Berichte

Plastik-Pause Tag 1

  •   Montag der 26. Januar 2015, Tag 01 der Plastik-Pause, des Versuchs eine Woche lang ohne Plastik zu leben. Der Radiowecker klingelt. Verschlafen blinzle ich ihn an und erkenne - DEN FEIND! Die Hülle der unbarmherzigen Maschine besteht aus Plastik. Diese Woche werde ich wohl auf ihn verzichten. Ausschlafen geht leider trotzdem nicht, aber ich werde mich wohl auf die Weckfunktion meines Handys verlassen.


    Was ist Plastik überhaupt? Gibt man den Begriff bei Ecosia ein, erscheint als erster Treffer der entsprechende Wikipedia Eintrag: "Als Kunststoff (umgangssprachlich Plastik, Plast oder Plaste, selten Technopolymer) bezeichnet man einen organischen, polymeren Festkörper, der synthetisch oder halbsynthetisch aus monomeren organischen Molekülen oder Biopolymeren hergestellt wird." Puh, das klingt verdammt nach dem ungeliebten Chemieunterricht in der Schule - und hilft mir nicht wirklich weiter. Nach ein paar Klicks weiß ich allerdings mehr. Die meisten Kunststoffe bestehen aus Kohlenwasserstoffen (Alkanen, Alkenen und Alkinen). Das klingt harmlos, ist es aber nicht. Ihr Ausgangsmaterial ist nämlich fast immer Erdöl. Und damit noch nicht genug, Plastik wird auch in gigantischen Mengen weggeworfen. Die Polymere zersetzen sich jedoch nicht und sind auch nicht biologisch abbaubar. Jedes Jahr sterben daher hunderttausende Tiere an Plastikmüll, indem sie ihn versehentlich fressen oder sich darin verheddern. Vielleicht noch schlimmer als die großen Plastikteile sind sogenannte Mikroplastikpartikel. Durch Sonnenbestrahlung und andere Verwitterungsprozesse werden die Kunststoffe nämlich spröde und zerfallen in winzige Plastikteilchen, die sich vor allem im Meer sammeln. Wie kleine Magnete ziehen sie Giftstoffe an, von den frei gesetzten Weichmachern und Farbstoffen ganz zu schweigen. Wenn nun Kleinstlebewesen, Muscheln, Fische und Vögel diese Mikropartikel fressen, landen sie über die Nahrungskette auch in unseren Mägen. Gesund ist das für niemanden.


    Höchste Zeit also, dem Plastikwahn einhalt zu gebieten! Doch je länger ich mich in meinem Zimmer umsehe, desto ratloser werde ich. Es erscheint unmöglich, komplett auf Plastik zu verzichten. Wo überall Kunststoff drin oder dran ist! Die Kabel aller Elektrogeräte! Meine Nachttischlampe. Die Fensterrahmen. Die Lichtschalter. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass auch die Ikea-Möbel in dieser Studentenbude (zu meiner Verteidigung, sie war schon möbeliert! :-) ) alle aus Kunststoff bestehen. Sogar die Knöpfe meiner Winterjacke! Ohje, das fängt ja gut an.

    Dann verzichte ich eben auf alle irgendwie auf die Schnelle ersetzbaren Dinge, die Plastik enthalten.

    Das Frühstück geht ganz gut ohne, nur die Spülmittelflasche besteht aus Kunststoff. Ich beschließe, im Biomarkt mal nachzuschauen, ob es auch Putzmittel gibt, die anders abgefüllt sind.

    Im Bad bin ich hoffnungslos verloren. Die Zahnbürste, der Föhn, die meisten Tuben und Döschen die dort herumstehen sind - made of plastic. Einzige Ausnahme: Die Nivea Creme. Die kommt nach alter Manier in einer Metalldose daher. Wobei... die Farbe? Ich beschließe, eine Liste mit Gegenständen zu machen, die ich beim nächsten fälligen Neukauf durch plastikfreie Alternativen ersetzen will. Kamm, Haar- und Zahnbürste stehen nun ganz oben. Die Zahnpasta ist quasi der Inbegriff des Bösen: Nicht nur die Tube ist aus Kunststoff, die Inhaltsliste verrät, dass auch der Inhalt eine wahre Chemiebombe ist. Zwar gibt es kunststofffreie Alternativen von Naturkosmetikherstellern und manche Hersteller wie Weleda gehen sogar soweit, die Pasten in Alutuben abzufüllen, aber Aluminium ist ebenfalls nicht für seine Umweltfreundlichkeit bekannt. Faszinierend finde ich hingegen die Idee, Zahnpasta selbst herzustellen. Im Internet findet man viele Rezepte, wie zum Beispiel dieses hier:
    Die Zutaten schreibe ich sofort auf meine Einkaufsliste.

