Berichte

Zwischen Warten und Sein

  • Treffen des WWF Jugend Redations- und Aktionsteams sind oft sehr vielschichtig und intensiv. Und jedes Mal, wenn ich von einem Wochenende voller Ideensammlung, Aktionsplanung, Naturerlebnis, Elan und Herzlichkeit nach Hause fahre, dann suche ich nach einer Möglichkeit die letzten Tagen besinken zu lassen. Das Resultat sind gekritzelte Texte, festgehalten in Tagebüchern, auf Rückseiten von Zugtickets oder am Rand von DB mobil Magazinen. Worte strömen dann von irgendwoher, formen Sätze, die ich im Alltag oftmals wieder vergesse, die verblassen, mir entgleiten, irgendwohin versickern. In solchen Zeiten tut es gut, diese Texte nochmals zu lesen, Erinnerungen erneut zu wecken, Erkenntnisse wieder aufblühen zu lassen. Ich bin sehr dankbar dafür, dass die WWF Jugend mir solche Erfahrungen schenkt. Und weil ich mir jedes Mal wünsche, diese WWF Jugend Momente, die mir so viel Kraft und Frieden geben, mit anderen teilen zu können, kommt anlässlich des letzten Treffens in Bad Belzig mal ein etwas anderer Erfahrungsbericht.

    Nacheinander schreiten wir durch den steinernen Torbogen. Wir wurden eingeladen in dem Moment, da wir den Fuß auf die andere Seite dieses Durchgangs setzen, ins Jetzt einzutreten. Keine Gedanken an gestern, keine an morgen, keine an ferne Erinnerungen, keine an die ungewisse Zukunft, zwischen denen mein Geist normalerweise wie eine Kompassnadel im Magnetsturm hin und her springt.

    Als ich das Tor durchschreite, hebt sich eine Schwere von meinem Körper. Ich erlaube mir selbst, einen großen Rucksack abzusetzen. Wie wenn man nach einer langen Wanderung sein Gepäck fallen lässt, kommt es mir so vor, als wäre mein Gang mehr ein Schweben, als würden meine Füße nur ganz leicht den Boden berühren, weniger Spuren hinterlassen. Ich atme bewusst, meine Sinne sind wach. Innen ein stiller See, der lediglich alles widerspiegelt: die Stimmen der Vögel, die Düfte des sprießenden Frühlings, die Bewegung von Gräsern im Wind, das Spiel von Sonnenstrahlen auf gesponnenen Fäden zwischen den Bäumen. Netz des Waldes.

    Wir gehen als Fremdlinge in diesen Wald. Aus Gewohnheit würden wir unseren eigenen Gedanken nachhängen, darin festhängen, unseren Geist verschließen. Nicht stillstehen bei der Tatsache, dass wir Gäste im Heim anderer sind. Einem Ort, an dem Wesen geboren werden, wachsen, Nahrung suchen, jagen, sich verstecken, verteidigen, kommunizieren, Nester und Wohnorte bauen, Partner finden, Kinder großziehen, alt werden, sterben, andere nähren. Einem Ort des Entstehens, des Vergehens, des Seins.

    All das könnten wir verdrängen. Wir könnten unsere Türen und Fenster verschließen, unsere Sinne mit einem Filter versehen. Leicht ist es dann zu sagen: all das um mich her ist mir egal. Denn ich habe selbst schwere Lasten zu tragen, schon genug Gepäck. Dann bleibt uns der Filter umschließen, unser Körper unter allem Gewicht angespannt. Dann bleiben wir warten ohne zu sein.

     

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