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Tipp der Woche! - Entdecke Tausende Pflanzen aus aller Welt im Botanischen Garten

  • Ein heißer Sommertag, die Luft ist stickig, überall Autos, Fahrräder, Menschen. Verkehrslärm, laute Stimmen, das Getöse der Baustelle an der Straßenecke. Die Ampel wird grün und gibt durch lautes Piepsen kund, dass es nun sicher ist, die Straße zu überqueren. Verschwitzt erreiche ich die andere Straßenseite. Nur noch eine kleine Gasse entlang und dann durch das Tor und schon umgibt mich angenehme Kühle. Ich gehe weiter den Kiespfad entlang. Bäume spenden Schatten und ich atme die frische Luft ein.

    Ich befinde mich im Botanischen Garten in Gießen, für mich der perfekte Ort zum Entspannen und meine kleine grüne Oase, nachdem ich vom Land in die Stadt gezogen bin, und gleichzeitig der älteste botanische Universitätsgarten Deutschlands, dessen ursprüngliche Teile auch heute noch zur Anlage gehören. Begonnen hat alles vor mehr als 400 Jahren, als Landgraf Ludwig von Hessen-Darmstadt der Gießener Universität im Jahre 1609 ein Gärtchen zur Einrichtung eines Heilpflanzengartens überließ. Heute kann man auf einer Fläche von etwa 3 Hektar ca. 7500 Pflanzenarten aus aller Welt bestaunen. Der Botanische Garten, der den Biologen und Chemikern der Gießener Justus-Liebig-Uni zur botanischen Lehre und Forschung dient, ist jedes Jahr vom 20. März bis zum 20. Oktober für Besucher geöffnet.

    Große Teile des Gartens werden vom alten Baumbestand eingenommen. Der älteste Baum, der sich heute noch hier befindet, ist ein Gingko-Baum, der schon 1816 gepflanzt wurde. Unter den etwa 400 Baum- und Straucharten, die der Botanische Garten beherbergt, befinden sich unter anderem ein großer Berg-Mammutbaum, ein Japanischer Korkbaum sowie eine Chinesische und eine Kaukasische Flügelnuß. Zahlreiche Bänke laden dazu ein, im Schatten der Bäume zu verweilen und dabei zuzusehen, wie das ein oder andere Eichhörnchen die dicken Stämme erklimmt.

    Der Botanische Garten bietet die Möglichkeit, eine kleine Pflanzen-Weltreise zu machen, ohne Gießen verlassen zu müssen. Durch einen schmalen Weg getrennt, breiten sich die Flora von Steppe und Prärie nebeneinander aus, in Gewächshäusern befinden sich unter anderem Gummibäume, Kakteen und Farne und dank der im Victoriahaus herrschenden Amazonasbedingungen die normalerweise nur nachts blühende Victoria-Seerose. Ob Pflanzen von den Kanarischen Inseln, Kakao und Kaffee oder der Cola-Baum – im Botanischen Garten sind sie alle vereint. Besucher sollen hier zudem auf die Flora von in der Natur gefährdeten Standorten aufmerksam werden.

    Der Garten lädt nicht nur zur Welt-, sondern auch zur Zeitreise ein: Die kulturhistorische Abteilung bietet eine Zusammenfassung der für die Ernährung von uns Mitteleuropäern wichtigen Pflanzen seit der Jungsteinzeit. Die vielen bunten Blumen, die über den ganzen Garten verteilt zu finden sind, sind ein wahrer Augenschmaus, doch der Botanische Garten spricht auch andere Sinne an: 2007 wurde ein Blindengarten errichtet. Die Wege sind so gestaltet, dass sich Blinde und Sehbehinderte dort alleine zurecht finden und dank Blindenschrift auf den Schildern die Namen der in Hochbeeten wachsenden Pflanzen erfühlen können, die ihren Duft über den gesamten Bereich hinweg verbreiten.

    Dem Panda würde es im Botanischen Garten sicher auch gut gefallen, denn hier gibt es auch ein Bambuslabyrinth, das als Evolutions-Denkpfad und Denkmal an Darwin angelegt wurde.

    Wenn ihr mal nach Gießen kommt, solltet ihr einen Spaziergang durch den Botanischen Garten auf keinen Fall auslassen. Und Pflanzenfreunden kann ich einen Besuch hier nur empfehlen.
    Mehr Infos und die Öffnungszeiten findet ihr hier

    Letze Woche hat euch Johannes vorgestellt, wie man Geräte, die die meiste Zeit ungenutzt in der Ecke liegen verleihen und dabei seine Nachbarn besser kennenlernen kann.

    Quellen:

    http://www.uni-giessen.de/cms/ueber-uns/botanischer-garten
    https://de.wikipedia.org/wiki/Botanischer_Garten_Gie%C3%9Fen

    Fotos: Anne Zeiß

     

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