etwas Positives bewirken wollen, zusammen arbeiten. Wir sollten uns nicht gegenseitig anfeinden, sondern gemeinsam etwas verändern und über kleine Meinungsverschiedenheiten hinwegsehen. Es gibt genug Leute, die wirklich gegen uns und die Welt arbeiten.
    Nichts schweißt  mehr zusammen, als gemeinsam etwas Positives zu bewirken.

    Neven: Liebe WWF Jugend, ich kann nur von mir sprechen: Ich bin mein größer
    Feind und gleichzeitig bin ich meine größte Chance. Deswegen bemühe ich mich
    den Gedanken und die Hoffnung beizubehalten, dass wir gemeinsam auch dieses
    Ruder rum reißen können und die Welt verändern.

    Danke ihr beiden, das war wirklich ein tolles Interview mit euch.

    Schon nach den ersten Minuten war die Stimmung super. Die beiden Jungs sind wirklich zwei tolle Menschen. Wir haben uns so gut verstanden während des Interviews. Wir sind von den eigentlichen Fragen abgeschweift und haben über viele weitere Sachen rumphilosophiert.
    Es war sehr schön zu erleben, wie wertschätzen die zwei von einander sprechen. Die Kraft und positive Energie, die die beiden ausstrahlen, färbt ab. 
    Am Ende spielen die beiden noch ein bisschen für mich und so kann ich auch etwas von der Magie spüren. . .

    Wenn ihr Menschen kennt, die gerne Musik machen, dann erzählt ihnen doch die Geschichte von Neven und Nils. Vielleicht haben sie auch Lust auf Straßenmusik und das Geld an eine NGO zu spenden.

     

Kommentare

5 Kommentare
  • Cookie
    Cookie Danke für das tolle Interview!
    Ich habe die beiden ja auch beim Essensretterbrunch kennenlernen dürfen und kann nur zustimmen, dass sie zwei beeindruckende Menschen sind und ihre Musik verzaubert. Tatzen hoch für ihr Engagement und viel Glück und Erfolg f...  mehr
    10. August 2015
  • midori
    midori "Sie sind in dem Moment so glücklich über die Musik,
    dass sie etwas zurückgeben wollen, obwohl sie selbst nicht viel haben." Wie schön! Danke an euch beide, dass ihr euch so toll engagiert! Und danke an Cosima für das Interview, sonst hätten w...  mehr
    10. August 2015
  • Gluehwuermchen
    Gluehwuermchen Danke für dieses sehr schöne Interview! :-)
    11. August 2015
  • RichardParker
    RichardParker Tolles Interview Cosima! Die Jungs sind wirklich beeindruckend! :)
    11. August 2015