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Zukunftsenergie statt Braunkohle – WWF Jugend bei Anti-Kohle-Kette in Garzweiler

  • 6.000 Menschen, 7.5 km und eine Botschaft: „Bis hierhin und nicht weiter!“. So lässt sich die Menschenkette gegen den Braunkohleabbau am 25.04.15 in Garzweiler, Nähe Köln, in einem Satz zusammenfassen und mit dabei ist natürlich die WWF Jugend!

    Es ist 12:00 als meine Freundin Nele und ich den Bahnhof Erkelenz erreichen und bereits am Bahnsteig treffen wir ganz viele Aktivist*innen mit Plakaten, Bannern und Co. gegen Braunkohle. Die super organisierten Shuttle-Busse bringen uns dann an den eigentlichen Ort des Geschehens: Immerath. Dort werden wir an der schönen, alten Dorfkirche, die vielleicht auch bald den Kohlebaggern zum Opfer fallen wird, direkt von vielen weiteren Aktivist*innen, einem „Markt der Möglichkeiten“ mit Infoständen und diesen Bannern begrüßt:

    Außerdem bekommen wir hier unsere gelben Bänder, mit der Aufschrift: „Anti-Kohle-Kette Garzweiler“, die im Verlauf des Tages noch eine wichtige Rolle spielen sollten.

    Auf geht’s von Immerath Richtung Keyenberg, denn schließlich wollen wir mit unserer Menschenkette diese beiden Orte verbinden, die von schmutziger Kohlekraft bedroht sind – genauso wie unser ganzer Planet!

    Diese Bänder markieren den Weg, den die Wenschenkette entlang führt

    Alle diese Orte sind vom Kohlebagger gefährdet

    Auf dem Weg begegnen wir ganz vielen Aktivist*innen aus aller Welt (aus Frankreich, Polen, Belgien, Luxemburg, den Niederlanden und vielen anderen Ländern sind sie gekommen, wie wir bei der Abschlusskundgebung erfahren), aus ganz Deutschland (so sind z.B. viele extra aus der Lausitz gekommen) und auch ganz aus unserer Nähe (wie z.B. eine Studikollegin von mir aus Bochum, die wir zufällig treffen). Sie alle wollen mit uns ein Zeichen gegen Braunkohle und fossile Energieträger im Allgemeinen und für ein sauberes Kima setzen!

    Auffällig ist vor allem die tolle Stimmung, die alle Anwesenden (ob erfahrener Althippie oder Ökozwerg in Kinderschuhen) ausstrahlen und es gibt ein tolles Gemeinschaftsgefühl zu wissen, dass wir alle für die gleiche gute Sache hier einstehen. Eine richtige Zukunftsenergie entsteht. Das verstärkt sich noch, als wir uns alle die Hände reichen (teilweise mit den besagten gelben Bändern verbunden) und eine Kette bilden! Untermalt wird die Aufbruchsstimmung noch durch die „pinken Clowns“, die mit ihren Trommeln die Kette entlang wandern und uns u.a. mit ihrem Slogan „Kohlekraft ist Rückschritt“ (weswegen sie auch teilweise rückwärts laufen) anstecken.

    Auch ein bisschen Nieselregen kann uns nicht aufhalten und in der Nähe von Bäumen gibt es sogar noch auf der gegenüberliegenden Straßenseite trockene Plätze. Viele, viele La-Ola-Wellen und jede Menge Hüpfer wandern die Kette entlang, viele glückliche Gesichter strahlen sich an und viele Lieder werden gesungen, wie z.B. diese Version von „Hejo, spann den Wagen an“: „Wehrt Euch, leistet Wiederstand, gegen die Kohlekraftwerke im Land, bildet eine Kette, bildet eine Keeette, wehrt Euch, leistet Widerstand.“

