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Die Weltwasserkrise erreicht Deutschland

  • Deutsche Unternehmen sind in hohem Maße abhängig von Waren und Dienstleistungen aus dem Ausland. Für die Herstellung unserer weltweit produzierten Konsumgüter braucht die deutsche Wirtschaft sauberes Wasser in ausreichenden Mengen. Doch Wasser ist vielerorts ein knappes Gut und Deutschland hat bei zahlreichen Waren ein besorgniserregendes „importiertes Wasserrisiko“.

    Die Weltbevölkerung wächst, immer mehr Menschen streben nach Wachstum und Wohlstand, und der Klimawandel verschärft Probleme wie die Wasserknappheit zusätzlich. Das kann so nicht gut gehen. Die Menschen in ärmeren Ländern leiden bereits unter der Wasserknappheit - sich aber wegzudrehen und zu sagen, das ist weit weg, geht nicht. Längst kommt das Problem auch bei uns an. Und das wird auch diejenigen überzeugen müssen, die bisher das Problem verdrängt haben. Als drittgrößte Importnation der Welt müssen wir uns auch in Deutschland mit dem Thema auseinandersetzen.

    Ob Nahrungsmittel, Strom, Bekleidung oder andere Industriewaren: Für alles werden unglaubliche Mengen Wasser benötigt. Ein dramatisches Beispiel ist der Aralsee: "Im Zuge der Baumwollproduktion, wurden in Usbekistan die gesamten Wasserressourcen der Zuflüsse zum Aralsee aufgebraucht – mit der Folge, dass das Wasservolumen des Sees um fast 90 Prozent geschrumpft ist", erklärt Philipp Wagnitz, Wasserexperte beim WWF.

    Durch die Übernutzung von Flüssen, Seen und Grundwasserleitern, durch die Verschmutzung mit Chemikalien oder Pestiziden und durch die Zerstörung lokaler Ökosysteme wächst der Druck auf Mensch und Natur vor Ort. Die Auswirkungen und damit entstehenden Wasserrisiken für Unternehmen sind Wasserknappheit und schlechte Wasserqualität. Im Ernstfall kann dies auch Proteste und gewaltsame Auseinandersetzungen zur Folge haben.

    Globale physische Wasserrisikokarte, basierend auf Daten zu Wasserknappheit, Verschmutzung und dem Zustand von Ökosystemen. (Stand 2014) © WWF

    90 Prozent der Unternehmen, die Deutschlands Wirtschaft stützen, sind Wasserrisiken ausgesetzt. Dazu gehören die Textil- und Bekleidungsindustrie, die Rohstoffindustrie, die Landwirtschaft und die Chemieindustrie – also beispielsweise Hersteller von Kunststoffen, Pflanzenspritzmitteln und Farbstoffen.

    In der Textil- und Bekleidungsindustrie ist die Baumwollproduktion das wasserintensivste Segment. Da Baumwolle oft in Ländern mit Wasserknappheit angebaut wird, ergeben sich zwangsläufig Probleme. "Leider wissen viele führende Bekleidungsunternehmen nicht einmal, woher ihre Ware genau stammt. Das ist aber die Grundvoraussetzung, um gemeinsam mit den Lieferanten an Lösungen zu arbeiten", kritisiert Philipp.

    Was muss passieren? Wassersparen allein genügt nicht. Denn auch für ein Unternehmen, das nur wenig Wasser benötigt, kann das Wasserrisiko hoch sein – zum Beispiel durch eine sehr unsichere Wasserversorgung am Produktionsstandort. Deutschlands Unternehmen müssen jetzt handeln, um die Wasserrisiken der Zukunft zu senken. Sie müssen ihr Wasserrisiko analysieren und gemeinsam mit anderen Wassernutzern vor Ort wirksame Lösungen entwickeln und umsetzen. Investoren und Finanzdienstleister müssen das Wasserrisiko in ihre Anlageentscheidungen einbeziehen. Regierungen müssen den Wert von Wasser in den Flussgebieten besser verstehen, nachhaltige Wassergesetzgebungen schaffen und diese umsetzen.

    Und wir? Als Verbraucher sollten wir uns über die Herkunft von Produkten informieren, mehr Transparenz einfordern und unsere Kaufentscheidungen von einer nachhaltigen Herstellung abhängig machen.

     

Kommentare

5 Kommentare
  • Ronja96
    Ronja96 Das ist wirklich erschreckend. Vor allem, dass das Wasservolumen des Aralsees so stark abgenommen hat.
    2. September 2014
  • Lisa18
    Lisa18 Vielen Dank für den sehr informativen Bericht! Da ich Veganerin bin, kaufe ich nur Kleidung, die aus Baumwolle oder Polyester besteht. Das Problem ist jetzt aber, das für Baumwolle unheimlich viel Wasser verbraucht wird! Welche Kleidung soll ich...  mehr
    2. September 2014
  • RichardParker
    RichardParker Vielen Dank für den Bericht! Das Problem mit dem Kleidungskauf habe ich auch, entweder die Umwelt leidet oder es ist aus Kinderhänden geschaffen! Aber trotzdem, ich werde in Zukunft mehr auf Siegel und Herkunftsland achten. :)
    3. September 2014
  • Ria2000
    Ria2000 Danke für deinen Bericht! Tja, irgendwie find ich es manchmal echt schwierig, im Alltag so zu leben, dass die Umwelt keinen schaden nimmt!
    25. September 2014