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KlimaWende! - Wie unsere Ernährung das Klima beeinflusst.

  • Schon längst hat man begriffen, dass die Folgen unserer Ernährung weit mehr als nur persönlich sind. Unser Konsumverhalten in Sachen Lebensmitteln beeinflusst nicht nur unseren eigenen Körper, sondern hat Auswirkungen auf andere Menschen, auf Tiere, Pflanzen, Böden, Wasser, Luft und letzten Endes das Klima. Doch was gilt es bei einer klimabewussten Ernährung zu beachten? Wie sind die CO2-Bilanzen bestimmter Lebensmittel im Vergleich? Welche Rolle spielen Anbau, Transport, Saison und Frische bei der Klimafreundlichkeit? Mit welchen Maßnahmen sind die Einsparungen an CO2 am effektivsten? Wer diese Fragen beantwortet haben möchte, ist hier genau richtig!

    Was den Klimawandel angeht herrscht akuter Handlungsbedarf. Durchschnittlich werden in Deutschland pro Kopf achtmal mehr CO2-Äquivalente ausgestoßen als maximal verträglich. Dabei hat die Ernährung einen Anteil von rund 20 Prozent am gesamten Treibhausgasausstoß, womit dieser Bereich nach dem Sektor Wohnen aus dem zweiten Platz liegt. Schafft man es, bei der Ernährung ein paar Dinge zu beachten, kann man seinen persönlichen CO2-Fußabdruck ausschlaggebend verkleinern.

    1. Mehr pflanzliche und weniger tierische Lebensmittel

    Vergleicht man die Treibhausgasemissionen, die bei der Erzeugung pflanzlicher und tierischer Lebensmittel ausgestoßen werden, kommt man zu dem Ergebnis, dass tierische Produkte mehr Treibhausgase verursachen, als sie selbst wiegen. Ein Blick in die Tabelle aus einer Studie von Koerber und Kretschmer aus 2009 genügt, um zu erkennen, dass pflanzliche Produkte die klimafreundlichere Wahl sind.

    Doch wie kommt es zu einem so hohen Ausstoß an Treibhausgasen bei tierischen Produkten? Den höchsten Anteil macht das CO2 aus, welches bei der Abholzung von Wäldern freikommt. Die dadurch gewonnene Fläche wird für Weideland oder den Anbau von Futterpflanzen genutzt. Auf dem zweiten Platz stehen die Emissionen von Lachgas und Methan, die bei der Lagerung von organischem Dung anfallen und die von Wiederkäuern durch mikrobakterielle Aktivitäten bei der Verdauung erzeugt werden. Auch die Weiterverarbeitung von Milch und Fleisch erhöht das Treibhauspotenzial. Um 1 kg Käse herzustellen, werden 11 Liter Milch benötigt; für 1 kg Butter stolze 22 Liter.

    2. Öko-Lebensmittel sind klimafreundlicher

    Die Tatsache, dass im ökologischen Pflanzenbau auf konventionellen Stickstoffdünger verzichtet wird, schont nicht nur den Boden und das Grundwasser, sondern senkt auch die Treibhausgasbilanz. Bei der Herstellung von Stickstoffdünger werden nämlich fossile Energieträger verwendet, was zu CO2- und Lachgas-Emissionen führt. Aus einer Studie in Bayern geht hervor, dass Öko-Betriebe in ihren Emissionen durchschnittlich ein Viertel unter den konventionellen Betrieben lagen.

    Bei der Tierhaltung punktet darüber hinaus der Verzicht auf Sojafutter aus Südamerika, für dessen Anbaufläche nicht selten der Regenwald weichen muss.

    3. Regional statt mit dem Flugzeug

    Die Umweltbelastung beim Lebensmitteltransport hängt mit der Entfernung und dem Transportmittel zusammen. Mit dem Kauf von regionalen Produkten kann durch die kurzen Transportwege somit am meisten CO2 eingespart werden. Extrem klimabelastend hingegen sind die Flugtransporte: Es wird nicht nur viel mehr CO2 ausgestoßen, sondern der Ausstoß erfolgt auch in großer Höhe, was sehr viel schädlicher ist als bodennahe Emissionen. Häufig eingeflogene Lebensmittel sind beispielsweise Fischfilets aus Afrika und Sri Lanka, Bohnen aus Ägypten, Kenia und Thailand, Tropengemüse und Tropenobst wie Papayas, Mangos und Ananas.

    4. Saisonales Obst und Gemüse aus dem Freiland

    Ein guter Grund darauf zu achten, Obst und Gemüse aus der hiesigen Saison zu kaufen, ist der Vorteil des Freiland-Anbaus gegenüber beheizten Gewächshäusern. Denn um Pflanzen in der kalten Jahreszeit in einem Treibhaus großzuziehen wird viel Heizenergie benötigt, wobei meistens auf fossile Energieträger zurückgegriffen wird. Bis zu 30-mal mehr klimaschädliche Emissionen werden beim Anbau in Gewächshäusern ausgestoßen.

    Ein solcher Saisonkalender liefert einen guten Überblick, welche Produkte wann mit niedriger Klimabelastung zu kaufen sind.

     

    5. Frische Lebensmittel statt Tiefkühlkost

    Auch bei der Weiterverarbeitung von Lebensmitteln entstehen erneut Treibhausgasemissionen. Besonders ausschlaggebend sind sie bei (Tief-)Kühlung und Erhitzung. Die geringe CO2-Bilanz von der Erzeugung von Obst und Gemüse kann durch tiefgekühlte Lagerung wieder wettgemacht werden: Tiefgekühlte Pommes verursachen etwa 31-mal mehr CO2-Äquivalente als frische Kartoffeln.

    Weitere Schritte...

    Darüber hinaus können diese drei Maßnahmen viel bewirken: Beim Einkaufen auf das Auto zu verzichten und stattdessen zu Fuß, mit dem Rad oder dem Bus zu fahren, kann die Klimabilanz der eingekauften Lebensmittel erheblich verbessern. Auch derjenige, der auf eine umweltfreundliche Verpackung achtet und möglichst auf Plastik verzichtet tut der Umwelt einen Gefallen. Und zu guter Letzt hilft es sehr, nur einzukaufen, was man wirklich braucht. Dass 20 bis 25% der Lebensmittel im Restmüll landet, muss nicht sein.

     

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    Letzte Woche ging es in der 'KlimaWende!' Berichtreihe um Tornados! Müssen wir uns in Deutschland vor den wirbelnden Naturgewalten fürchten?

    Quellen:

    http://www.gemeindeganderkesee.de/fileadmin/images/umwelt/Praesentation_Vortrag.pdf

    http://tier-im-fokus.ch/wp-content/uploads/2009/06/koerber_kretschmer09.pdf

    Obst: © creative collection

Kommentare

2 Kommentare
  • SarahU
    SarahU Sehr guter Bericht!! Danke! ... zeigt mal wieder, dass man durch eine vegane Ernährung (oder eine Reduzierung der tierischen Produkte) nicht nur etwas zum Tierschutz beiträgt, sondern auch zum Schutz der Natur und des Klimas
    19. August 2015
  • Luke24
    Luke24 In meinen Augen einer der besten Berichte der vergangenen Wochen. Kompakt, leicht verständlich, total informativ und mit den Grafiken nebst Tabellen gut aufbereitet.

    Danke dafür :-)
    22. August 2015