Berichte

Zukunft verhandelbar? Unterwegs auf politischem Parkett

  • Im südkoreanischen Pyeongchang fand gerade die 12. UN-Konferenz über das Abkommen zur Biologischen Vielfalt (CBD COP 12) statt. Vertreter aus 193 Staaten nahmen an den Verhandlungen teil, darunter auch 36 Jugendliche aus aller Welt, die etwas verändern möchten und voller Tatendrang nach Korea angereist sind, um vor Ort das Global Youth Biodiversity Network (GYBN) zu repräsentieren.

    Jugendliche aus aller Welt

    Mir war es vor allem wichtig ein stärkeres Engagement im Kampf gegen das Artensterben von der Weltgemeinschaft zu fordern und mich für Jugendbeteiligung an den Verhandlungen einzusetzen. Wusstest du, dass die Hälfte der Weltbevölkerung unter 30 Jahre alt ist? Es ist also ungemein wichtig, dass die Jugend in den UN Prozessen berücksichtigt wird und Einfluss auf die Entscheidungen übt, denn es geht schließlich um unsere Zukunft!

    Wir haben im Rahmen der Konferenz an unzähligen Verhandlungen teilgenommen und sogar diverse Interventions gehalten (also Statements, in denen wir uns zu der diskutierten Thematik positionieren und unsere Forderungen kundtun), sowie mehrere Side Events (hierbei handelt es sich um Vorträge, in denen Projekte oder auch aktuelle Forschungsresultate, etc. vorgestellt werden) gegeben und uns mit Delegierten ausgetauscht.

    Bei den letzten Vorbereitungen für eines unserer Side Events

    2010 hat man sich auf die sog. Aichi Targets geeinigt, in denen 20 Ziele um globale Artensterben zu stoppen, formuliert sind. Die Ziele sollen bis 2020 erreicht werden und dementsprechend sind konkrete Maßnahmen erforderlich. In dem Global Biodiversity Outlook 4 (GBO4) wird aufgeführt, was die Staaten seit 2010 für den Schutz der Vielfalt von Arten und Ökosystemen unternommen haben und der Zwischenstand bewertet. Es ist deutlich, dass die bisherigen Anstrengungen nicht ausreichen und die Regierungen deutlich zulegen müssen, um die Aichi Targets erreichen zu können.

    Es steht fest, dass die großen Probleme nicht weiter auf Kosten der Natur gelöst werden können, sondern nur mit ihr. Es ist also maßgeblich, dass Biodiversität und nachhaltige Entwicklung aneinander gekoppelt werden. Auch Regierungsvertreter appellierten dafür den Erhalt der biologischen Vielfalt als untrennbaren Bestandteil von Armutsbekämpfung, Klimaschutz und Friedenssicherung zu betrachten. Die Forderung wurde in der Grundsatzerklärung: „Gangwon-Declaration" übernommen und verabschiedet.

    Die Themen auf der Agenda sind sehr komplex und daher haben wir uns bereits bei der Vorbereitung Schwerpunkte gesetzt. Mir liegt insbesondere der Meeresschutz am Herzen und deshalb habe ich mich für die Konferenz auf die Verhandlungen zur Marine- und Küstenbiodiversität vorbereitet und überwiegend diese verfolgt. Tim Packeiser, Fachexperte für Meeresbiodiversität vom WWF war auch vor Ort. Zu unserer großen Freude hat ihm unsere Intervention zur Marine Biodiversität gefallen und er erklärte sich bereit uns zu unterstützen. Er fände es positiv, dass sich unser Statement von denen der Delegierten abgehoben hat und wir nicht davor zurück geschreckt sind sensible Themen anzusprechen und gleichzeitig daran erinnert haben, worum es geht. Es sei ein vehementes Problem, dass der Fokus oftmals viel zu sehr auf die formellen Aspekte (wie wenn ewig viel Zeit dafür drauf geht zu diskutieren ob es nun beispielsweise „as appropriate“ heißen solle oder nicht) gerichtet sei und das große Bild aus den Augen verloren werde. Es war sehr spannend sich über den Ablauf der Verhandlungen auszutauschen und mehr über den Hintergrund zu erfahren. Die Verhandlungen verliefen recht schwierig, denn es gab viele Interessen. In der letzten Nacht einigten sich die Delegierten endlich auf wichtige Beschlüsse zum Schutz der Meere. Über 150 Gebiete wurden nun offiziell als besonders wichtig für Ökologie und Artenvielfalt eingestuft und auch wenn ursprünglich weitere Gebiete angesetzt waren und der Prozess insgesamt nur langsam voran geht - so sind das immerhin schon mal Fortschritte.

