Berichte

Frankreich- Teil 1: Ile-de-France

  • In dieser Berichtreihe möchte ich euch die 22 Regionen in Frankreich nacheinander vorstellen. Wer genau in den Nachrichten aufgepasst hat (ich weiß nicht, ob das in Deutschland groß thematisiert wurde) weiß, dass Ende 2014 eine Reform verabschiedet wurde, die diese Anzahl auf 13 reduziert. Diese neuen Regionen werden aber erst am 1. Januar 2016 in Kraft treten, weshalb ich hier die alten 22 vorstellen will. Ich werde versuchen, jeden Mittwoch und Samstag einen Bericht zu veröffentlichen, also müsst ihr das jetzt fast 3 Monate durchhalten ;)

    Ich werde die Regionen übrigens in der der Einwohnerzahl entsprechenden Reihenfolge vorstellen.

    Die Ile-de-France ist, so viel steht fest, die mit Abstand urbanste Region Frankreichs. Mit etwa 12 Millionen Einwohnern, also etwa 19% ganz Frankreichs, liegt sie weit vor der Region Rhône-Alpes, in der auch die Stadt Lyon liegt. 2008 liegt die Einwohnerdichte bei 971 Einwohnern/km², wobei die Gesamteinwohnerdichte des sogenannten metropolitanischen Frankreichs (France métropolitaine, also das Festland und Korsika) bei nur 114 Einwohnern/km² lag. Die Fläche der Ile-de-France liegt aber bei nur 12 012 km², was 2,2% der Gesamtfläche Frankreichs sind. Auch die französische Hauptstadt Paris liegt hier. Langsam erkennt man schon, was für eine Bedeutung die Ile-de-France in Frankreich hat: Anders als Deutschland ist Frankreich ein sehr zentralisiert aufgebautes Land, die wenigen wichtigen Städte kann man schnell auswendig lernen: Paris, Lyon, Marseille, vielleicht noch Toulouse, fertig. Allerdings, was ich persönlich sehr bizarr finde, steht im Artikel EINS des französischen Grundgesetzes: "L'organisation est décentralisée", also "Die Organisation [des Staates Frankreich] ist dezentralisiert". Die Verschmelzung einiger Regionen zu größeren Regionen soll aber auch genau dazu dienen, den Staat etwas zu dezentralisieren.

    Position der Ile-de-France, ©Rinaldum

    Auch wirtschaftlich ist die Ile-de-France das Zentrum Frankreichs: 31 des BIP (Bruttoinlandprodukt) kommen von hier.

    Die Ile-de-France hat 8 sogenannte "départements", kleinere Gebietskörperschaften, die den Regionen untergeordnet sind: Paris, Hauts-de-Seine, Seine-Saint-Denis, die Yvelines, Seine-et-Marne, Val-de-Marne, Essonne und Val-d'Oise (nach Einwohnern sortiert). Ich wohne in den Yvelines.

    Aber die Ile-de-France ist nicht nur eine einzige Großsstadt. 2013 waren 24% der Fläche mit Wäldern, Flüssen und Seen belegt. Weitere 49% wurden für Agrikultur genutzt. Nur 27% der Oberfläche waren tatsächlich Stadtgebiet. 89% der Agrarfläche produzieren Getreide. Die Ile-de-France produziert von allen französischen Regionen am meisten Salat und am zweitmeisten Zwiebeln.  Zwischen 2004 und 2011 hat sich der Anteil der Bioproduktion von den Agrikultur-Anbauflächen verdoppelt.

    Allerdings gehen diese Anbauflächen langsam verloren:  zwischen 2000 und 2011 reduzierte sich die Anzahl der in der Agrikultur arbeitenden Menschen um 24%.

    Die Ile-de-France hat 4 regionale Naturschutzparks und 35 Natura-2000-Parks, die etwas weniger geschützt sind.

    Jetzt zum persönlich bemerkten, ich kann also nicht garantieren, dass alles repräsentativ ist:

    In Frankreich sind die Häuser aus Pappe gebaut.

    Das Gefühl hat man zumindest, wenn man am Gebäude eines Immobilienmaklers vorbeigeht und kurz anhält, um die angebotenen Häuser ansieht: Wenn man VIEL Glück hat, findet man unter zehn angebotenen Häusern ein oder zwei Häuser der Energieeffizienzklasse C, A oder B gibt es fast nie, die meisten Häuser tümmeln sich bei E und F. Unser Haus hat, glaube ich, die Klasse C.

    Leider wird, zumindest bei uns, auch nicht viel Müll getrennt. Wir haben nur zwei verschiedene Mülltonnen, eine für Plastikflaschen, Metalldosen und Getränketüten aus Pappe, und eine für den Rest. Auch Biomüll wird nicht getrennt. Wenn wir versuchen, wenigstens Papier in die gelbe Tonne, also die für Plastik usw., zu tun, wird diese voll und mit einem Zettel, es sei etwas darin, was nicht rein gehöre, zurückgestellt.

    Daher haben wir nun einen Karton für Altpapier, den wir dann selber zu einer Firma bringen, die das Papier recycelt. Genauso machen wir es mit Plastikdeckeln von Flaschen, auch wenn wir die in die gelbe Tonne tun könnten, weil die Firma, an die wir die Deckel bringen, die Deckel an eine Recyclingfirma weiterverkauft und mit dem verdienten Geld Sportgeräte für behinderte Kinder herstellt. Daher hat man dann zwei Fliegen mit einer Klatsche geschlagen ;)

    Ich wohne ja nicht in Paris selbst, hier "draußen" ist es wirklich schön, wir haben auch in 5 Minuten Fußentfernung einen Wald mit einer sehr markanten Seereihe, die man auch auf Karten sofort erkennt, wenn man sie schon einmal gesehen hat: die "Etangs de la Minière".

    Mein Wohnort

    Bild © Google 2015

    Kartendaten © Google 2015

    Blick aus dem Fenster, mit dem Wald im Hintergrund.

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    Quellen:

    http://www.iledefrance.fr/territoire/agriculture-espaces-ruraux

    http://www.ile-de-france.gouv.fr/Votre-region/Les-chiffres-cles/Territoire-et-population

    http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%8Ele-de-France

Kommentare

2 Kommentare
  • Killari
    Killari Ach krass, das wusste ich gar nicht mit den Regionen. Ich hab mal ein Jahr in der Bourgogne gelebt. Mit was wird die denn dann zusammengelegt?
    Und ja, das Problem mit dem Recycling war mir damals auch aufgefallen...
    18. Februar 2015
  • Bjarne2000
    Bjarne2000 Die Bourgogne wird mit dem Franche-Comté zusammengelegt.
    18. Februar 2015