Berichte

Recyclingpapier an der Uni einführen?- Interview mit Thuy Anh

  • Man hat so viele Ideen im Leben. Und oft verläuft es sich bereits nach dem ersten Erleuchten
    der imaginären Glühbirne über dem Kopf.
    Doch manchmal werden Ideen, zu Taten und zu Veränderung.

    Genau das passiert beim 2°Changemaker Seminar.

    Thuy Anh wollte Recyclingpapier an ihrer Uni einführen.
    Ich habe mit ihr ein Interview zu dem Projekt, den Ergebnisse und was sie gelernt hat, geführt.

     

    Hi liebe Thuy Anh, du warst letztes Jahr beim Changemaker Seminar dabei. Dabei bist du einer Idee, zu einem Projekt und jetzt zu einigen tollen Ergebnissen gekommen.
    Schön, dass du heute Zeit für uns hast und uns über dein Change Projekt berichtest.
    Wieso hast du beim Changemaker Seminar mitgemacht und wie bist du auf die Idee deines Projekts gekommen?

    Ich hatte Lust etwas selbst zu machen und eine eigene Idee umzusetzen.
    Ich wollte Projektskills lernen und vor allem auch ein Mindset bekommen, wie ein Projekt positiv gelingen kann.
    Allerdings hatte ich noch kein konkretes Projekvorhaben, als ich mich angemeldet habe.
    Wichtig war mir, dass es realistisch und umsetzbar ist. Ich wollte ein Projekt machen, dass einen Alltagsbezug hat und da kurz nach dem Seminar für mich das neue Unileben begonnen hat, dachte ich mir, es passt gut, ein Projekt an der Charité zu machen, wo ich Medizin studiere.
    Gemeinsam mit Danielle, die als Veränderungsort auch die Uni (in München) gewählt hat, sind wir schnell auf das Thema Papier gekommen, da man als Student*in oder Lehrender regelmäßig druckt.
    Unser Vorhaben war, an unseren Universitäten Recyclingpapier einzuführen. Dies erfordert keine Gewohnheitsänderung der Nutzer, sondern eine einmalige Veränderung bei dem Einkauf des Papiers. Im nächsten Schritt haben wir Ideen entwickeln, wie der Papierverbrauch der Studierenden gesenkt werden kann. Um das anzugehen, hatte ich aber im Verlauf des Projekts keine Zeit und Kapazität mehr.

     

    Was habt ihr während dem Seminar gemacht und wie seid ihr dann weiter vorgegangen?
    Innerhalb der vier Tage beim Seminar haben wir verschiedene Methoden gemacht, um einerseits nochmal unsere Interessen und Stärken präsent zu bekommen. Als wir unsere Idee hatten, haben wir nach und nach die nächsten Schritte ausgearbeitet. Während der ganzen Zeit wurde Protokoll geführt und nach ein paar Wochen nach dem Seminar hatten wir dann einen Projektplan mit Meilensteinen, Stakeholderanalyse und konkreten to dos und Zielen für die nächsten 6 Monate.
    Es konnte also eigentlich los gehen,…

     


    Wie ging es dann weiter?
    Ich wollte als erstes rausfinden, wie viel Papier an der Charité verbraucht wird und wie der Stand zu Recyclingpapier ist. Das Cipom (das Rechenzentrum der Charité) hatte mir gesagt, es ist verboten Recyclingpapier zu benutzen, weil dann Papierstau entsteht. Die Drucker seien anscheinend zu alt dafür. Außerdem lohnt es sich auch finanziell nicht. Informationen zum Verbrauch zu bekommen war sehr schwierig also wollte ich mich erstmal auf die Umstellung zu Recyclingpapier kümmern.
    Die Charité ist die gemeinsame medizinische Fakultät der FU Berlin und der HU Berlin. Die FU benutzt schon seit mehreren Jahren Recyclingpapier und wurde dafür auch ausgezeichnet. Doch warum geht es an der Charité nicht? Im Gespräch mit der Stabstelle für Nachhaltigkeit erfuhr ich, dass die Umstellung bei der FU Berlin auch Jahre gedauert hat. Mit einer Greenpeace Gruppe und der Stabstelle für Nachhaltigkeit wurde diese Umstellung initiiert und nach eine Probephase von mehreren Monaten, die komplette Papierbeschaffung auf Recycling umgestellt. Auch die HU habe ich kontaktiert, aber leider keine Antwort bekommen.
    Johannes, der Referent für Forstpolitik vom WWF und mein Projektpate, hat mir einen Kontakt zur Senatsverwaltung, den Herr Schillinggenannt. Er war begeistert von meinem Projekt und auch überrascht, dass an meiner Fakultät kein Recyclingpapier verwendet wird, obwohl nach der Beschaffungslinie des Senats, alle öffentlichen Institutionen dazu angehalten sind, Recyclingpapier einzuführen. Gemeinsam hatten wir uns an die die Umweltbeauftragte der Charité gewandt. Sie war sehr überrascht, dass es noch kein Recyclingpapier gibt und hat der Senatsverwaltung geantwortet, dass sie sich um das Einführen von Recyclingpapier kümmern möchte.
    Es wurde nun eine neue Verordnung verabschiedet, die im Sommer 2017 in Kraft treten soll.
    Die Drucker werden an der Charité erneuert und in dem Zuge soll auch die Papierbestellung umgestellt werden.