      Speaking for Species - Kampagne (um Politiker daran zu erinnern, warum sie hier sind)

    Bereits im Vorfeld der COP, habe ich, auf einem Vorbereitungstreffen von Verbänden mit dem BMU habe ich Günter Mitlacher, Fachexperte für Internationale Biodiversitätspolitik vom WWF kennen gelernt und durfte ihn zwischendurch begleiten. Er hat insbesondere die Verhandlungen zur „Ressource Mobilization“ verfolgt. Auch hier war es schwierig einen Kompromiss zu finden. Die Industrie- und Entwicklungsländer hatten bis zuletzt hatten um künftige Naturschutzfinanzierung gerungen. Es wurde sich darauf geeinigt, dass die Finanzhilfe an Entwicklungsländer bis 2015 verdoppelt und auf mindestens diesem Niveau bis 2020 gehalten werden soll.  Auch im eigenen Land solle mehr für die Naturschutzfinanzierung getan werden und spätestens 2016 müsse mit der Abschaffung naturschädlicher Agrarsubventionen begonnen werden.

    Durch die Konferenz habe ich ein besseres Verständnis dafür, wie UN Prozesse ablaufen. Im Vorfeld fand eine Klausurwoche zur Vorbereitung statt, um eine Vorstellung vom Alltag auf einer COP und dem Ablauf zu bekommen. Trotzdem bleibt der Prozess sehr abstrakt und erst wenn man vor Ort ist beginnt das schwammige Bild ein wenig klarer zu werden. Mit Überraschungen ist zu rechnen und es ist stets Flexibilität gefragt.
    Es war beispielsweise überraschend kalt, womit keiner gerechnet hat und als Vegetarier fiel die Ernährung teilweise schwer, da das Meiste entweder auf Fleisch- oder auf Fischprodukte basiert. Auch die Verständigung fiel nicht immer leicht, aber man wusste sich mit Händen und Füßen zu helfen und es bestand ein großes Interesse daran sich auszutauschen.


    Eintauchen in die koreanische Kultur


    Es waren zwei extrem intensive Wochen. Die Contact Groups dauerten teilweise bis spät in die Nacht – auch wenn man am nächsten Morgen wieder früh auf der Matte stehen musste. Sei es für tägliche Koordinationstreffen mit GYBN oder auch mit der CBD-Alliance, einem Treffen mit der deutschen Staatssekretärin oder mit dem CBD-Exekutivsekretär Braulio Dias, oder, oder, oder. Irgendwas gab es eigentlich immer zu tun und zeitweise kann es ganz schön frustrierend sein zu sehen, wie unheimlich viel Zeit drauf geht ohne, dass die Verhandlungen auch nur ansatzweise vorankommen. Man muss jedoch bedenken, dass es sich bei internationaler Politik um große Räder handelt, die ins Rollen gebracht werden müssen. Dafür ist nun einmal mehr Kraft nötig und es braucht mehr Zeit. Ich denke, dass es ungemein wichtig ist, dass es die CBD COP gibt und wenn es sowas nicht geben würde, müsste man es einführen. 

    Jugenddelegierte mit Charles vom Sekretariat des Übereinkommens zu Biologischer Vielfalt und Dr. Horst Korn vom BfN

    Es war sehr motivierend zu sehen, dass es weltweit so viele tolle Menschen gibt, die sich für den Schutz der Vielfalt von Arten und Ökosystemen einsetzen und zu sehen, dass wir gemeinsam etwas erreichen können!


    Es gibt übrigens auch eine Stellungnahme vom WWF zum Abschluss des Weltnaturschutzgipfels.

     

Kommentare

6 Kommentare
  • Cookie
    Cookie Ich ziehe meinen Hut vor dir, ich finde es einfach super, dass du dort mitgemacht hast! Danke, dass du uns durch deine Berichte teilhaben lässt! :)
    22. Oktober 2014
  • Ria2000
    Ria2000 Deine Artikel klingen immer total vool! Stimmt aber, ist bestimmt anstrengend, oder?
    25. Oktober 2014
  • Anais
    Anais Oh, tihihi. Danke für das positive Feedback :))

    @Ria2000: Hehe, das freut mich zu hören. Dankeschön :)) Und ja, anstrengend war es definitiv, aber das ist es allemal wert gewesen - denn ich habe einiges gelernt und wann hat man schon mal d...  mehr
    27. Oktober 2014
  • Gruenertiger
    Gruenertiger Schöner Bericht!
    27. Oktober 2014