Berichte

Eine Tonne Lebensmittel gerettet!

  • 2500 Menschen haben beim #Essenretterbrunch am Samstag in Berlin ein Zeichen gegen Lebensmittelverschwendung gesetzt. WWF und WWF Jugend haben gemeinsam mit der Welthungerhilfe, Slowfood Youth und weiteren Partnern der Initiative "Genießt uns!" ein außergewöhnliches Riesen-Buffet aufgebaut - ausschließlich mit Lebensmitteln, die sonst in der Mülltonne gelandet wären, obwohl sie höchsten Qualitätsansprüchen genügen.

    Schulter an Schulter schnippelten und kochten Aktivisten der WWF Jugend, Mitarbeiter und Geschäftsführer des WWF, Bürgerinnen und Bürger sowie Prominente für das riesige Essensretter-Event. Tatort-Kommissar Andreas Hoppe erklärte bei der Eröffnung: "Deutschland braucht einen nationalen Aktionsplan gegen Lebensmittelverschwendung. Wir müssen es schaffen, die Verschwendung in den kommenden Jahren mindestens zu halbieren. Hier sind natürlich nicht nur die Politik und die Unternehmen gefordert. Jeder Einzelne von uns kann etwas tun. Wir brauchen eine neue Wertschätzung für unser Essen."

    "In Deutschland landen zu viele Lebensmittel auf dem Müll. Aufs Jahr gerechnet ist es derzeit so, als würden wir Mecklenburg-Vorpommern und das Saarland in einen riesigen Acker umwandeln und die eingefahrene Ernte einfach in die Abfalltonne kippen", erklärte WWF-Vorstand Eberhard Brandes. "Diese gigantische Fläche geht der Natur weltweit verloren. Für unseren weggeworfenen Essensberg werden tropische Regenwälder gerodet und Savannen in Monokulturen umgewandelt. Zusätzlich befeuert Lebensmittelverschwendung den Klimawandel."

    Insgesamt konnten mit der Aktion rund eine Tonne Lebensmittel gerettet werden. So wurden 30 kg Kirschen zu Marmelade verarbeitet. Aus 1000 kg Gemüse schnippelten 200 Helfer unter Leitung des Koch und Politaktivisten Wam Kat und Mitarbeitern des Steigenberger Hotels am Kanzleramt leckere Salate und Suppen. Eingesammelt wurde es bei Bauern aus dem Berliner Umland und Brandenburg. Während das Gemüse aufgrund von "Schönheitsfehlern" nicht in den Verkauf geht, können die Kartoffeln aus dem vergangenen Jahre im Handel derzeit nicht mit den neuen Frühkartoffeln konkurrieren und sind daher ebenfalls Ausschussware.

    Außerdem wurde CousCous (ebenfalls Ausschussware) als Beilage gereicht. In Deutschland gibt es immer noch ein Mindesthaltbarkeitsdatum auf sogenannten "Trockenware", obwohl Lebensmittel wie Reis, getrocknete Linsen, Zucker oder Salz bei richtiger Lagerung nicht schlecht werden können. Die über 100 kg Brote und Brötchen waren von Bäckereien aus Berlin und Brandenburg geliefert worden und hätten – da vom Vortag - ebenfalls nicht mehr verkauft werden können. Auch das Kaffee- und Teesortiment stammte aus Beständen die etwa aufgrund beschädigter Verpackung nicht an Kunden geliefert worden wäre.

    Danke an euch! Nadja Flohr-Spence, die zuständige WWF-Referentin für die Initiative "Genießt uns!" bedankte sich bei den Helferinnen und Helfern: "Ohne die tatkräftige Unterstützung von so viele Freiwilligen wäre dieser Rekord-Brunch bei Rekord-Temperaturen nicht zu stemmen gewesen. Trotz der Anstrengungen hat es unglaublich viel Spaß gemacht."

    Insgesamt gehen in Deutschland auf pro Jahr mehr als 18 Mio. Tonnen Nahrungsmittel verloren. Das entspricht fast einem Drittel des aktuellen Nahrungsmittelverbrauchs der Bundesrepublik. Das ist nur eine vorsichtige Schätzung. Auch ohne den Einsatz neuer Technologien sind zehn der 18 Mio. Tonnen Lebensmittelverluste bereits heute vermeidbar - etwa durch verbessertes Management, nachhaltigere Marketingstrategien und veränderte Konsumgewohnheiten.

    Nicht nur ökologisch, sondern auch ethisch ist der Verschwendungs-Irrsinn ein Problem. Im Schnitt werfen wir in Deutschland jede Sekunde 313 Kilogramm genießbare Nahrungsmittel weg, während weltweit fast eine Milliarde Menschen Hunger leiden.

    Die Politik hat in den vergangenen Jahren dazu nur vollmundige Ankündigungen gemacht. Die Bundesregierung ist bisher untätig geblieben, obwohl alle im Bundestag vertretenen Parteien immer wieder versprachen, das Problem angehen zu wollen. Um die Politik zum Handeln zu bewegen hat der WWF daher eine entsprechende Petition gestartet. Verbindliches Ziel muss es werden, die Verschwendung in den kommenden Jahren um die Hälfte zu verringern.

    Wer also leider nicht beim Brunch dabei sein konnte, kann mit seiner Stimme für die Petition ebenfalls ein Zeichen setzen. Über 30.000 haben schon unterschrieben! Und natürlich ist nicht nur die Politik gefragt. Jeder Einzelne von uns ist gefordert. Wir brauchen eine neue Wertschätzung für unser Essen.

    Fotos © Robert Günther

Kommentare

10 Kommentare
  • Monamona
    Monamona Hat wirklich sehr viel Spaß gemacht, auch wenn ich hinterher noch auf meine Bahn warten musste, die eine Stunde Verspätung hatte... ;)

    Und das Essen hat auch noch zu Hause sehr gut geschmeckt!
    6. Juli 2015
  • Laura619
    Laura619 Würde ich in Berlin wohnen, wäre ich auch dabei gewesen ! Klingt klasse :-)
    6. Juli 2015
  • anni95
    anni95 Richtig tolle Aktion.!
    6. Juli 2015
  • Hummelelfe
    Hummelelfe Diese Aktion hört sich echt gut an!
    Wahre gern dabei gewesen!
    In meiner Stadt war schon einmal eine riesige Kochaktion um eine ganze Kirche herum. Jeder durfte mithelfen!
    26. September 2015