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Ein Konzept der Zukunft - Solidarische Landwirtschaft

  • Hurra, es gibt sie, die Alternativen!

    "Solidarische" Landwirtschaft hast du sicher noch nie gehört, oder? Es fällt erst einmal schwer, sich konkret etwas darunter vorzustellen. Ich würde es so formulieren: Solidarische Landwirtschaft (kurz Solawi) ist die passende Antwort auf Massenproduktion, soziale und ökologische Ausbeutung, Marktabhängigkeit und Anonymisierung. Sie ist ein Paradebesipiel dafür, dass gesunde Nahrungsmittel auch anders erzeugt werden können, als wir es gewohnt sind!

    Aber nun von vorne:

    Das Konzept

    Solidarische Landwirtschaft funktioniert anders. Das erzeugte Gemüse läuft nicht über den Markt. Stattdessen fließen die Produkte in einen eigenen, durchschaubaren Kreislauf, der von den Mitgliedern finanziert und getragen wird.

    Das Prinzip funktioniert folgendermaßen: Eine Gruppe von Menschen beschließt zusammen mit einem Team von Gärtnern/Landwirten, Solawi zu betreiben. Nun wird zusammen überlegt, welche Produkte erzeugt werden sollen. Es wird ein Finanzplan erstellt. Jedes Mitglied zahlt einen monatlichen für sie/ihn angemessenen Betrag und sichert so die Existenz des Gärtner/Landwirteteams. Hier kann bestimmt werden, wie viel einem die Arbeit des Landwirtes tatsächlich wert ist. Die Landwirte erzeugen über das Jahr Produkte, die unter allen Mitgliedern gleichermaßen aufgeteilt werden und die Menschen das ganze Jahr über mit Gemüse und/oder anderen weiterverarbeiteten Produkten versorgen. Auch ein Ernteverlust, krumme Möhren oder ein Überschuss an Tomaten sind da mitinbegriffen. Für die Mitglieder bedeutet das, sehr nahe an der Produktion dabei zu sein. Je nach Betrieb, sind die Mitglieder auch dazu angehalten, bei der Ernte mitzuhelfen, soweit das für sie möglich ist.

    Zusammengefasst heißt das: Ein Hof ernährt die Menschen und diese teilen zusammen die Verantwortung, das Risiko, die Kosten und die Ernte.

    Solidarische Landwirtschaft ist ein weltweites Konzept, das in immer mehr Ländern angewendet wird. In den USA bzw. England heißt das System CSA - Community Supported Agriculture.

    Wie du dir sicher schon denken konntest, ist das System nicht darauf ausgelegt, beliebig zu wachsen. Wenn eine solidarische Landwirtschaft zu groß wird, macht es Sinn, eine neue zu gründen. Dies geschieht ganz im Sinne kleinbäuerlicher, regionaler Landwirtschaft, die die Kulturlandschaft erhält und födert.

    Vorteile für die Mitglieder

    - gute Qualität der frischen, saisonalen und regionalen Lebensmittel

    - Transparenz: Man weiß, woher die Nahrung kommt, wer sie anbaut, warum sie welche Kosten verursacht

    - regionale Nachhaltigkeit: Es wird eine lebendige, lokale Landwirtschaft gefördert

    - Erfahrungen und Bildungsmöglichkeiten: Durch den direkten Kontakt kann Wissen über Erzeugung von Nahrungsmitteln erlangt werden

    Vorteile für die Landwirte

    - Planungssicherheit und Rücksprache mit den Konsumenten

    - geteiltes Risiko bei schlechter Ernte

    - ein gesichertes Einkommen

    - mehr Gestaltungsspielraum und Raum für Experimente

    - mehr Freude an der Arbeit, wenn man weiß, für wen man Lebensmittel anbaut

    - mehr Mitbestimmungsmöglichkeiten über Urlaub und Freizeit, als es in der Branche sonst der Fall ist

    Darüber hinaus profitiert auch der gesamte Hof: Er ist unabhängig von der aktuellen Marktsituation und kann daher auch Produkte verwerten, die sonst weggeschmissen werden (z.B. krumme Möhren), seltene Sorten ausprobieren oder gefährdete Haustierrassen halten.

    Zu guter Letzt profitiert auch die gesamte Region: Vielfältige Landwirtschaft, Wertschöpfung in der Region, Raum für angrenzende soziale Treffen (Tauschbörse, Einmachtreffen usw.)

    Neugierig geworden?

    Vielleicht gibt es ja schon eine solidarische Landwirtschaft in deiner Nähe? Das ist gar nicht so unwahrscheinlich.

    Hier findest du eine Liste bestehender Solawis. Es gibt in Deutschland mittlerweile mindestens 77 bestehende Solwais.

    Hast du sogar Lust, vielleicht selbst eine Solwai zu gründen? Hier findest du eine tolle Übersicht mit Punkten, die es zu beachten gilt!

    Lust, in eine bestehende Solawi hineinzuschnuppern oder richtig mitzuarbeiten? Auch hier gibt es Adressen, bei denen du fündig werden kannst.

    Zu guter Letzt

    ...sei gesagt, dass solidarische Landwirtschaft zum Glück immer mehr im Kommen ist! Wenn du diese Bewegung unterstützen willst, findest du auf www.solidarische-landwirtschaft.org jede Menge Informationen und Unterstützungsmöglichkeiten.

    Wer möchte, kann sich als erfolgreiches, bestehendes Beispiel einer solidarischen Landwirtschaft die Seite der CSA Freudenthal anschauen: https://gemuesefreuden.wordpress.com/

    Ich hoffe, ich konnte dich ein wenig für diese Idee begeistern. Für mich ist solidarische Landwirtschaft ein Modell mit Zukunft und eine Antwort auf die vielen Fragezeichen, die enstehen, wenn man sich genauer mit unserer üblichen Nahrungsmittelproduktion auseinandersetzt.

    Also: Mitmachen und weitersagen!

     

    Quellen: http://www.solidarische-landwirtschaft.org/de/was-ist-solawi/die-idee/

    Fotos mit freundlicher Genehmigung von der Seite https://gemuesefreuden.wordpress.com/ entnommen.

Kommentare

2 Kommentare
  • Kathi.Sunflower
    Kathi.Sunflower Dieses Konzept finde ich super, ich schaue gleich mal, ob es das auch in meiner Nähe gibt :-)
    25. April 2015
  • RichardParker
    RichardParker Das Konzept klingt richtig toll und vielversprechend, da hat man Freude beim Lesen! :) Und ich schließe mich dir an, hurra, es gibt endlich Alternativen!! :))
    26. April 2015