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Auf dem falschen Weg - Coca Cola bald nur noch in Einwegflaschen?

  • Mehrweg ist der Weg und Einweg ist kein Weg? Von wegen. Coca Cola sieht im Umstieg auf Einweg-Pfandflaschen den Weg zu mehr Effizienz und mehr Profit. Schließlich sind Mehrweggetränkeverpackungen mit Aufwand und Kosten verbunden: Die Herstellung ist zunächst teurer und nach dem Verkauf müssen sie wieder zurück ins Werk gelangen und gereinigt werden. Werden die Flaschen an anderer Stelle abgegeben als gekauft, erhöht sich der logistische Aufwand. Hinzu kommt, dass laut Coca Cola viele Flaschen gar nicht erst zurückgegeben, sondern anderweitig weiterverwendet werden. So kommt es vor, dass die Lastwagen mehr leere Kisten als Flaschen durch die Gegend befördern. Generell sei die Nachfrage nach Mehrweg-Flaschen gering und ihr Vertrieb lohne sich nicht mehr. Zurzeit bietet Coca Cola seine Erfrischungsgetränke in einer Vielzahl verschiedener Flaschen an. Reduziert man die Anzahl der verschiedenen Flaschenmodelle, können die Abfüllanlagen länger am Stück laufen. Aus all diesen Gründen will Coca Cola nun den Vertrieb von 1,5- und 0,5-Liter-Flaschen aus PET einstellen. Die 1,5-Liter-Flaschen sollen bis zum Sommer nach und nach aus den Regalen verschwinden, die 0,5-Liter-Flaschen bis zum Jahresende.

    Mit circa 57% ist der Mehrweg-Anteil von Coca Cola momentan etwa doppelt so als der Durchschnittsweg auf dem gesamten Erfrischungsgetränkemarkt. Durch die geplante Umstellung wird die Mehrwegquote des Unternehmens jedoch auf circa 42% sinken. Viele sehen darin allerdings nur den Anfang. Laut der Deutschen Umwelthilfe (DUH) plant Coca Cola, komplett aus dem Mehrweg-System auszusteigen. Geschäftsführer Jürgen Resch bezeichnet die kommenden Änderungen als einen "Einstieg in den Ausstieg". Auch wenn Coca Cola behauptet, dass die 1,0-Liter-Mehrwegflasche weiterhin eine zentrale Rolle im Sortiment spielen wird, gehen die DUH und Günther Guder, Vorstand des Bundesverbands Getränkefachgroßhandel, davon aus, dass auch diese in den nächsten Jahren vom Markt verschwinden wird. Umweltverbände befürchten, dass Coca Cola als in der Branche führender Konzern ein Signal für den gesamten Erfrischungsgetränkemarkt setzt. Und zwar laut Thüringens Umweltministerin Anja Siegesmund "eindeutig das falsche Signal".

    Warum das? Der Umstieg von Mehrweg auf Einweg gefährdet sowohl die Umwelt als auch zahlreiche Arbeitsplätze. Da für Abfüllen und Logistik von Einwegflaschen weniger Personal benötigt wird, könnten die geplanten Änderungen deutschlandweit etwa 1000 Menschen ihre Arbeit kosten

    Die Öko-Bilanz von Mehrwegflaschen ist deutlich besser als die von Einwegflaschen. Sie können 15-20 mal wiederbefüllt werden, wohingegen Einwegpfandflaschen nach der Rückgabe geschreddert und oft gar nicht zu neuen Flaschen, sondern zu minderwertigen Produkten weiterverarbeitet werden. PET-Mehrwegflaschen haben in dieser Hinsicht eine besonders gute Bilanz, weil sie sowohl leicht sind als auch lange halten. Mehrwegflaschen sparen Energie und Ressourcen und verursachen weniger Müll. Würden in Deutschland ausschließlich Mehrwegflaschen genutzt werden, könnten wir laut DUH jedes Jahr 1,25 Millionen CO2 und mehr als eine halbe Million Tonnen Kunststoff einsparen.

    Für die Umwelt ist Mehrweg also der bessere Weg und deshalb fordert die DUH Maßnahmen in die entgegensetzte Richtung zu den geplanten Umstellungen bei Coca Cola: Auf Verpackungen soll viel klarer gekennzeichnet werden, ob es sich um Einweg oder Mehrweg handelt, und zuzüglich zum Einweggetränkepfand soll eine Abgabe von 20 Cent auf Einweg-Getränkeverpackungen eingeführt werden. Mit der Kampagne "Mehrweg ist Klimaschutz" sollen Verbraucher über die Folgen von Einwegverpackungen aufgeklärt werden. Flyer und Plakate kann man hier kostenlos herunterladen. Und was genau wir Verbraucher tun können, ist eigentlich ganz einfach: Jürgen Resch von der DUH rät dazu, Mehrwegalternativen von regionalen Abfüllern zu nutzen.

     

    Quellen: 

    http://www.taz.de/Konzern-aendert-Verpackungskonzept/!154963/
    http://www.thueringer-allgemeine.de/web/zgt/wirtschaft/detail/-/specific/Weimarer-Jobs-bedroht-Coca-Cola-will-keine-Mehrweg-Flaschen-produzieren-385721216http://www.duh.de/mehrweg_klimaschutz0.html
    http://www.presseportal.de/pm/22521/2954794/coca-cola-startet-neuen-frontalangriff-auf-das-mehrwegsystem
    http://www.rp-online.de/wirtschaft/unternehmen/coca-cola-schafft-mehrwegflaschen-ab-aid-1.4889263

    Bildquellen: 

    Titelbild: A. Zeiß 
    Sonstige Bilder: DUH (http://www.duh.de/mehrweg_klimaschutz0.html) 

     

Kommentare

10 Kommentare
  • LSternus
    LSternus Das ist nicht gut. Wobei ich hier tatsächlich die Verantwortung vor allem bei den Verbrauchern sehe. Schließlich muss ein Unternehmen einfach darauf achten, dass ihre Produkte rentabel sind. Und wenn keiner Mehrwegflaschen kauft...
    28. Februar 2015
  • Gruenertiger
    Gruenertiger Das ist wirklich nicht gut.
    28. Februar 2015
  • MaggieMaus
    MaggieMaus Ah du Schreck... was für Auswirkungen das auf die kleineren Konzerne haben wird... Oh je
    3. März 2015
  • SammySahne
    SammySahne Ich hoffe bloß, dass andere Konzerne sich das nicht von Coca-Cola abschauen werden und es eine Welle von Einwegflaschen geben wird. Allerdings glaube ich kaum, dass das bei der großen Masse gut ankommen wird, da Coca-Cola schon immer mit seine...  mehr
    5. März 2015