Berichte

Auf Wiedersehen, Wolf?

  • Heute feiern wir den Tag des Wolfes! Aber müssen wir dem Wolf vielleicht bald schon wieder Lebewohl sagen?

    Das erste mal seit 100 Jahren gibt es wieder Wölfe in Deutschland. Damals grausam ausgerottet, kehren sie nun langsam wieder in ihre alte Heimat zurück. Aber nicht von allen wird diese Entwicklung mit Wohlwollen betrachtet. Zwar freuen sich die Bürger Deutschlands über die Rückkehr des scheuen Jägers, zugleich fürchten sich aber auch vor der unheimlichen Märchengestalt - dem bösen Wolf.

    Aber aus welchen Gründen haben die Menschen eigentlich Angst vor Isegrim? Die Mehrzahl hat vor allem Sorge, dass der Wolf sie direkt angreifen könnte (62%). Weiterhin besteht Angst, dass der Wolf eines Tages direkt im eigenen Garten oder vor der eigenen Haustür steht (44%). 42 Prozent trauen sich nicht mehr in den Wald und 41 Prozent befürchten, dass der Wolf Tollwut übertragen könnte. Auch die Angst, dass der Wolf kleine Kinder attackiert, ist recht groß (38%).

    Bei all diesen Sorgen verwundert es natürlich nicht, dass die Befragten angeben, Deutschland sei nicht auf die Rückkehr des Wolfes vorbereitet (48%). Und damit haben sie leider nicht Unrecht. Bislang gehen Deutschlands Behörden nur wenig professionell mit der Rückkehr des Raubtiers um. Auch der Fakt, dass jedes Bundesland ein eigenes Wildtiermanagement hat, vereinfacht die Situation in besonderen Fällen nicht gerade.


    Keine Angst vorm bösen Wolf?   © iStock / Getty Images

    Immer öfter häufen sich Meldungen von Wölfen, die dem Menschen zu nahe kommen. Seien es Förster oder Landwirte, die Wolfsrudel am helllichten Tag über Felder und durch Wälder ziehen sehen. Oder sogar Sichtungen von einzelnen Wölfen inmitten von Siedlungen. Dieses abnormale Verhalten wird für den Wolf auf die Dauer gefährlich.

    Wenn das Raubtier seine Scheu vor dem Menschen verliert und stattdessen die Nähe zu uns sucht, werden die Ängste und Sorgen der Bürger greifbarer. Kann man die eigenen Kinder noch allein zum Toben in den Wald schicken? Kann man noch mit dem Hund durch Wälder und Wiesen streifen? Kann man Schafe und Rinder unbeaufsichtigt weiden lassen? Diese Ängste greifen in jedweder Bevölkerungsschicht um sich.

    Vor allem von den Behörden wünschen sich die Bürger deshalb hinsichtlich des Wolfes mehr Unterstützung.

    Aber für die Behörden scheint das Thema Wolf #Neuland zu sein! Statt sich ihrer Verantwortung zu stellen, werden erst kurz vor knapp Lösungen für bestimmte Problemtiere gesucht. Das darf nicht sein! Für Wölfe, die dem Menschen schon jetzt zu nahe kommen, sind sogenannte Vergrämungsmaßnahmen erforderlich. Dazu gehören beispielsweise Gummigeschosse, die den Wolf wieder auf natürlichen Abstand bringen sollen. Das Bundesland Niedersachsen beginnt tatsächlich erst jetzt mit der Suche nach dafür zuständigen Personen und zieht dafür sogar Privatpersonen in Betracht!

    "Wildtiermanagement braucht professionelle, hauptamtliche Kräfte und darf nicht in die Hand von Ehrenamtlern gelegt werden", kritisiert Dr. Janosch Arnold, Wildbiologe beim WWF Deutschland. "Es ist ein absolut eklatanter Missstand, dass erst jetzt nach Kapazitäten in den niedersächsischen Landkreisen gesucht wird. Es war lange klar, dass die Wölfe zurückkommen und es war ebenso absehbar, dass es zu Konflikten kommen wird. Doch die Politik hat die dafür notwendigen Strukturen nicht geschaffen. Wildtiere werden bürokratisch verwaltet, es fehlt an hauptamtlichen Kräften in der Fläche", so Arnold. Leider halten auch Managementpläne nicht immer das, was in ihnen verkündet wird, oftmals fehlen die zur Umsetzung erforderlichen Strukturen.

    Dabei zeigen andere Länder, dass es durchaus funktionieren kann! In der Schweiz, Italien und den USA gibt es speziell ausgebildete und ausgerüstete Kräfte für diese Aufgabe. An diesen Vorbildern muss sich Deutschland orientieren.


    Kommt der scheue Jäger mit uns auf Tuchfühlung?  © Ralph Frank / WWF

    Fakt ist - wir müssen dem Wolf den Rücken stärken, solange es die Länder nicht schaffen, angemessen auf die Rückkehr des Raubtiers zu reagieren. Sollte der Wolf wieder in Verruf geraten, könnte es passieren, dass wir ihm schneller Lebewohl sagen müssen, als uns lieb ist. So verhandelt auch die Europäische Kommission im Moment über eine Veränderung der europäischen Naturschutzgesetze. Dabei könnte eventuell auch der Schutzstatus des Wolfes aufgeweicht werden.

    Nur dank der bisherigen strengen Auflagen war es dem Wolf überhaupt möglich, unbeschadet nach Deutschland zurückzukehren. Was aber passiert mit Isegrim, wenn er wieder zum Abschuss freigegeben ist? Man traut sich kaum, die Frage zu stellen.

    Der Wolf braucht uns! Jetzt wahrscheinlich mehr denn je. Wenn ihr mehr über den Wolf erfahren wollt, dann klickt euch doch mal durch unsere Entdeckerseite! Veranstaltet Infostände über den Wolf, um die Menschen zu informieren und sie für unseren Heimkehrer zu begeistern. Werdet WWF Jugend Mitglied, um die Arbeit des WWF für den Wolf zu unterstützen! Es gibt viele Möglichkeiten! ;o)

    ******************

    Titelbild © iStock / Getty Images

Kommentare

9 Kommentare
  • LSternus
    LSternus @Kathi.Sunflower:
    Ich tippe auf Zufall. Ihre Wege haben sich wohl rein zufällig gekreuzt und die Wölfe sahen wohl einfach keine Notwendigkeit sich zurück zu ziehen und sind einfach weiter gelaufen.
    3. Mai 2015
  • Johannisbeere1502
    Johannisbeere1502 ich hoffe sehr und glaube eigentlich auch, dass der Wolf hier wieder heimisch werden kann. Das Video ist ganz toll!!
    4. Mai 2015
  • Carina
    Carina @Kathi.Sunflower: Die dichte Besiedlung, die vielen Menschen und die wenigen freien Wildnisflächen in Deutschland machen Begegnungen zwischen Wolf und Mensch fast unvermeidbar. Normalerweise sind Wölfe jedoch sehr scheu und genau diese Scheu mus...  mehr
    6. Mai 2015
  • Naturliebe
    Naturliebe Ich hoffe, dass der Mensch den Wolf in Ruhe wieder in Deutschland leben lässt und dass alle aufgeklärt werden, denn dies scheint ein hauptsächlicher Grund für die Angst vor ihm zu sein: die Unsicherheit und das Unwissen. Schließl...  mehr
    18. Mai 2015