    Währenddessen ist Luisa, auch hier aus der WWF Jugend, der ganzen Kette von Keyenberg bis nach Immerath gefolgt und sie beschreibt ihre Eindrücke so: „Die geschlossene Anti-Kohle-Kette, die von Keyenberg nach Immerath verlief, war ein deutliches Zeichen an die Politik sowie eine symbolische Grenze direkt durch den Tagebau, um für den konsequenten Klimaschutz zu demonstrieren.“

    Doch was genau steht auf dem Spiel und warum genau demonstrieren wir eigentlich? Auch hier hat Luisa eine klare Antwort: „Das nationale Ziel Deutschlands, bis 2020 die CO2-Emissionen um 40 Prozent zu reduzieren, würde durch den Kohleausstieg erheblich erleichtert werden. Braunkohle und Steinkohle gehören zu den klimaschädlichsten aller Energieträger, denn ihre Verbrennung hat einen hohen CO2-Ausstoß zur Folge. Braunkohle ist der einzige Energieträger in Deutschland, der nicht importiert wird, wir bauen 100% unseres Vebrauchs selbst ab. Zudem hat Braunkohle den niedrigsten Heizwert aller fünf wichtigen Primärenergieträger und ist sehr ineffizient. Im Moment liegt der Wirkungsgrad von Braunkohle bei 43%, d. h. dass der Prozess der Umwandlung von Braunkohle zu Energie nicht sehr wirksam ist und mehr Energie für den Prozess selbst aufgenommen wird, als am Ende dabei herauskommt.“

    Und wie wir alle wissen, ist 2015 ein richtungsweisendes Jahr für den Klimaschutz: Die Entscheidung der Bundesregierung steht demnächst bevor, ob die Energiekonzerne ihre CO2-Emissionen mindern und dafür Kohlekraftwerke abschalten müssen. In NRW verhandelt zudem die Landesregierung über die Zukunft des Tagebaus Garzweiler II, wo RWE bis 2045 weiter Braunkohle fördern möchte und international folgen dann das G7-Treffen im Juni und im Dezember das große Finale in Paris....

    Gegen 14:30 machen dann auch Nele und ich uns zurück auf den Weg nach Immerath, wo uns besonders auffällt, wie leer und verlassen der Ort bereits ist.

    Diese Krankenhaus hat wohl ausgedient

    An der Bühne in Immerath treffen wir dann auch Luisa endlich persönlich! :)

    V.l.n.r.: Luisa, ich und Nele

    Gemeinsam genießen wir das vegane Mittagessen und die schöne Stimmung auf der Wiese vor der Dorfkirche. Dabei lauschen wir noch den verschiedenen Vortragsrednern bei der Abschlusskundgebung um 15:00. U.a kommt auch Peter Jansen, der Bürgermeister von Erkelenz, zu Wort und es folgen Beiträge von betroffenen Bürger*innen und deren Interessenvertretern aus der Region sowie internationalen Redner*nnen zum Thema Kohleimporte. Kritikpunkte und Forderungen der Redner*innen sind immer ähnlich: Kohlekraft zerstört das Weltklima, Dörfer und Landschaften (RWE will allein für Garzweiler II noch weitere 3.000 Menschen in 12 Dörfern und Weilern gegen ihren Willen umsiedeln) und gefährdet zudem noch unsere Gesundheit mit Quecksilber, Arsen und Feinstaub aus den Schloten der Kraftwerke. Gefordert werden ein kompletter Kohle-Ausstieg bis spätestens 2040, eine massive Verkleinerung der Braunkohle-Tagebaue (hierfür braucht es in den betroffenen Regionen zeitnah einen Strukturwandel, der die Beschäftigten in der Kohleindustrie sozial absichert und ihnen neue Perspektiven eröffnet, denn auch das Arbeitsplatz-Argument, was zeitgleich aus Berlin kommt, zieht nicht mehr), ein Stopp von Importen von Steinkohle (welche im Ausland oft unter Verletzung von Menschenrechten abgebaut wird) und ein konsequenter Ausbau der Erneuerbare Energien!

