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Adidas produziert Kleidung aus Ozeanplastik – Sinnvolle Maßnahme oder doch eher Greenwashing?

  • Die Weltmeere versinken im Plastikmüll mit fatalen Folgen für ganze Ökosysteme. Seevögel und Meeressäuger verenden an Ansammlungen von Plastikteilchen in ihren Mägen und über den Verzehr von Fisch gelangt Mikroplastik auch in die menschliche Nahrungskette.


    Kein Wunder also, dass das Thema Plastik die Community nicht mehr loslässt. Und wenn man die Nachrichten verfolgt, bekommt man den Eindruck, als sei die Dringlichkeit einer Problemlösung auch bei Unternehmen angekommen. Immerhin klingt die Headline Adidas will Kleidung aus Plastik-Treibgut produzieren zunächst mal wie Musik in den Ohren. Aber ist das denn ein sinnvoller Ansatz, um das Plastik-Problem im Meer anzugehen? Oder steckt Greenwashing dahinter? Schauen wir am besten mal genauer hin.


    Die Meeresschutzorganisation Parley for the Oceans hat den Stein für das Projekt ins Rollen gebracht. Mit dem Ziel „es für Unternehmen lukrativer zu machen, die Ozeane und Natur zu schützen, als sie zu zerstören“ wandte sich das Team an Adidas mit dem Ergebnis, dass im 2016 die ersten Kleidungsstücke aus Plastik-Treibgut in den Filialen liegen sollen. Außerdem sollen Plastikelemente von bestehenden Produkten langfristig durch das Meeresplastik ersetzt werden.


    Der Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, Jürgen Resch, hält das Ganze für keine gute Idee. Hochwertige Textilien können seiner Meinung nach nicht aus Kunststoffmüll hergestellt werden, da sich beim Waschen der Kleidung Fasern herauslösen, die als Mikroplastik wieder zurück in die Meere gelangen. „Es gibt seit Jahren eine Diskussion darüber, dass solches Mikroplastik viel schlimmer für die Meere und Seen ist, als größere Plastikteile. Sie können viel leichter in die Nahrungskette aufgenommen werden.“, so Resch. Daher sagt er ganz offen: „Wir halten das nicht für den richtigen Weg. Für uns ist das eine reine Werbemaßnahme und ein starkes Greenwashen von problematischen Kunststoffprodukten".


    Die Kritik scheint berechtigt. Wolle man wirklich die Meere vom Plastik befreien, müsse man doch nicht nur dafür sorgen, dass das Plastik aus den Meeren geholt wird, sondern auch verhindern dass es genau dorthin wieder zurück gelangt. Wäre es also nicht sinnvoller Kleidung zu produzieren, die gar kein Plastik mehr enthält?


    So sieht es eigentlich auch das Team von Parley for the Oceans. Allerdings sind sie der Ansicht, dass die gesamte Modeindustrie von Kunststoffen abhängig sei. Ein Problem das man nicht über Nacht lösen könne. Daher wären die Kleidungsstücke aus Plastik-Treibgut als eine Zwischenlösung gedacht, die die Neuproduktion von Plastik eindämmen und Aufräumarbeiten an Küsten und im Meer finanzieren soll.


    Was außerdem geklärt werden muss, ist die Frage nach dem ökologischen Fußabdruck der Kleidung. Immerhin scheinen Einsammlung und Transport so nachhaltig wie möglich von Statten zu gehen: Das Sammeln des Plastikmülls an Stränden übernähmen Freiwillige und das Material werde verschifft, indem man Leerfahrten von Fuhrunternehmen nutze. Auch der Blick auf andere Maßnahmen bezüglich Nachhaltigkeit scheint es bei Adidas voran zu gehen. So setzte sich das Unternehmen im Zuge der Parley-Kooperation zum Ziel, Plastiktüten aus den Geschäften zu verbannen. Und auch auf den Druck der Greenpeace Detox Kampagne hin verpflichtete sich Adidas zu einer vollständigen Eliminierung giftiger Chemikalien aus ihrer Produktion bis 2020.


    Momentan lässt sich sagen, dass das Projekt Mode aus Ozeanplastik dabei helfen könnte die Plastifizierung der Meere zu verlangsamen, aber keine Dauerlösung bietet. Da sich Adidas bisher nicht festlegen will, welche Menge an Plastikmüll recycelt werden soll, bleibt abzuwarten, ob das Projekt wirklich zu einer deutlichen Verbesserung der Umstände führt oder ob es doch bloß eine Wohlfühl-Aktion für Firma und Käufer wird.


    Wie ist eure Einschätzung zu der Intention von Unternehmen wie Adidas? Steckt ein wirkliches Interesse an unsere Umwelt hinter all ihren Bemühungen oder geht es doch nur um das gute Image? Können es sich Firmen zukünftig überhaupt noch leisten sich nicht ernsthaft und transparent für eine nachhaltige Produktion einzusetzen?
    Und unsere Rolle bei dem Ganzen? Sollten wir auch kleine Verbesserungen bejubeln oder müssen wir nach der großen Kehrtwende streben, um wirklich was zu erreichen?

     

     

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    Quellen:
    http://www.wwf.de/themen-projekte/meere-kuesten/unsere-ozeane-versinken-im-plastikmuell/
    Anna Behrend, http://www.zeit.de/wissen/umwelt/2015-04/recycling-kleidung-plastik-meer
    Anna Gauto, http://green.wiwo.de/echter-umweltschutz-oder-billiger-kundenfang-adidas-will-meeresplastik-recyceln/
    Google Bilder

Kommentare

9 Kommentare
  • FranziL
    FranziL @Fenris: Ich finde es schwer vorstellbar, weil sich solche Großkonzerne nur sehr selten umweltfreundlich zeigen und ihren Profit weit über alles andere wie zum Beispiel Menschenrechte oder die Umwelt stellen.
    16. Mai 2015
  • Akatsuki
    Akatsuki Würde ich Allgemein so nicht sagen.
    16. Mai 2015
  • Tabea17
    Tabea17 Ich glaube, dass Adidas damit nur die lebensverachtenden Umstände der Näherinnen überspielen will. :(
    24. Mai 2015
  • 4lexSchneegans
    4lexSchneegans Tabea ich glaube nicht das sie es als großes Problem sehen das vertuscht werden muss. Ich finde das unglaublich schade...
    12. Juni 2015