Berichte

Workaway - Leben und Arbeiten in Australien

  • Reisen, Freiwilligendienste, Auslandsjahr, FöJ, Work and Travel, Wandern, fremde Kulturen, exotische Natur, neue Erfahrungen – solchen Stichworten kommt man immer wieder entgegen, wenn man die Berichte, Diskussionen, Fragen, Wünschen und Plänen von Community-Mitgliedern ein bisschen verfolgt. „Gap years“ zwischen Schule und Studium werden immer populärer. Man möchte sich gern für etwas einsetzen und gleichzeitig den Horizont erweitern. Und wenn man sich voller Enthusiasmus vor seinen Computer setzt und versucht das richtige unter den gefühlten tausendhunderdmillionenhochzehn Möglichkeiten, die sich da vor einem auftun, zu finden, dann ist das gar nicht mal so leicht. Jedenfalls ging es mir so, als ich vor knapp zwei Jahren kurz vor meinem Abitur stand. Zu dem Zeitpunkt fand ich es hilfreich ein paar Erfahrungen zu lesen, unter anderem auch hier in der Community. Franzi berichtete von Work and Travel in Kanada, Sarah davon, was es heißt weltwärts zu gehen, Helen schreibt über ihr FöJ im Schullandheim und Theresa über ihr Praktikum beim WWF Vietnam. Wie sie alle möchte auch ich euch gern die Gelegenheit bieten, an meinen Erfahrungen des letzten Jahres in wenig teil zu haben.

    Around the World Ticket, so hieß die Eintrittskarte für mein Auslandsjahr. Über Australien, Neuseeland und Costa Rica führten mich die zehneinhalb Monate zwischen Schule und Studium und gaben mir Grund zum Lernen, sprachlos sein, Verzweifeln, Schmunzeln, Entdecken, Wachsen, sich klein fühlen, Vermissen, überfordert sein, Helfen und Hilfe annehmen, Mut gewinnen, Beobachten, Nachdenken, Dinge hinschmeißen und wieder aufheben, Lieben, Schimpfen, traurig sein, Leben, Glauben, dankbar sein, Verinnerlichen. Eben so wie alle anderen Lebensjahre auch…nur eben völlig anders.

    Mit einem Backpack auf dem Rücken, einem Working Holiday Visum in der Hand, einer Freundin an der Seite und hartnäckigen Schmetterlingen im Bauch startete ich meine Reise in Sydney. Ich hatte vor in die Kultur und Natur des Landes einzutauchen, möglichst abseits von dem touristischen Hype oder den van Backpackern überlaufenden Working-Hostels. Daher war während der gesamten Reise eine Website namens Workaway stets in meinem Fokus. Über Workaway können Ortsansässige, meist Farmer oder Familien, die Hilfe im Haus, auf dem Hof, mit den Kindern oder bei allem sonst erdenklichen brauchen, in Kontakt mit Freiwilligen kommen. Das Prinzip sieht so aus, dass die Freiwilligen für meist zwei bis vier Wochen zusammen mit den „hosts“, den Gastgebern, leben und arbeiten, wobei sie für meist 5 Stunden Arbeit werktags eine kostenlose Unterkunft und Verpflegung bekommen. Workaway hosts findet man in fast allen Ländern dieser Welt und in den unterschiedlichsten Aufgabenbereichen: Von Farmleben über Babysitten, Haushaltshilfe und Cafés bis zu den außergewöhnlichsten Dingen wie Hilfe beim Bau eines Segelboots, Arbeiten auf einer Huskyranch, Assistieren in Schulen, Mithilfe bei einer NGO oder bei Meditations-Workshops.

    In meinem Fall hielt Australien eine Reihe spannender Workaway-Erlebnisse bereit. Meine erste war auf einer kleinen ökologischen Avocado- und Knoblauchfarm in Toowoomba, einer Stadt zwei Stunden westlich von Brisbane. Bewirtschaftet wurde sie von einem australisch-deutschen Pärchen, die drei Freiwilligen, einem Hund, zwei Pferden und vier Hühnern ein Dach über dem Kopf boten. Unsere Hauptaufgaben auf der Farm waren Avocados zu ernten, gegen das Unkraut auf dem Knoblauchfeld zu kämpfen, die Tiere zu versorgen und einen Gemüsegarten anzulegen. Und wie wird man Unkraut auf eine ökologische Weise los? Richtig, mit der Hand. Jedenfalls weiß ich nun zu schätzen, welche Arbeit hinter dem erhöhten Preis einer Bio-Knoblauchzehe stecken kann. ;o)

     

     

    Ein weiteres Highlight war meine Aushilfe in einer Bio-Bäckerei in einem kleinen Dorf an der Südküste Australiens, einige Stunden östlich von Melbourne. Dort backten meine Freundin und ich gemeinsam mit der Inhaberin leckeres Brot (was man leider nur schwer in Australien findet), Kuchen und Gebäck. Abends verwandelte sich die Bäckerei in eine Pizzeria: der 2 Meter lange, 3 Meter tiefe Steinofen wurde angeheizt, frisches Gemüse, teilweise aus eigener Ernte, wurde geschnippelt, Teig ausgerollt, belegt und dann ab damit zum Backen bei 300°C.

