Berichte

Naturschutz in Ecuador

  • Mein Traum vom Ausland

    Quelle: http://www.ecuador.com/images/map-new.gif

    Schon während meiner Vorbereitungen auf das Abitur war mir klar: Danach muss ich hier weg ! Ich will etwas Nützliches tun ! Nicht, dass das Abitur mir nicht von Nutzen wäre, jedoch war Naturschutz schon immer ein großes Anliegen von mir und auch der Wusch einmal etwas von unserem wunderschönen Planeten zu sehen wuchs immer weiter.

    Da mich Biologie und die Geschichte der Galapagos Inseln schon immer interessierte, war schnell klar: Das Ziel heißt Ecuador !

    Erst als ich mich näher mit diesem kleinen südamerikanischen Land befasste war mir klar, dass die Galapagos Inseln bei weitem nicht der einzige Naturschatz sind, die dieses Land zu bieten hat !

    Ich bewarb mich also bei der Umweltschutzorganisation Jatun Sacha auf Galapagos und zudem noch bei Yana Cocha, einer Wildtierauffangstation im Amazonasgebiet.

    Die Vorfreude war unbeschreiblich groß und endlich machte ich mich auf den Weg! In Quito, der Hauptstadt Ecuadors, angekommen wohnte ich in einer WG und hatte zunächst einen vierwöchigen Spanischkurs. Ich lernte viele tolle Leute kennen und an den Wochenenden reisten wir durchs Land und schauten uns die wundervolle Natur an.

    Unter anderem bestiegen wir den Cotopaxi - einen der höchsten aktiven Vulkane weltweit !

    Auch die berühmte Vulkankraterlagune Quilotoa blieb nicht aus.

     

    Von Beginn an war ich einfach fastiniert, dass solch ein kleines Land wie Ecuador so eine riesige Biodiversität zu bieten hat ! Angefangen von den vier Ökosystemen:

    Amazonas,Anden,Küste und natürlich den Galapagos Inseln.

    Egal, wo man sich aufgehalten hat: an jedem Fleck hat man neue Tier- und Pflanzenarten entdeckt!

    Anfang Februar ging es endlich weiter nach Galapagos ! Allein schon der Landeanflug war atemberaubend ! Zu wissen, dass man in Kürze die Füße auf eines der wichtigsten Kapitel in der Geschichte der Biologie setzt hat mich schon wahnsinnig berührt. Am Flughafen wurde ich von Cesar, meinem Projektkoordinator abgeholt. Da dieser noch ein Meeting hatte durfte ich mir in der Zeit den Ort Puerto Baquerizo Moreno auf San Cristobal anschauen. Ich lief zum Strand und war überwältigt ! Im Sand lagen überall gemütlich dösende Seelöwenbabys, die etwas Älteren und Erwachsenen Tiere haben im Wasser Saltos geschlagen oder Fange gespielt und auf den pechschwarzen Lavafelsen haben sich die großen Galapagos Krabben sowie verschlafene Seelöwen gesonnt. Ich war unbeschreiblich glücklich und ganz sicher: hier ist das Paradies !

    Ich konnte es kaum erwarten etwas zu dem Erhalt dieses einmaligen Ökosystems beizutragen ! Auf Jatun Sacha angekommen bezog ich mein Zimmer in dem schönen, gemütlichen Holzhaus und traf sogar auf aus Quito bekannte Gesichter !

    Unsere Arbeit bestand darin vom Menschen eingeschleppte Pflanzen, wie beispielsweise Mora (Brombeeren) mit Macheten zu bekämpfen, endemische Pflanzen zu züchten und pflanzen sowie zwei mal in der Woche in der Zuchtstation für Riesenschildkröten, der Galapaguera de Cerro Colorado, zu helfen, wo wir ebenfalls einheimische Pflanzenarten züchteten sowie beim Anbau und der Bewässerung halfen.

    Ab und an arbeiteten wir in unserem Obst- und Gemüsegarten, wo das Meiste was wir zum Leben brauchten angebaut wurde. Hierbei wird drauf geachtet, dass nur Sorten angepflanzt werden, die sich nicht ausbreiten und somit die einheimische Flora nicht gefährdet wird.

    Leider gibt es im Hochland von San Cristobal so viele Moskitos, dass man ohne Ganzkörperschutz nicht arbeiten konnte. Auch nachts waren die Plagegeister aktiv und man war schon nach wenigen Tagen übersät mit Stichen.

    An manchen Tagen war es nachmittags viel zu heiß zum arbeiten und wir durften uns entweder ausruhen oder machten gemeinsam mit unserem Anleiter einen Ausflug zum wunderschönen Puerto Chino Strand oder zum großen Wasserfall.

    Seelöwe am Puerto Chino

    Blaufußtölpel

    Neugieriger Darwinfink

    Nach vier Wochen war leider die Zeit des Abschieds gekommen und es ging für mich zurück zum Festland. Doch die Trauer war schnell vergessen, als ich in der Wildtierauffangstation Yana Cocha in Puyo ankam. Das tolle an dieser Station ist, dass sie die Tiere, wenn möglich, wieder auswildern. Dazu hat Yana Cocha ein riesiges Gebiet Regenwald gekauft, in der die Faultiere, Affen, Vögel, Ozelots, Margays, Nasenbären und all die anderen ecuadorianischen Wildtiere wieder in ihre ursprüngliche Heimat zurück gebracht werden. Dieser Punkt war mir persönlich enorm wichtig, da es nahe Puyo eine weitere Auffangstation gibt, die ihre Tiere jedoch nicht auswildern kann, da sie keinen eigenen Regenwald besitzen und es von der Regierung verboten ist die Tiere auf neutralem Gebiet zu entlassen.

