Berichte

Klimadaten in der Arktis - Nicht nur Schnee und Eis

  • Auf auf zum Einsteinberg in Potsdam, wo sich verschiedene wissenschaftliche
    Institute tummeln. Der 2°Campus besucht das Alfred-Wegner-Institut für Polar und Meeresforschung, kurz AWI.

    Nachdem wir uns in den doch etwas engen Raum eingerichtet haben, fängt Dr. Sina
    Muster auch schon an. Bevor sie etwas erzählt, stellt sie erstmal ein paar
    Fragen:
    Was fällt euch zur Arktis ein? Kennt ihr den Unterschied zwischen Wetter und
    Klima? Welche Parameter braucht man um Klimadaten zu erheben?

    Dr. Muster ist beeindruckt, denn den 2°Campus Teilnehmer/innen fällt weit mehr
    ein als nur Schnee und Eis. Schlagwörter, wie Permafrost, Niederschlag,
    Luftdruck, Temperatur fallen und Birgit kann bestätigen, dass alle
    Teilnehmer/innen ziemlich gut über den Unterschied von Wetter und Klima
    Bescheid wissen. Wenn du es nochmal nachlesen willst: Hier findest du den
    Artikel der neuen Reihe „Klimawende“ dazu.

     


    Langzeitdaten in der Arktis zu erheben ist gar nicht so leicht.
    Es gibt nur wenige Dauermessstationen und die Expeditionen sind aufwendig und
    teuer. Doch sie lohnen sich, denn die Arktis ist ein unglaublich wichtiger Teil unseres
    Klimasystems. Um es mit den Worten von Dr. Muster zu sagen:
    „Sie ist der Kühlschrank der Erde.“

    Doch genau dieser Kühlschrank fängt an sich zu verändern. Die Erwärmung der
    Erde durch den anthropogenen, also vom menschengemachten Klimawandel, zeigt
    große regionale Unterschiede. Die Arktis erwärmt sich doppelt so schnell als der Rest der Erde.
    Die weißen Eis- und Schneeflächen reflektieren 80% der Sonneneinstrahlung,
    weswegen sie einen kühlenden Effekt haben. Dadurch, dass immer mehr Eis und
    Schnee im Sommer schmilz und im Winter nicht wieder gefriert, werden die
    Flächen, die Sonneneinstrahlung reflektieren kleiner. Verstärkt wird der
    Effekt, dadurch, dass die dunklen Meerflächen natürlich größer werden und die
    Energie der Sonne absorbieren, also aufnehmen. Das ist besonders in der
    Arktisregion verheerend. Die Atmosphäre über der Arktis ist nämlich dünner und trockener
    als wo anders. Deswegen geht der Großteil der Energie der Sonneneinstrahlung
    direkt auf den Boden und wird nicht zur Bildung von Wolken genutzt.

    Ein weiterer wichtiger Bestandteil und eine Besonderheit dieser Region ist der
    Permafrost. Permafrost ist Boden, der mindestens zwei Jahre lang eine Temperatur unter 0°C  hatte. Über den Permafrost ist oft eine aktive Schicht, die auch mal tauen kann. Insgesamt kann der Permafrost mehrere hundert
    Meter in die Tiefe gehen. Ca. 25% der Nordhalbkugel sind von solchen Böden
    bedeckt.
    Was ist aber jetzt das Problem?
    Durch die Erwärmung tauen die
    Permafrostböden auf. Permafrostböden wirken wie eine Kühltruhe. In ihnen ist oft organisches Material eingefroren. Sobald der Boden auftaut, fängt das organische Material an sich zu zersetzten. Dabei werden Gase, wie CO2 und Methan frei, die den Treibhauseffekt wiederum verstärken.
    Das Gefährliche hierbei ist, dass es Kipppunkte gibt, an  denen der Boden Probleme hat auch im Winter wieder zu zufrieren. Die aktive Schicht wird immer dicker und der Effekt
    verstärkt sich von selbst, wie bei der Rückstrahlung der Sonnenenergie.

     

    Für Klimadatenerhebung braucht man gute Messgeräte


    Dr. Sina  Muster war selbst schon auf drei Expeditionen und erzählt davon, dass sie sogar schon mal einem Eisbären begegnet ist. Allerdings muss man durchaus aufpassen, denn Eisbären sind sehr neugierig. Schon einige Messstationen wurden durch einen Eisbären in Kleinholz zerlegt. Doch wenn sie Hunger haben, kann es durchaus mal zu gefährlicheren Konflikten führen. Mit Schreckschusswaffen konnten sie bisher aber jeglichen größeren Schaden für Mensch oder Tier abwenden.

    Die Expeditionen müssen exakt durchgeplant sein. Die Stationen liegen
    größtenteils im „nichts“, wie Dr. Muster es nennt. Doch es gibt sehr viel, was man dort entdecken und erforschen kann. Was viele nicht wissen und sich kaum vorstellen können, im Sommer hat es in der Arktis 10-15 °C. So besteht die Hauptaufgabe während der Expeditionen darin Pflanzen und Boden zu kartieren, Methan und CO2 Messungen zu machen und die Messstationen zu warten und Neue aufzubauen. Eine Expedition kann von vier Wochen bis zu einem
    Jahr dauern.

    Am Ende des Vortrags betont Dr. Sina Muster, dass die Arktis als Frühwarnsystem
    der Erde dient. Das Eis schmilzt schneller als es die Modelle vorhergesagt
    haben. Selbst wenn wir unter 2°C Erwärmung bleiben, wird sich die Arktis, so
    glaub sie, nicht wieder vollständig regenerieren können. Doch mit ambitioniertem Klimaschutz können wir weitere Veränderungen verhindern.

     

    Nun dürfen wir noch die Wärmebildkamera ausprobieren, die in der Arktis
    eingesetzt wird und dann geht es auch schon zur nächsten Station im 2°Campus.
    Ans PIK - Potsdam Institut für Klimafolgenforschung

     Fotos  © A. Morascher/WWF

     

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Kommentare

3 Kommentare
  • Luke24
    Luke24 Vor wenigen Tagen habe ich in den Nachrichten auch neue Daten aus der Arktis gehört, die ziemlich beunruhigend waren. Genau wie oben geschrieben wurde auch dort gesagt, dass sich der Klimawandel in der Arktis mit am stärksten zeigt. Besonders sc...  mehr
    7. April 2015
  • Sunlight
    Sunlight Danke, dass Du ihren Vortag hier so schön aufbereitet mit uns teilst :)
    10. April 2015
  • Ivonne
    Ivonne Danke für die gute Zusammenfassung des Vortrages! :-)
    10. April 2015