    Besonders interessant fand ich es auch, als ich in Townsville eine kleine Gruppe Biologen bei ihrer Feldforschung unterstützen durfte. Im Rahmen des Projektes CreekWatch wurde die Wasserqualität verschiedener Flüsse und Bäche in der Umgebung mithilfe von Bioindikatoren überprüft. Dabei wurden einem bestimmten Bach an unterschiedlichen Stellen Schlamm-, Schlick-, Wasser- und Pflanzenproben entnommen und diese auf Lebewesen, hauptsächlich Insektenlarven und Würmern, untersucht. Je sensibler die Tiere, die man in den Proben findet, gegenüber Schadstoffen sind, desto besser die Qualität des Wassers.

     

    Auf dem Bild seht ihr wie wir gerade in den Proben aus dem Blue Creek nach Lebewesen suchen. Dieser Bach stellte sich als gesundes Ökosystem heraus. Damit das auch so bleibt, überprüft und sichert CreekWatch ihn auch weiterhin.

     

    Eine weitere Station in Australien war eine Rinderfarm in der Nähe von Byron Bay. Dort bestand meine Aufgabe vor allem darin, den Garten in Schuss zu halten. In der Gegend rund um die Farm gab es vereinzelte Höfe und winzige Dorfgrüppchen, die sich über eine große Fläche zwischen Weide und Buschland verteilten. Weil die nächste Möglichkeit zu Einkaufen so weit entfernt war, hatten sich die Anwohner ein tolles System ausgedacht, das teilweise die Versorgung von Grundnahrungsmitteln sicherstellte: Zwischen den Farmen verteilt standen kleine Hütten, so wir ihr sie auf dem Bild sehen könnt. Jeder Farmer stellte etwas von seiner Ernte zur Verfügung und bestimmte einen geringen Preis dafür. Das Geld ging in die Dorfkasse und wurde unter anderem zur Instandhaltung der Hütten und des Gemeindehauses verwendet. Man fand also für kleines Geld stets regionale und fast ausschließlich biologisch angebaute Produkte in der Auslage, wobei Früchte und Gemüse sowie Nüsse, Eier, Kräuter, Honig und Blumen den Großteil davon ausmachten.


     

    Auf diese Weise verbrachte ich einen Teil meiner Zeit in Australien. Während meine Freundin und ich dabei von Farm zu Farm reisten nahmen wir uns meist einige Tage Zeit um Orte, die auf dem Weg lagen, zu erkunden. Eine Auswahl von Dingen, die uns dabei begegnet sind, habe ich in den folgenden Fotos zusammengestellt.
    Insgesamt habe ich viereinhalb Monate in Australien verbracht. Von dort aus reiste ich weiter nach Neuseeland. Einen Ausschnitt von dem, was ich dort erleben durfte, erwartet euch in meinem nächsten Bericht.

     


    In einem Park in Townsville lohnt es sich nach oben zu schauen - Flying foxes so weit das Auge reicht!

     

      

    Schildkroeten und bunte Schmetterlinge sind nur ein Teil der ausgefallenen Tiere, die einem unterwegs begegnen.

    Auch die seltsamsten Pflanzen findet man am Wegesrand

     

    Outback? Nein, Australien hat mehr zu bieten als nur roten Sand

      

      

     

Kommentare

14 Kommentare
  • PandaTatze und lena.lux gefällt das
  • FelisSilvestris00
    FelisSilvestris00 Wow! Auf diese Art und Weise ein Land, ihre Kultur und die Menschen zu entdecken, fasziniert mich schon lange! Danke für die tollen Anregungen und Tipps! Das werde ich mir natürlich merken! :)
    25. Januar 2015
  • Johannisbeere1502
    Johannisbeere1502 Danke für diesen schönen Bericht, ich bin gespannt was du von Neuseeland erzählst. Australien, Neuseeland, Costa Rica- diese Länder finde ich echt spannend und workaway werde ich mir auf jeden Fall auch mal merken! :-)
    28. Januar 2015
  • luisa2412
    luisa2412 Danke fuer den tollen Bericht! Ich war selbst 6 Monate in Australien und weiss genau wovon du redest! Werde mir workaway fuer nach dem Abi merken und bin gespannt, was Du von Neuseeland haelst!
    17. Februar 2015
  • PandaTatze
    PandaTatze Richtig schöner Bericht!
    Mich fasziniert Australien auch schon sehr lange und ich möchte sehr gerne nach dem Abi auch ein Jahr dorthin reisen um Erfahrungen zu sammeln und einfach mal von all dem wegzukommen, was mich aktuell umgibt. Ich werde m...  mehr
    9. Mai 2015