Berichte

Erfahrungen und Bilanz der Plastik-Pause

  • Solange ich meine Tage vor allem in der Uni verbringe und beinah ausschließlich in der Mensa esse, lässt es sich ohne Plastikprodukte zu kaufen ja ganz gut aushalten. Das einzige, was mir ein bisschen fehlt, sind Kaugummis, aber ist wohl sowieso ganz gut, für diese nervige und relativ unästhetische Angelegenheit kein Geld mehr auszugeben.

    Säfte, Limonaden und sogar Cola gibt es, wie mir zum ersten Mal wirklich bewusst auffällt, in der Mensa auch in Glasflaschen. Und zwar ganz schön coole, von Bionade über Fritz Cola bis hin zu ChariTea und LemonAid, einem kleinen Hamburger Start-Up, das Bio-Tees und –Limonaden aus fairem Handel vertreibt.

    In der Bibliothek stößt man hingegen unweigerlich auf Plastik – zu den Büchern und Arbeitsplätzen darf man nur, wenn man entweder nichts dabei hat, oder seine Bücher, Laptops, Wasserflaschen und sonstigen Utensilien in durchsichtigen Plastiktragetaschen transportiert, die beim Hinein- und Herausgehen von mehr oder weniger eifrigen Kontrolleuren geprüft werden. Nicht, dass da noch Schokolade mit hinein oder Bücher hinaus gebracht werden! Konsequent bleiben, denke ich mir und balanciere Laptop, Bücher, Block, Mäppchen und Glasflasche auf den Unterarmen durch die Treppenhäuser. Geht doch ohne!

    Am Abend stelle ich fest, dass mein Wäschekorb mal wieder am überquellen ist – Waschen wäre fällig! Eine, wie ich bemerke, ganz schön plastiglastige Angelegenheit: Die Waschmaschinen, das Waschpulver und seine Verpackung, meine Wäschekörbe und Teile meines Wäscheständers. Geht das auch besser? Zumindest für herkömmliches Waschpulver fällt mir etwas ein, ich habe vor kurzem von Waschnüssen gehört, die es sowohl im Dritte Welt, als auch im Bioladen gibt. Wenn meine jetzige Packung leer ist, will ich das mal probieren.

    Aber das Einkaufen erweist sich als kompliziert. Neugierig durch die Kommentare zu meinem ersten Erfahrungsbericht statte ich der Lush Filiale in Heidelberg einen Besuch ab und bin positiv überrascht! Nicht nur, dass es wirklich extrem viele Produkte komplett unverpackt gibt, auch der Service ist super und ich kaufe außer den toothy taps auch festes Shampoo, also ein Stück Seife, das man zum Haare waschen benutzen soll.
    Bei dm finde ich so gut wie nichts, dass nicht in Plastik verpackt wäre. Da aber noch einiges auf meiner Einkaufsliste steht, besuche ich die große Müllerfiliale am Bismarckplatz. Die hat im zweiten Stock ein riesiges Sortiment an Naturkosmetik und Bioartikeln. Mal schauen, wie Weleda, Logona, Terra Naturi, Sante und co. plastiktechnisch aufgestellt sind!
    Die Bilanz ist ernüchternd. Sogar sehr teure Naturkosmetikmarken füllen ihre Produkte fast ausschließlich in Plastikflaschen und Tuben ab. Nur hin und wieder stehen Glasdöschen mit Metalldeckeln oder Glasflaschen mit Plastikschraubverschlüssen in den Regalen – und die Preise sind happig. Da ich wenigstens diese Woche durchhalten möchte, streiche ich gedanklich einiges vom Einkaufszettel: Duschgel, Gesichtsreinigungsmilch und Make up Entferner kann man alle durch Seife ersetzen. Das spart auch Geld stelle ich fest ? An Seifenstücken gibt es eine erstaunlich große Auswahl. In sämlichen Farben, Formen, Größen und Zusammensetzungen lachen sie mich an.
    Wattepads gibt es leider überhaupt nicht ohne die Plastikverpackung. Gut, denke ich mir, dann spare ich mir auch gleich ein neues Gesichtswasser. Das gäbe es hier sowieso auch nur in Plastikflaschen – und eigentlich, denke ich mir, kann man auf dieses Kosmetikprodukt im Allgemeinen gut verzichten.
    Vor dieselbe Verpackungsproblematik stellt mich auch der nächste Einkaufspunkt: Toilettenpapier. Gibt es einfach nicht ohne Plastik. Etwas ratlos recherchiere ich bei ecosia nach Alternativen. Gut, man kann im Grunde jegliche Papiertücher nehmen. Die hardcore-Variante eines Papierverschwendung-Gegners, sich mit einem Waschlappen abzuwischen, finde ich dann doch recht bedenklich ?
    Schwer wird es wohl für Mütter: Sowohl für Windeln als auch für feuchtes Toilettenpapier sehe ich keine Alternative. Und auch Binden und Tampons stehen nur Plastikverpackung herum, obwohl eine Sorte ganz unverblümt mit der Aufschrift plastic-free wirbt. Es erscheint mir recht inkonsequent, beim Inhalt auf Kunststoffe zu verzichten, ihn dann aber als Verpackungsmaterial zu benutzen.
    Rasierschaum gibt es nur in Metallflaschen mit Plastikverschluss. Nicht gut, aber von meiner veganen Nachbarin weiß ich, dass man sich auch mit Öl rasieren kann. Das ist auch besser für die Haut.