    Den Rucksack, der mich normalerweise immer in die Uni begleitet, kann ich diese Woche nicht benutzen: Seine Schnallen sind aus Plastik. Zum Glück besitze ich ja eine umweltfreundliche Stofftasche von der WWF Jugend. Doch halt! Sogar die Buttons, die ich an ihr befestigt habe, bestehen aus dem verbotenen Stoff! *Stirnrunzel*

    Anstelle der Plastikmineralwasserflasche, die ich für gewöhnlich aufgefüllt mitnehme, nehme ich diese Woche die Glasflasche von der Silent Climate Parade mit. Puh, ganz schön schwer!

    Kaum im Hörsaal angekommen stellen sich mir zwei weitere Hindernisse: Ich schreibe am liebsten mit Füller. Manche mögen das kindisch oder altmodisch schreiben, aber mir gefällt das flüssige Schreibgefühl und ehrlich gesagt kritzle ich mit Kugelschreiber ziemlich unleserlich. Allerdings bestehen nicht nur die Patronen, sondern auch der Griff aus Ihr-wisst-schon-was. Immerhin habe ich sofort Alternativen zur Hand: Holzbleistifte und einen –kugelschreiber. Nicht so leicht zu ersetzen ist die Tastatur des Laptops...

    In der Mittagspause nehme ich zum ersten Mal bewusst wahr, dass auch mein Uniausweis und sämtliche andere bunte Karten in meinem Geldbeutel aus Plastik gemacht sind. Auf die kann ich auch schlecht verzichten, genauso wenig wie auf die Tabletts in der Mensa. Für die Essensausgabe dort sind zwei Hände wirklich zu wenig.

    Der Rest des Tages verläuft recht Plastikfrei. Nur eine Sache beschäftigt mich: Im Winter, der typischen Erkältungszeit, habe ich eigentlich immer eine Packung Taschentücher dabei. Und die stecken nunmal im Plastikmantel, zumindest habe ich noch nirgendwo etwas anderes gesehen. Gibt es dafür Alternativen? Mein Opa mit seinen karierten Stofftaschentüchern fällt mir ein. Ich habe sogar auch noch ein solches in meinem Schrank, weiß bestickt von meiner Uroma. Ob die Ökobilanz eines Stofftaschentuchs besser ist als die der herkömmlichen Papiertücher hängt wahrscheinlich davon ab, wie oft und womit man es wäscht... Aber die Vorstellung, mir eine Woche lang mit demselben Tuch die Nase zu putzen, finde ich hygienisch leicht bedenklich ;)

Kommentare

13 Kommentare
  • regentag
    regentag @Zweitagsfliege & somebodywholovesourearth: Danke für den Tipp! An einem Lush Laden in Heidelberg bin ich zwar schon ein paar Mal vorbei gelaufen, drinnen war ich aber noch nie. Das werde ich umgehend ändern! Diese Toothy Tabs müssen au...  mehr
    27. Januar 2015
  • Anne95
    Anne95 Danke für den spannenden Bericht! Mein Respekt, dass du dieses Experiment wagst! Einfach krass, was einem alles dadurch bewusst wird. Viel Erfolg weiterhin! ;-)
    28. Januar 2015
  • Anais
    Anais Spannend :))
    Schon eine ziemliche Umstellung - super, dass du beim Experiment mitgemacht hast.
    2. Februar 2015
  • Johannisbeere1502
    Johannisbeere1502 Ein echt toller Bericht! Mit den Taschentüchern aus der Pappbox ist mir Cookie jetzt schon zuvorgekommen :-) Ich habe sogar eine selbstgenähte (leider nicht von mir :-) ) Hülle aus Stoff, in der man die Tücher aufbewahren kann. Wobei, ...  mehr
    2. Februar 2015