Berichte

Auf Spurensuche in den Trockenwaeldern Kambodschas

  • Im Rahmen meines sechsmonatigen Praktikums beim WWF Kambodscha war ich letzte Woche zum zweiten Mal fuer Feldarbeit in den Trockenwaeldern Nordost-Kambodschas unterwegs. In dieser ziemlich entlegenen Gegend, gut zwei Tagesreisen von der Hauptstadt Phnom Penh entfernt, befinden sich die groessten noch existierenden zusammenhaengenden Trockenwaelder Suedost-Asiens. Frueher gab es hier einmal so viele Wildrinder, Hirsche und Elefanten, dass man die Gegend als Serengeti Asiens bezeichnete. Trotz der turbulenten Vergangenheit der Region mit ihren zahlreichen Kriegen leben auch heute noch wichtige Population grosser Saugetiere wie Tiger, Banteng und Leierhirsch in dieser Region. Der Trockenwald selbst ist sehr huebsch anzuschauen---statt Unterholz gibt es nur Gras, und die Baeume werfen jetzt in der Trockenzeit zum groessten Teil ihre teilweise sehr grossen Blaetter ab.

    Der Trockenwald in Nordost-Kambodscha

    Das Projekt, an dem ich beteiligt bin, befasst sich mit dem Zusammenhang zwischen der Verfuegbarkeit von Wasser und der Population der bedrohten Leierhirsche. In der Trockenzeit ist das Wasserangebot im Wald ziemlich begrenzt und die Hirsche kommen an Wasserloecher — sogenannte Trapeang — um zu trinken und zu fressen. Von ihrer Groesse her sind Leierhirsche ideale Beute fuer Tiger. Wenn es also mehr Hirsche im Wald gibt, so die Hoffnung des WWF, koennte das zu einem Anstieg der Tiger-Population fuehren. Und genau dafuer brauchen wir dringend mehr Information ueber das Wasserangebot und darueber, welche Wasserloecher von welchen Tieren genutzt werden.

    Ein Wasserloch im Trockenwald

    Die Feldarbeit ist eigentlich nicht besonders kompliziert: Der GIS-Spezialist des WWF-Kambodscha hat aus Satelliten-Daten die Koordinaten der meisten Wasserloecher im Gebiet ermittelt. Ich muss also nur mit Hilfe meines GPS zu den Wasserloechern hinlaufen und dort die noetigen Daten aufnehmen, also wie gross ist der Trapeang, wie viel Wasser ist darin, welche Tierspuren sieht man und welche Tiere kann man beobachten. Das klingt jetzt vielleicht etwas repetitiv, besonders wenn man ueber 50 Wasserloecher besucht. Gerade an den Trapeang hat man aber gute Chancen, wilden Tieren zu begegnen, und das macht die jede Annaeherung an ein Wasserloch wirklich spannend.

    An den Wasserloechern findet man dann alle moeglichen Tierspuren im Schlamm, meistens von Wildschweinen, von dene ich auch zwei Mal welche aufgescheucht habe, oder Banteng, sehr huebschen, vom Aussterben bedrohten Wildrindern mit beige-orangem Fell

    Eine Banteng-Spur fuehrt zum Wasserlock

    Besonders interessant finde ich Spuren von kleinen Raubtieren. Weil die meistens nachtaktiv sind, sind Fussabdruecke neben Kamerafallen die einzige Moeglichkeit, Ihre Anwesenheit sicher festzustellen. Ausserdem ist es schoen sich vorzustellen, wer oder was hier nachts so alles vorbeigelaufen ist. Oft findet man zum Beispiel die Spuren von Goldschakalen oder auch Rothunden.

    Rothund oder Schakal-Spur

    Und manchmal sieht man auch die Fussabdruecke kleiner Katzen, wahrscheinlich Rohr- oder Bengalkatzen.

    Spur einer Bengal- oder Rohrkatze

    Eines der Highlights dieser vier Tage im Feld waren drei Saruskraniche, die wir von einem Wasserloch aufgescheucht haben. Mit bis zu 1,60m Standhoehe sind diese Kraniche die groessten flugfaehigen Voegel der Welt. Ehe man die Kamera in der Hand hat, dauert es immer ein bisschen, deswegen sind die Fotos etwas verschwommen.

    Saruskraniche im Flug

    Die Fussabdruecke dieser Riesen sind da eindrucksvoller anzuschauen, fast groesser als meine Hand.