    Und beim Lebensmitteleinkauf? Bei Edeka soll man die Äpfel in Plasiktüten abwiegen. Ich verweigere mich dem System, wiege die Äpfel ohne Tüte und präsentiere der Kassiererin den Zettel einzeln. Zwar guckt sie ziemlich irritiert, akzeptiert mein Vorgehen aber schließlich und rechnet ab. Und mir fällt auf, wie gut die Natur Bananen und Melonen verpackt hat!
    Bei alnatura geht es so weiter. Frisches Gemüse und Obst sind einfach plastikfrei zu bekommen und so wandern Paprika, Tomaten, Mangold, Champignons und Zwiebeln in meinen Einkaufskorb. Zudem gibt es hier sogar Wiegtüten aus Papier.
    Bei verarbeiteten Lebensmitteln wird es schon schwierig. Nudeln und Reis, Müsli und Sojamilch, auch sämtliche Tofuprodukte sind normalerweise in Plastik verpackt. Aber dann plane ich eben ein bisschen um! Das funktioniert auch gut, nur bei der Schokolade schlucke ich. Davon wollte ich eigentlich 2 Tafeln fürs Backen mitnehmen. Allerdings sind die edlen, in Papier verpackten Sorten eigenlich viel zu teuer und zu schade dafür.

    An Alltagsgegenständen benötige ich eigentlich mal wieder Teelichter. Die gibt es zwar paraffinfrei, aber nicht ohne die obligatorische Plastikhülle. An ihrer Stelle greife ich stattdessen zu einer Kerze aus Rapsöl, die nur von einer Papierbanderole geziert wird ? Spülbürsten gibt es auch aus Holz mit Naturborsten – abgehakt. Doch für Halogenleuchten meiner Deckenlampe muss ich nachgeben, die gibt es wirklich nur mit Plastikhülle.

    Jetzt ist die einwöchige Plastik-Pause offiziell vorbei. Zum ersten Mal ist mir aufgefallen, wie viel überflüssigen (Plastik-)Müll wir im Alltag produzieren und gedankenlos wegfallen. Am Freitag musste ich schon schwer schlucken, als ich die Plastikeinkaufstüte einer Freundin voll von Umweltkillern gesehen haben. Deshalb werde ich auch in Zukunft versuchen, meinen Plastikkonsum auf ein Minimum zu reduzieren - und es gibt so viele Alternativen, wenn man nur ein bisschen sucht!

     

     

Kommentare

7 Kommentare
  • Cookie
    Cookie Danke für den tollen Bericht!
    Das mit der Bibliothek ist ja echt krass, bei uns muss man nur vor dem Rausgehen eine nette ältere Dame in seinen Rucksack schauen lassen.
    Die Waschnüsse klingen interessant, wie genau funktioniert das? Ich h...  mehr
    3. Februar 2015
  • regentag
    regentag Oh, da sind die Studierenden bei dir wohl um einiges vertrauenswürdiger als die verschlagenen Exemplare hier :)
    Dein Waschpulver klingt gut, das merke ich mir auch mal! Vielleicht gibt es das ja auch hier im Biomarkt.
    Die Waschnüsse habe ich au...  mehr
    5. Februar 2015
  • somebodywholovesourearth
    somebodywholovesourearth Ein schöner Bericht und flüssig zu lesen. :)

    Zu dam Klopapier und den Papiertaschentüchern:
    Der unterschied ist, dass sich Klopapierfasern im Wasser auflösen und Papiertaschentücher viel fester sind. Das sieht man auch, wenn man ...  mehr
    10. Februar 2015
  • regentag
    regentag Danke schön!

    Ah, interessant! Aber du hast Recht, Taschentücher sind ja wirklich um einiges fester als herkömmliches Toilettenpapier. Wobei der Unterschied zu fünflagigem Klopapier ja auch nicht mehr so groß ist... Naja, trotzde...  mehr
    10. Februar 2015