    Zwei-Finger-Faultier

    Der Arbeitstag in Yana Cocha bestand darin morgens in der Futterküche die Eimer für die verschiedenen Tierarten vorzubreiten. Dazu wurde Fleißig Obst,Gemüse und Grünzeug geschnitten und während wir das Futter verteilten reinigten wir auch gleich die Gehege von altem Futter und Kot, putzten die Wasserpools und schauten generell nach dem Rechten. Während wir Pfleger in den Gehegen waren, wurden die Wildtiere in so genannte Handling Cages gesperrt, um möglichen Angriffen vorzubeugen. Bei den kleinen Affenarten und Vögeln waren diese Sicherheitsmaßnahmen jedoch nicht vorgeschrieben.

    Während die eine Gruppe also das Futter vorbereitete, verteilte und die Käfige säuberte, war die andere Gruppe mit "Extra Work" bschäftigt. Dort half man beim Bau von neuen Gehegen oder Wegen durch die Station, säuberte die Käfige der Futtertiere, oder half bei Reparaturen. Nachmittags wurde zwischen der späten Fütterung und Spezialfütterungen unterschieden. So werden die größeren Tiere zweimal täglich gefüttert und außerdem auf abwechslungsreiche, artgerechte Ernährung aller geachtet. So kam es dazu, dass man ab und zu zur "Eier-Runde", "Babybrei-Runde" oder "Heuschrecken-Runde" eingeteilt wurde oder auch mal im Stationseigenen See zum Angeln ging, um den Raubtieren ihren Fisch zu fangen. Im Großen und Ganzen wurde der menschliche Kontakt zu den Tieren, die ausgewildert werden sollen weitestgehend verhindert. Bei anderen wiederum, die ihr Leben aufgrund von Behinderungen in Yana Cocha verbringen werden oder die einfach zu lange als Haustiere gehalten wurden, dass sie nicht mehr an ein Leben in Freiheit gewöhnt werden können, ist der Nähere Kontakt möglich. Doch auch hier wird drauf geachtet, dass die Tiere nicht vermenschlicht werden, sondern ihre natürlichen Verhaltensweisen beibehalten. Wer Glück hat und zur richtigen Zeit dort ist kann sogar bei einer Auswilderung dabei sein !

    Futterküche

    Babybrei-Runde

    Einmal in der Woche gab es die Möglichkeig einen Ausflug in das Auswilderungsreservat von Yana Cocha zu machen. Es folgte eine fünfstündige Wanderung durch Amazonasregenwald, durch Flüsse, über Baumstämme, bergauf, bergab. Das Ziel war ein riesiger Wasserfall, wo wir baden konnten und unser Mittagessen verspeisten. Es war ein unglaubliches Erlebnis die unberührte Natur so hautnah erleben zu können !

    Leider ging auch diese Zeit viel zu schnell vorbei, aber ich bin dankbar für jeden Tag, den ich in diesem wunderschönen Land verbringen konnte !

    Das, was ich in diesem Artikel erzählt habe ist nur ein kleiner Ausschnitt einer gigantischen Reise ! Ich könnte ein ganzes Buch über die verrückten, wunderschönen, unzähligen Erlebnisse schreiben, die ich in Ecuador hatte. Allein die unglaubliche Vielfalt an Pflanzen und Tieren war geradezu atemberaubend ! Ich kann nur jedem raten solche Erfahrungen zu sammeln, vor allem da die hier beschriebenen Organisationen Jatun Sacha und Yana Cocha sich ausschließlich durch Volunteers, Spenden und Besuchergelder finanzieren ! Die Organisationen leisten immens wichtige Arbeit im Naturschutz und sind jede Unterstützung wert !

    Ich bin unglaublich dankbar für all die kostbaren Momente in Ecuador !

Kommentare

13 Kommentare
  • Franiz
    Franiz Deine Reise klingt echt nach einer super schönen und spannenden Zeit! :) Toll. Ich finde es super wenn sich Leute für sowas einsetzen. Ich stoße allerdings auf die gleichen Probleme wie andere hier schon geschrieben haben: Es ist leider in...  mehr
    31. Mai 2015
  • Tierfreundin
    Tierfreundin Danke für die tolle Rückmeldung ! Richtig, ich konnte kein spanisch, ich habe mich über Praktikawelten beworben. Die haben das alles geklärt. Ich kann bei Interesse aber auch die Facebook Daten der zwei englisch sprechenden Koordinator...  mehr
    4. Juni 2015
  • AnnaDM
    AnnaDM Wie weit im Voraus hast du dich denn beworben? Und wie lange warst du insgesamt in Ecuador?
    8. Juni 2015
  • Tierfreundin
    Tierfreundin Ich habe mich zwei Monate vorher beworben und ware drei Monate dort
    10. Juni 2015