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Eigg - eine Insel versorgt sich selbst

  • Die Schotten sind ein eigenwilliges Volk. Durch eine turbulente und nicht immer friedvolle Geschichte geprägt scheinen innovative Ideen dort einen guten Nährboden zu finden. Der Wunsch nach Unabhängigkeit und Eigenständigkeit ist dabei keine neue Vorstellung und keinesfalls eine, welche sich nur in dem sehr knappen Referendum über den Status ihres Landes zeigen würde. Auch was Umwelt- und Klimaschutz angeht sind die Schotten mitunter ganz vorne mit dabei.

    Das wohl prägnanteste Beispiel dafür ist die kleine Insel Eigg, die zu den Inneren Hebriden zählt und nur einen Steinwurf vom schottischen Festland entfernt liegt. Mit neun Kilometern Länge, fünf Kilometern Breite und einer Einwohnerzahl von 90 Menschen ist diese Insel ein schottischer Außenposten, von dem bestimmt noch nicht viele von euch gehört haben. Doch eine Sache macht das Eiland zu etwas ganz Besonderem.

    Denn Eigg ist seit über 15 Jahren komplett eigenständig!  Im Jahr 1997 haben die Einwohner in Zusammenarbeit mit dem „Highland Council“ und dem „Scottish Wildlife Trust“ eine gemeinnützige Stiftung mit dem Name „Isle of Eigg Heritage Trust“ gegründet und damit ihre Insel offiziell erworben. Die Stiftung besteht heute aus drei Tochterunternehmen, die gemeinsam die Insel verwalten. Ein Unternehmen ist für die Infrastruktur, wie z.B. die Post und die Versorgung mit Lebensmitteln und Alltagsgegenständen zuständig, eine ist auf Bautätigkeiten spezialisiert und die dritte auf Energieversorgung.

    Und hier wird es nun richtig spannend. Denn statt wie früher den Strom über dreckige Dieselgeneratoren zu erzeugen, nutzt die Insel heute ihre strategisch günstige Lage im Meer, umgeben von Wasser, umweht von kräftigen Winden und mit ausreichend Sonneneinstrahlung versorgt. Die Insel war nie an das öffentliche schottische Stromnetz angebunden und hatte daher immer nur sehr sporadisch Strom, nachts so gut wie nie. So entschlossen sich die Einwohner mit dem Aufkauf der Insel auch die Stromversorgung völlig neu aufzubauen. Sie verlegten Kabel über ganz Eigg, installierten Paneele für Solarenergie und bauten Windräder. Finanziert wurde das Großprojekt mit 1,66 Millionen Pfund Startkapital aus Stiftungsgeldern, Spenden und Mitteln der britischen Lotterie. Seit Februar 2008 gibt es nun zum einen Rund um die Uhr Strom auf Eigg, zum anderen wird dieser zu 95% aus erneuerbaren Energien gewonnen. Diese Bilanz muss erstmal eine Gemeinde toppen!

    Seit diese Neuigkeiten bekannt wurden ist auch Eigg wieder attraktiver für frühere Bewohner geworden zurück zu kehren und für Neulinge das Inselleben einmal auszuprobieren.
    Die Insel Eigg beweist damit, dass Selbstverwaltung - zumindest in einem so überschaubaren Rahmen - zunächst einmal mehr Entscheidungsmöglichkeiten und Freiheiten bietet. So haben innovative Ideen eine Chance. Das Eiland ist damit zum einen ein Versuchskaninchen für Projekte dieser Art in der ganzen Welt geworden und ist gleichzeitig ein leuchtendes Vorbild für einen nachhaltigen Lebensstil. So ist zu erwarten, dass die Schotten wohl auch Weiterhin einiges an Überraschungen für uns bereit halten ;)

     

    Quelle:

    http://derstandard.at/2000005504022/Eine-Insel-kauft-sich-frei-versorgt-sich-mit-erneuerbarer-Energie

    Bild:

    WWF Windkraftwerke in Dänemark / National Geographic Stock_Sarah_Leen

Kommentare

5 Kommentare
  • LaLoba
    LaLoba Das beweist mal wieder: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg! Danke für diesen schön geschriebenen Bericht, Franzi!
    24. September 2014
  • Ria2000
    Ria2000 Hab auch noch nie was davon gehört, schöner Bericht, danke! :)
    25. September 2014
  • Gruenertiger
    Gruenertiger Gute Nachricht!
    26. September 2014
  • Chillkroete
    Chillkroete Habe noch nie etwas von Eigg gehört! Danke für den Bericht :)
    27. September 2014