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Survival of the fittest - Darwin's Nightmare

  • Der Victoriasee...der zweitgrößte Süßwassersee der Erde, angrenzend an Uganda, Kenia und Tansania in Afrika.

    Ein Paradies für über 500 Fischarten - tausende Fischer leben von ihren Fängen aus dem See und was sie nicht selbst benötigen verkaufen sie für etwas Kleingeld.

    So war es noch bis vor über 50 Jahren...

    In den 1960er Jahren wurden einige Exemplare des Nilbarschs im Victoriasee angesiedelt. 

    Ziel war es, mit diesem Handeln den kommerziellen Fischfang und somit auch die exportorientiere Fischindustrie zu fördern. International ist der mittlerweile unter dem Namen bekannte "Victoriabarsch" sehr begehrt - der Großteil des Fischs geht allerdings nach Asien und Europa! 

    Aufgrund des Aufschwungs der Fischindustrie  am Victoriasee stieg auch die Bevölkerung an. In den umliegenden Städten gab es nun jede Menge Arbeitsplätze und viele Menschen kamen aus der Peripherie um sich einen Job zu suchen.

    Der Nilbarsch ist in diesem See jedoch nicht heimisch - die gefräßigen Tiere brachten innerhalb kurzester Zeit das gesamte Ökosystem aus der Bahn. 

    Diversen heimischen Fischarten starben aus!

    Die ökologische, wirtschaftliche und menschliche Katastrophe nahm ihren Lauf...
    Ruiniert wurde die einheimische Trockenfischindustrie in der nun viele Menschen ihren Arbeitsplatz verloren. 
    Außerdem waren viele Anwohner von dem ehemals vielfältigem Nahrungsangebot aus dem See durch ihre Subsistenzwirtschaft abhängig.

    Durch das auch für den Nilbarsch sinkende Nahrungsangebot und dem konsequenten Fang schrumpfte auch die Zahl des angesiedelten Tieres.
    Das hatte zur Folge, dass sich zwar andere Bestände im See wieder etwas erholten, aber für die Menschen die am Gewässer lebten, wurde es nun erst richtig schlimm.

    Es gab immer mehr Arbeitslose!

    Eltern scheuchten ihre Kinder davon, da sie sie nicht mehr versorgen konnten, Mütter versuchten etwas Geld durch Prostitution zu verdienen, denn ihre Männer waren fort gegangen oder verdienten mit dem FIschfang nicht genug.
    Hungersnot beherrscht den Alltag der Bevölkerung - obdachlose Kinder betteln und kämpfen auf den Straßen um Essen.
     
    Doch selbst wenn es Nahrungsmittel auf dem Markt geben würde, könnte es sich niemand leisten diese zu kaufen!

    In der Bevölkerung entwickelten sich starke Konflikte und europäische Flugzeuge, die kommen um Tonnen von Fisch abzuholen, bringen Waffen mit in die Kriesengebiete.

    Mit der steigenden Bevölkerung kamen jedoch noch weitere Probleme auf den Tisch...
    Neben der Fischindustrie wurde auch die Landwirtschaft intensiviert.
    Es kamen Unmengen von Dünger zum Einsatz - dieser gelangte mit anderen Abwässern und Abfällen aus der Industrie in die Flüsse, die in den Victoriasee fließen.
    So gelangen immer mehr Mineralstoffe - besonders Phosphor - in das Wasser. 

    Das begünstigt das starke Wachstum der Pflanzen...

    Je mehr Pflanzen es gibt, desto mehr abgestorbenes organisches Material ist vorhanden, welches zum Seegrund sinkt und dort wieder mineralisiert wird. 
    Für diesen Vorgang ist jedoch Sauerstoff notwendig. 

    Gerade im Sommer ist der See besonders sauerstoffarm und es kommt zur Hypertrophierung. Hierbei kommt es zu Faulnis wobei schädliche Gase wie Ammoniak, Schwefelwasserstoff und Methan freigesetzt werden. 

    Das Existieren von Pflanzen und Tieren im und am See ist unmöglich - das gilt natürlich auch für den Menschen am Ufer!

    Es wird deutlich, dass nicht nur das Ansiedeln des "Victoriabarschs" dieses Desaster herbei geführt hat.
    Entscheident sind viele Faktoren, die die Bevölkerung nicht allein in den Griff bekommen wird - doch was macht die Politik? Die Verantwortlichen schauen selbstverständlich weg...

     

     

     

    Quellen:

    Film -> Darwin's Nightmare

    http://de.wikipedia.org/wiki/Victoriasee

    http://www.ostafrika-forschung.de/1999/1Regionalseminar/rsrascheb/rsrascheb.htm

    Bild:
    http://images.zeit.de/wirtschaft/2011-12/migingo-2/migingo-2-540x304.jpg

     

Kommentare

4 Kommentare
  • Makanie
    Makanie Megainteressant und total traurig! Schade, dass sich wieder keiner zu gut ist, um zu helfen. Aber toller Bericht, wirklich! :-/
    27. Januar 2015
  • FriedaRockt
    FriedaRockt Erst einmal vielen Dank!
    Hilfestellung gestaltet sich in Ländern wie diesen auch einfach schwierig - denn einen kompletten Staat umzukrempeln ist äußerst kompliziert.
    Als Industrieland und Großabnehmer könnte man natürlic...  mehr
    27. Januar 2015
  • Johannisbeere1502
    Johannisbeere1502 Eine schreckliches Szenario was sich da abgespielt hat!! So weit hätte es nie kommen dürfen!!! Das kann es doch nicht sein, dass die Politik nichts unternahm!
    2. Februar 2015
  • NelEng
    NelEng @Makanie - aer da muss es doch irgend eine Lösung geben, wie man da helfen kann... oder nicht?
    11. Februar 2015