     

    Toll, es freut mich, dass du dein Vorhaben am Ende doch noch umsetzten konntest.
    Doch es war ein langer Weg, wie es scheint. Was waren die größten Hürden dabei?
    Die größte Hürde war einfach keine Antwort zu bekommen von manchen Personen. Ich hätte nicht gedacht, dass es so schwer ist, Informationen über Papierverbrauch an der Uni rauszufinden.
    Außerdem war es schwer die richtigen Ansprechpersonen erstmal zu finden. Das hat mich kurzzeitig sehr demotiviert. Das war auch noch eine große Herausforderung: selbst immer dran zu bleiben, nachzufragen, motiviert und positiv dem Projekt gegenüber zu bleiben. Vor allem in der Klausurenphase, als ich nicht viel Zeit dafür hatte.

    Das kann ich gut verstehen. Was war für dich denn eine gute Unterstützung?
    Auf jeden Fall, Johannes als Pate zu haben. Einerseits hat er mich mit gutem Fachwissen unterstützt, aber auch mit Kontakten zu Ansprechpersonen. Ich konnte mich immer an ihn wenden, wenn ich nicht weiter wusste im Projekt und wir haben zusammen überlegt, was ich als nächstes machen kann.
    Außerdem fand ich es hilfreich einen Projektplan zu haben mit konkreten Schritten und Meilensteinen. Auch wenn man ihn nicht genau so umsetzt, ist es eine gute Orientierung.

    Was hast du persönlich aus deinem Projekt mitgenommen und wie ist dein Fazit?
    Als ich angefangen habe, mich mit dem Thema auseinander zusetzten, habe ich auch meinen eigenen Papierkonsum hinterfragt und reduziert. Jetzt habe ich noch einen bewussteren Umgang damit. Ich bin sehr froh, darüber, dass ich dran geblieben bin und die Charité jetzt wirklich meine Idee umsetzt. Ich hoffe, dass alle davon profitieren.

    Hast du noch ein paar Tipps für andere junge Menschen, die etwas verändern wollen?
    Sucht euch starke Partner, die sich schon für euer Thema interessieren. Wie bei mir die Umweltbeauftrage der Charité. Auch viele NGOs oder Hochschulgruppen können gute Ansprechpartner sein.
    Außerdem habt viel Geduld und Durchhaltevermögen. Natürlich klappt nicht immer alles, aber vor allem dran zu bleiben erhöht die Wahrscheinlichkeit sehr, dass ihr euren Zielen näher kommt.


    Das sind super Tipps. Danke dir für das Interview.

     


    Wenn du jetzt auch Recyclingpapier an deiner Uni einführen willst, hier nochmal 5 Schritte für dich zusammen gefasst:

    1) Hab Lust etwas auszuprobieren und deine eigene Idee umzusetzten
    2) Knüpfe persönliche Kontakte an deiner Uni zum Umwelt-/Nachhaltigkeitsbüro. Wer kann dein Ansprechpartner sein?
    3) Finde heraus welche Art von Papier an deiner Uni verbraucht wird
    4) Gibt es eine Verordnung von deinem Bundesland zur Nutzung von Recyclingpapier in öffentlichen Einrichtungen?
    5) Wende dich an die Senatsverwaltung und sprecht gemeinsam deine Uni an
    6) Optional: Hole andere aus deiner Uni mit ins Boot, berichte auf Social Media und in der Community über dein Projekt.

    Viel Erfolg und bleibt dran.


    Wenn du Ideen und Lust hast dein eigenes Change Projekt umzusetzen,
    dann kannst du dich hier informieren. Der nächste Durchlauf der Changemaker ist im Herbst 2017.

    Be Change!

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