Berichte

Austausch unter Profis

  • Es war eine sehr gemütliche, kleine Runde, in der wir uns Freitag Abend vor einer Woche im Bundesamt für Naturschutz (BfN) in Bonn eingefunden haben. Zusammen mit mir waren sieben Jugendliche aus verschiedenen Umwelt- und Naturschutzverbänden vertreten, um mit den Ansprechpartner*innen des BfN Fördermöglichkeiten zu diskutieren und sich in einer lockeren Atmosphäre auszutauschen. Neben der WWF-Jugend waren noch die BUNDjugend, die Naturfreundejugend (NAJU), die Waldjugend, die Katholische Landjugendbewegung (KLJB) und der Deutsche Jugendbund für Naturbeobachtung (DJN) dabei.

    Zunächst wurden wir alle auf den neuesten Stand gesetzt, was die Arbeit des BfN angeht. Ein großer Teil ihrer Arbeit besteht darin, wissenschaftliche Arbeiten zu sammeln oder in Auftrag zu geben und die Erkenntnisse daraus dann in Skripten und Broschüren sowohl für die Öffentlichkeit als auch für die Regierung verfügbar zu machen. In diesen Berichten geht es natürlich vor allem um den Artenschutz in Deutschland. Leider präsentierte uns Frau Dr. Schell gleich eine schlechte Nachricht: Ein Drittel der Arten in Deutschland sind in einem sogenannten „schlechten Erhaltungszustand“. Alle Veröffentlichungen könnt ihr euch zum Nachlesen von der Website des BfN herunterladen https://www.bfn.de. Zum Thema Artensterben und Biodiversität ist auch der Living Planet Report des WWF eine oft zitierte Quelle, wenn auch leider nicht mit schöneren Zahlen zu unserer Natur.

    Zu einigen Themen wollten die Vertreter*innen des Amtes auch unsere Einschätzung erfahren, bspw. wie wir neuen Gentechniken gegenüber stehen (CRISPR/Cas), wie das BfN die sozialen  Medien nutzen kann, um mehr junge Menschen zu erreichen oder wie wir den Zusammenhang zwischen Biodiversität und Klimaschutz bewerten. 

    Wir haben auch darüber gesprochen, wie man vorbeugen kann, dass rechte Gesinnungen in Naturschutzverbänden nicht unbemerkt bleiben. Denn leider vereinnahmen viele Rechtsextreme Begriffe wie „Heimat“ und „Naturschutz“ für sich und interpretieren deren Bedeutung um. Schnell werden daraus rechte Positionen abgeleitet, dass nur die deutsche Heimat schützenswert sei oder dass man sich vor ausländischen Invasionen schützen müsse. Mir ist so etwas in der WWF-Jugend Community noch nicht untergekommen, aber wenn ihr so etwas bemerkt, könnt ihr euch jederzeit an die WWF-Mitarbeiter*innen (bspw. Luise und Marcel) wenden, ihr erkennt sie am Stern im Profilbild. Das BfN hat angeregt, dass wir uns als Umweltverbände laufend darüber austauschen sollten, um zu verhindern, dass rechte Gruppen versuchen, unsere offene Gemeinschaft zu unterwandern.

    Zurück zum eigentlichen Kernthema: dem Artenschutz. 2020 ist das Wissenschaftsjahr zur Bioökonomie und in diesem Rahmen soll es Bürger- und vor allem auch Jugenddialoge geben. Mehrere Ministerien werden hieran beteiligt sein. Dabei wird es viele Möglichkeiten geben sich zu beteiligen und einzubringen. Der Begriff „Bioökonomie“ vereint Themen zum umweltverträglichen Wirtschaften. Hier in der WWF-Jugend werden wir uns im nächsten Jahr unter anderem mit „Wachstum und Biodiversität“ beschäftigen. Ist unsere auf Wachstum ausgelegte Wirtschaft vereinbar mit den drängenden Problemen unserer Zeit – dem Klimawandel und der schrumpfenden Biodiversität? Wie könnte eine Gesellschaft ohne Wirtschaftswachstum aussehen? 

    Zu diesem und anderen Themen plant das BfN auch eine Befragung von 1500 Jugendlichen im Alter zwischen 14 und 17 Jahren. Ziel der Studie ist es, zu erfahren, was Jugendlichen im Naturschutz besonders wichtig ist, wie ihr Verhältnis zur Natur ist und wie sie zu einigen Themen wie Landschaftswandel, Gentechnik und freiwilligem Engagement stehen. Ab 2021 kann man an diesem Projekt auch ganz direkt mitarbeiten. Falls ihr Interesse daran hättet, leite ich euch den Kontakt gerne weiter!

    Nach dieser Einleitung haben sich die Jugendverbände selbst vorgestellt. Wir haben über Fridays for Future, Klimawandel und Biodiversität, wichtige Termine im nächsten Jahr und den richtigen Einsatz sozialer Medien gesprochen. 

    Einer dieser wichtigen Termine ist der Deutsche Naturschutztag, der entgegen des Namens eigentlich fünf Tage lang dauert. Es gibt die Möglichkeit, selbst Veranstaltungen in diesem Rahmen zu organisieren. Stattfinden wird das Ganze nächstes Jahr vom 1.-5. September in Wiesbaden. Weitere Infos auf der Website: https://www.deutscher-naturschutztag.de 

    Zum Schluss stellte uns Frau Doerpinghaus Fördermöglichkeiten vor. Eine tolle Nachricht ist, dass das Budget für das Bundesprogramm „Biologische Vielfalt“ stark angewachsen ist, von 32 auf 45 Millionen Euro. Hiermit werde dieses Programm wirklich zum politischen Gestaltungsinstrument, so Frau Doerpinghaus. 

    Insgesamt war es eine sehr schöne Veranstaltung. Was mir am besten gefiel, war, dass wir wirklich auf Augenhöhe miteinander diskutiert haben. Es wirkte nicht so, als wäre „die Jugend“ zu Besuch bei Erwachsenen, sondern mehr wie ein Austausch unter Kolleg*innen. Wenn Jugendliche die Möglichkeit haben, ihre Kritik in einer so professionellen Runde zu äußern und Meinungsverschiedenheiten zu diskutieren, ist das ein gutes Beispiel für andere Ämter und Ministerien. Dieses Treffen hat mir noch einmal gezeigt, dass sich Jugendliche zu allen Themen engagieren und dass ihre Arbeit sehr wertvoll ist. Dazu möchte ich nur als letztes Beispiel den Deutschen Jugendbund für Naturbeobachtung nennen, wo Jugendliche an Bestimmungsliteratur arbeiten, die auch von Wissenschaftlern genutzt und geschätzt wird (https://www.naturbeobachtung.de). Egal in welchem Bereich, Jugendliche sollten einfacher Kontakt zu den politischen Entscheidungsträger*innen haben, es lohnt sich letzten Endes für alle.

     

    Diskutiert gerne unter diesem Artikel zu den genannten Themen und Fragen. Falls ihr Interesse habt an näheren Infos zu bestimmten Themen, schreibt mir eine Nachricht und ich leite euch Kontakte oder Links weiter. 

Kommentare

1 Kommentar
  • SimonL
    SimonL Mehr aktuelle Infos zum Thema Artenverlust könnt ihr in Marcel's Bericht nachlesen: https://www.wwf-jugend.de/blogs/7/8757/die-neue-rote-liste-immer-mehr-arten-sterben-aus
    24. Dezember 2019 - 1 gefällt das