    Saruskranich-Fussspuren am Wasserloch

    Am vorletzten Wasserloch wartete dann noch ein maennlicher Leierhirsch auf uns, der absolute Hoehepunkt dieser Tage. Weil wir ihn zuerst entdeckt hatten und nicht er uns, konnten wir ihn in Ruhe beobachten, bevor er dann sehr schnell weg galoppierte. Leierhirsche sind ziemlich grosse Hirsche und mit seinem kraeftigen Geweih war dieses Maennchen besonders eindrucksvoll.

    Collage aus drei Leierhirsch-Fotos

    Das ganze Wandern durch den Wald kann ganz schoen anstrengend werden, gerade in der Hitze. Aber natuerlich ist man nicht alleine unterwegs, sondern immer mit einem der Ranger. Fuer laengere Strecken nimmt man ausserdem eher ein Motorrad auf den holperigen “Strassen” im Wald.

    Mit dem Moto im Trockenwald

    Wenn man nicht durch den Wald stapft, ist das Leben im Camp erstaunlich komfortabel. Man wohnt in sehr schön gelegenen Khmer-Häusern mit Blick auf idyllischen Srepok-Fluss. Nachts ist es fuer Kambodscha zwar erstaunlich kuehl, aber es gibt trotz Mondlicht unglaublich viele Sterne zu sehen. Und morgens beim Zaehneputzen belohnen einen tolle Blicke auf den im ersten Sonnenlicht dampfenden Fluss.

    Ein Haus am Hauptquartier in Mereuch

    Morgendlicher Blick auf den Srepok-Fluss

    Im Hauptquartier gibt es drei Mal am Tag warmes Essen, genug Wasser zu trinken und sogar Duschen, wenn auch kalte. Die meisten Khmer baden allerdings lieber im Fluss. Da gibt es zwar Krokodile, aber wohl nur sehr wenige und die sind scheu. Ich habe es nur einmal hinter mit platschen hören, als ich am Fluss entlang gegangen bin, aber das war wohl eher ein Waran.

    Wenn man laenger im Feld ist, nimmt man aber lieber Essen mit, das man dann gegen Mittag irgendwo im Schatten isst. Natuerlich gibt es meistens Reis mit irgendwas, zum Beispiel gebratenem Fisch oder Fleisch, leider in wenig umweltfreundliche Styroporhuellen verpackt.

    Mittagessen im Trockenwald

    Und wenn man nachmittags ins Camp zurueckkommt, trifft man meistens einen kleinen Schweinsaffen. Der wurde Wilderern abgenommen, die wahrscheinlich ihre Mutter umgebracht hatten und das Baby verkaufen wollten. Inzwischen ist er, oder besser gesagt sie, ziemlich handzahm geworden, nimmt Menschen an die Hand und fand auch mein GPS ganz spannend.

    Der kleine Schweinsaffe

    Der Affe mag mein GPS

    Bis ich anfang Maerz wieder in den Wald fahre und Wasserloecher vermesse, werde ich hier in Phnom Penh weiter in der Kommunikationsabteilung des WWF arbeiten. Aber dazu schreibe ich dann beim naechsten Mal mehr. Kambodscha ist bisher ein wirklich eindrucksvolles Land und ich bin froh, die Moeglichkeit zu haben, hier laenger zu arbeiten. Wenn Ihr noch spezielle Fragen habt, stellt sie ruhig hier oder direkt an mich.

Kommentare

8 Kommentare
  • Albatross
    Albatross Das ist echt totla spannend. Würde supergerne auch mal so ein Praktikum machen. War es schwer, sich zu bewerben und das Praktikum zu bekommen? Hast Du da einfach an den WWF in Kambodscha geschrieben?
    12. Februar 2010
  • straetsi
    straetsi das hört sich echt richtig spannend an!!!
    13. Februar 2010
  • blackDiamond
    blackDiamond Vielen Dank...
    wirklich ein sehr toller Bericht....
    aber hört sichz wirklich nach einer tollen Arbeit an....vor allem die Tiere die man so entdecken kann reizen mich sehr...
    15. Februar 2010
  • Arnulf
    Arnulf Erstmal Danke fuer die vielen Kommentare---freut mich sehr, dass Euch der Bericht gefaellt!
    Wegen Eurer Nachfragen zur Bewerbung: Der Bewerbungsprozess war relativ kompliziert, weil ich mich gleichzeitig beim WWF Kambodscha fuer das Praktikum und beim Car...  mehr
    16. Februar 2010