Berichte

ChangeDays - Interview mit Tobi Rosswog von living utopia

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    Mit 16 war ich das erste Mal auf einem Jugendumweltkongress. Vollgepackt mit Rucksack, Schlafsack und Isomatte habe ich mich im ICE auf meinem Sitz gequetscht.

    Burger, Bauern und Banditen – einen Jugengkongress für gerechte Welternährung, hieß das sog. Herbstspektakel in dem Jahr in Hannover.

    Doch nicht nur inhaltlich habe ich in den vier Tage viel gelernt, vor allem die Amtosphäre dort hat mich nachhaltig geprägt. Ich war begeistert von dem Miteinander. Obwohl ich die Menschen gerade erste kennen gelernt hatte, kam es mir vor, als wären wir eine Gemeinschaft mit einer Vision.
    Ganz besonders in der Erinnerung habe ich meinen ersten Flashmob: Mit selbstgebastelten Schweinenasen haben wir uns in die Fußgängerzone gestellt. Jeder von uns stand in einem 0,8m² Quadrat aufgemalt mit Kreide. In der Hand ein Schild mit der Aufschrift: "So viel Platz hat ein Schwein in Massentierhaltung in Deutschland." Während ich ganz still als „Schwein“ in meinem Quadrat stand, liefen andere mit Megafonen rum und haben unsere Message, dass wir keine Massentierhaltung wollen, in die Fußgängerzone gerufen. Alleine hätte ich mich sowas nicht getraut. Doch gemeinsam konnten wir so Aufmerksamkeit für bewussten Fleischkonsum und die Zustände der Massentierhaltung erreichen.

    Am letzten Tag, kurz vor der Abfahrt, habe ich Tobi kennen gelernt. Wir haben gequatscht, uns wunderbar verstanden und unsere Nummern getauscht.
    Es sollte zwei Jahre dauern, bis wir uns wieder sehen, doch wir haben Kontakt gehalten und über seine geldfreie Zeit habe ich in der Community schon ein paar Mal berichtet.

    Tobi ist ein offener, herzensguter Mensch mit Tatendrang und Visionen.
    Umso mehr freut es mich, dass er bei den Change Days dieses Jahr dabei sein wird. Neben einem Workshop wird er auch eine Keynote für uns halten.

     

    Lieber Tobi, was bedeutet Veränderung für dich?
    Neue Wege zu gehen, um das Neue im Alten zu finden und selbst authentisch den eigenen Werten folgen. Manchmal schwingt mit der Veränderung eigener Lebensstile mit, dass es zuvor falsch war und wir gescheitert sind. Ich möchte einladen, dass wir mal fern der Binarität von richtig und falsch ängstlich einfach weiter den gewohnten Konventionen weiterhin „treu“ bleiben.

     

    Du gibst einen Workshop bei den ChangeDays im Sommer.
    Kannst du uns einen kleinen Vorgeschmack geben, was uns dort von dir erwarten wird?
    Ich habe zweieinhalb Jahre geldfrei gelebt. Im Workshop werde ich von meinen Erfahrungen erzählen: Ein Leben außerhalb von Verwertungslogik, Leistungs-druck und Selbstoptimierungswahn. Welche inspirierenden Perspektivwechsel gab es? Welche Herausforderungen? Was hat mich zum Umdenken angeregt und was begeistert? Durch Erfahrungen und gelebte Praktiken soll auch die Philosophie und Idee eines geldfreieren Lebens skizziert werden.


    Gab es für dich einen bestimmen Impuls, dich für Nachhaltigkeit und Umweltschutz einzusetzen?
    In der Biographie eines Menschen gibt es immer viele verschiedene Impulse, die Dir die Möglichkeit geben einen anderen Weg zu gehen. Mal links und rechts zu schauen, anstatt immer nur gerade aus den gewohnten Konventionen nach zu rennen. Auch bei mir gab es viele Momente. Beispielsweise als ich bei der mich angrinsende Scheibe Mortadella-Bärchenwurst während des Frühstücks erkannte, dass dieses tote Fleischstück einmal ein lebendiges fühlendes Wesen war. Damals entschied ich von heute auf morgen kein Fleisch mehr zu essen, um kurze Zeit später in logischer Konsequenz nur mich pflanzlich zu ernähren.


    Was braucht es deiner Meinung nach, damit Veränderung gelingt?
    Gesunde Naivität und Vertrauen, kollektive Strukturen anderer Selbstverständ-lichkeiten sowie Inspiration und Irritation.

    Was möchtest du der WWF Jugend noch mit geben?
    NOT JUST TALKING ABOUT UTOPIA, BUT: living utopia!
    (Nicht nur über Utopien schnacken, sondern sie auch lebendig werden lassen)

    Danke dir für das Interview, lieber Tobi.

    So kannst du Tobi erreichen:

    living utopia l  Bildungskollektiv l Email: tobi@bildungskollektiv.de

     

    Alle weiteren Infos zu den Change Days findest du hier.

    Wenn du Fragen zu den Change Days hast, melde dich gerne bei uns
    unter changedays@wwf.de


    Wir freuen uns auf dich
    Cosima

     

Kommentare

2 Kommentare
  • Akatsuki
    Akatsuki Ich finde seine Ansätze zum Teil echt gut und interessant muss ich sagen. Was ich allerdings seltsam finde, ist das mit der "Gesunden Naivität". Ich kann nur für mich sprechen, aber ich finde Naivität nicht wirklich oft etwas bringt, wenn man etwas...  mehr
    28. Mai 2017 - 1 gefällt das
  • Cosima
    Cosima Danke für deinen Kommentar. Ich kann die Gedanken verstehen und finde es auf jeden Fall wichtig, realistisch zu sein und gleichzeitig sich das Träumen zu erlauben. Denn oft haben wir vielleicht ein Ziel oder Ideen, aber können uns noch gar nicht...  mehr
    1. Juni 2017 - 1 gefällt das