    Mitschnitte der Redebeitrage und weitere Fotos gibt es hier. Anschließend folgen musikalische Beiträge, u.a. auch von dem aus den 80er-Jahren bekannten Popsänger und Songschreiber Purple Schulz, der selbst im Rheinischen Revier wohnt. Während wir so auf der Wiese sitzen, kommen urplötzlich zwei Mädels vorbei und die eine von beiden hat ein sehr auffälliges T-Shirt... mit dem WWF Jugend-Tiger! Schnell kommen wir ins Gespräch und auch Esther und ihre Schwester gesellen sich zu uns. Alle zusammen überlegen wir, dass wir dem Braunkohletagebau gern selbst noch einen Besuch abstatten wollen und machen uns zu fünft auf den WegLuisa beschreibt es so: „Da man es von der Kette aus nicht gesehen hat, ist einem erst dann richtig klar geworden wie riesig und weitläufig dieses komplette Abbaugebiet wirklich ist!!!“

    Dem kann ich mich nur anschließen, vor allem dieses braun-graue Nichts, diese absolute Ödnis inmitten von Feldern und Wiesen hat mich echt erschüttert. Klar kennt man diese Bilder, aber die beklemmende Stimmung vor Ort ist noch mal etwas ganz anderes.

    Passend dazu fängt es dann auch an zu regnen und wir machen uns alle auf den Rückweg. In Immerath tobt noch die „After-Chain-Patry“, doch wir müssen langsam Abschied nehmen, um unsere Züge und Busse zu erreichen.

    After-Chain-Party

    Hier noch ein Fazit von Luisa: „Obwohl es später anfing zu regnen hatten wir von der WWF Jugend viel Spaß und trafen sogar noch Andere! Es war ein sehr gelungener und anstrengender Tag!“ Glücklich machen wir uns alle auf den Heimweg, mit vielen schönen Eindrücken und neuen Bekanntschaften im Gepäck und in dem Wissen, ein kleiner Teil, der größten Menschenkette, die es im rheinischen Braunkohlerevier jemals gab, gewesen zu sein.

    Konntest Du in Garzweiler leider nicht dabei sein, möchtest aber auch aktiv werden? Hier kannst Du auch nachträglich den Aufruf zur Kohlekette unterzeichnen und deine Sympathie zeigen! Außerdem findet am 4.06. vor den G7-Verhandlungen eine große Klimademo in München statt, wo auch die WWF Jugend stark vertreten sein wird und vom 4.-16. August gibt es eine weitere Massenaktion gegen Braunkohle im Rheinland.

    In diesem Sinne: „Energiewende? Ja bitte!“

    ************************

    Dieser Bericht ist ein Gemeinschaftswerk von Luisa und mir!

    Bilder: eigene Aufnahmen von Nele und mir.

    Quellen: http://anti-kohle-kette.de/home/aufruf/ http://www.bund-nrw.de/themen_und_projekte/braunkohle/anti_kohle_kette_2015/ http://www.braunkohle.de/4-0-Zahlen-und-Fakten.html

Kommentare

11 Kommentare
  • Taki
    Taki Klasse Aktion.
    4. Mai 2015
  • Makanie
    Makanie Das ist wirklich stark, dass so viele Menschen zusammenkommen. Hut ab!
    4. Mai 2015
  • Ronja96
    Ronja96 Danke für diesen tollen Bericht! Man bekommt gleich einen super Eindruck von der Aktion! =)
    4. Mai 2015
  • Sunlight
    Sunlight Erst mal ganz vielen lieben Dank an Euch alle, für Eure tollen Kommentare!
    Hier ist noch ein Link zu einer Petition, mit der Ihr an Frau Merkels Engagement für den Kohleausstieg appellieren könnt: mehr
    4. Mai 2015