Berichte

WWF holt Geisternetze aus der Ostsee

  • Wenn du wissen willst, was die Spenden der WWF Jugend Mitglieder bewirken, dann haben wir dieses tolle Beispiel für dich. In diesen Tagen bergen Taucher Geisternetze aus der Ostsee. Fast ein Zehntel des weltweiten Meeresmülls besteht aus Geisternetzen. Laut Schätzungen der FAO (Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen) sind es über 640.000 Tonnen. Allein in die Ostsee gelangen jährlich bis zu 10.000 herrenlose Netzteile, losgerissen von der Küstenfischerei oder im Sturm von Fischerbooten verloren.

    In einem Pilotprojekt in den Jahren 2011 und 2012 hat der WWF bereits 27 Tonnen Netze aus der polnischen und litauischen Ostsee geborgen – insgesamt Geisternetze in einer Länge von 135 Kilometern. Jetzt sind wir mit der "Seefuchs" vor Rügen unterwegs.

    "Schick ne Säge runter", gibt der Taucher per Sprechfunk durch. Seine Atemgeräusche sind laut zu hören. Kein Wunder, ist dieser Job doch alles andere als leicht. In 16 Meter Tiefe macht sich das Team an den verkrusteten Plastikfasern zu schaffen.

    Nach vier Tagen werden die Messer langsam stumpf, so hartnäckig ist das Material. Der Sand, der an den Netzen klebt, wirkt zusätzlich wie Schmirgelpapier.

    Ein weißer Hebesack wird am Netz befestigt, um dem Müll Auftrieb zu geben. Ein großer Haken ist dennoch nötig, um die Geisternetze hoch zu ziehen. "Weiter durchholen", dirigiert der Taucher die Männer an der Winde des Bergungsschiffs. Quietschend und Meter für Meter ziehen sie das Stahlseil über die Rolle, bis tatsächlich am Haken ein gewaltiger Klumpen Netz erscheint.

    "Die Netze bestehen aus Kunststoff, verrotten nicht, sondern dröseln sich auf und setzen kleine Mikropartikel, Weichmacher oder Flammschutzmittel frei, die in das Meer gelangen", sagt Florian Hoffmann vom WWF-Ostseebüro in Stralsund. Diese Stoffe gelangten in die Nahrungskette und letztlich auch auf die Teller.

    Zudem verfangen sich Fische oder auch Meeressäuger in den Netzen. Deshalb haben WWF, Meeresmuseum und der Verein "Archaeomare" das Pilotprojekt gestartet, um Kunststoffnetze aus der Ostsee zu bergen. Die Plastikfasern sollen recyclet werden.

    Es gibt noch viel zu tun: Allein um Rügen haben wir im vergangenen Jahr 28 Wracks identifiziert, an denen Kunststoffnetze hängen. Das Bundesamt für Seeschifffahrt (BSH) hat rund 100 mit Netzen belegte Schiffswracks in den Schifffahrtsstraßen der deutschen Ostsee markiert. WWF und Meeresmuseum gehen von weit höheren Zahlen aus: "Viele der mit Netzen behangenen Wracks liegen außerhalb der Schifffahrtswege und wurden bislang nicht dokumentiert."

     

    Nur mit der Hilfe eurer Spenden ist so ein Erfolg möglich. Willst du auch WWF Jugend mitglied werden und damit die Arbeit des WWF unterstützen? Dann melde dich hier an! Mit nur 3 Euro pro Monat kannst du bereits helfen!

    Fotos © Britta König / WWF

Kommentare

11 Kommentare
  • Carina
    Carina Das Wort Geisternetz ist irgendwie gruselig - und passend.
    Für solche Einsätze zahle ich gerne meinen Mitgliedsbeitrag. ;)
    15. September 2014
  • Marcel
    Marcel @Taki: Die Taucher sind zwischen 12 und 17 m tief vor der Küste Rügens getaucht, ca. 2-6 Seemeilen vom Ufer entfernt (Eine Seemeile entspricht 1852 m). Insgesamt hat das Team schon schätzungsweise zwei Tonnen Netze geborgen!
    15. September 2014
  • lolfs
    lolfs Stimme den Vorrednern zu: Super Einsatz! - Doch auch immer wieder entsetzlich, dass da so viel rum geistert!
    17. September 2014
  • Ria2000
    Ria2000 Coole Aktion! Wenn man bedenkt, wie viele Fische sich in solchen Netzen für nichts und wieder nichts verfangen und dort sterben..
    22. September 2014