Berichte

12. türchen

  • Der Klimawandel ist eine Bedrohung nicht nur ökologisch gesehen, sondern auch eine Quelle für soziale Konflikte. Wie sehr ist mir in den letzten Wochen beim Lesen des Buches von Harald Welzer „Klimakriege – Wofür im 21. Jahrhundert getötet wird.“ aufgefallen und gerne möchte ich meine daraus gewonnenen Erkenntnisse mit euch teilen. Fangen wir zu beginn mit ein paar trockenen Fakten an. Welche ökologischen und sozialen Folgen ergeben sich durch die Klimakrise:

    -  Die Zahl der lokalen und regionalen Gewaltkonflikte um die Nutzung von Böden und den Zugang zu Trinkwasser wird sich erhöhen

    -  Die Transnationale Migration wird anwachsen wie die Zahl der Binnenflüchtlinge mit der Folge: Anstieg der Gewalt auf lokaler und regionaler Ebene

    -  Schrumpfen von Seen, Versiegen von Flüssen, Verschwinden von Wäldern und Naturreservaten wird grenzüberschreitende Ressourcenkonflikte hervorrufen

    -  Anpassungsmaßnahme an Klimaveränderungen in einem Lnad werden probleme in einem anderen mit sich bringen à Folge: zwischenstaatliche Konflikte

    FORMEN DER KLIMAKRIEGE

    An dieser Stelle wird vor allem darauf hinweisen, wie die sozialen Konflikte aussehen könnten und vor allem wie und warum heute Kriege geführt werden. Zusammenfassend kann man bereits festhalten, dass es sich hierbei drei Konflikte“typen“ entwickeln: Klassenkonflikte, Überzeugungskonflikte, Ressourcenkonflikte

    Bild von Till Schwalm auf Pixabay

    [Auf dem Bild sind sieben aneinandergereihte Steinstaturen zu sehen. Bei den Statuen handelt es sich um die typischen Köpfe der Osterinseln mit langen großen Gesichtern und ihren markanten Namen. Rings um die Staturen kann man eine Graslandschaft erkennen mit vereinzelten Büschen]

    Exemplarisch geht er dabei auch auf das Beispiel der Osterinseln ein, dessen Untergang historisch gesehen noch einige Zweifel aufbringt. Einst sollten die Osterinseln reichbesiedelt gewesen sein und dicht mit Palmen gewesen sein. Ca. im 14/15 Jh. Soll es dort zum verstärkten Fällen von Bäumen gekommen sein, wodurch weniger Boote gebaut werden konnte und neben dem Verlust des Waldes kam es noch zum Verlust des Zugangs zu einer Nahrungsquelle – dem Fischfang. Immerweiter soll es dies zu einer Kombination eines Genozid und Ökozid geführt haben. Komplett wissenschaftlich belegt ist dieses Beispiel jedoch nicht. Weiterführend wird Bsp. Darfur-Konflikt als 1. Klimakrieg auf. Leider ist das Buch vor dem Ausbruch des Bürgerkrieges in Syrien veröffentlich wurden, eine Einschätzung und Analyse von ihm hätte mich sehr interessiert.

    Des Weiteren geht er noch auf weitere mögliche Kriegsprobleme ein, welche durch den Einfluss des Klimawandels mit sich führen. Erschüttert fand ich die Erkenntnis, dass unsere homogene Gesellschaft wie sie in Deutschland, Österreich, Italien usw. vorzufinden ist Ergebnis einer ethnischen Homogenisierung ist und somit das Ergebnis des Holocaust. Diese Homogenisierung bezeichnet er als dunkle Seite der Demokratisierung, da durch diese Homogenität in der Bevölkerung was Glauben und Werte das Konfliktpotenzial tendenziel geringer ist. Eine solche Homogenisierung fand in Gebieten des Kosovo nicht statt auf dessen Konflikt er ebenfalls detailliert eingeht.

    Für seine weiteren Schlussfolgerungen ist es ganz gut etwas über Harald Welzers Biografie zu wissen. Bevor sich Welzer mit der Klimakrise und deren Folgen beschäftigte verfasste er die Bücher „Opa war kein Nazi“ und „Täter. Wie aus ganz normalen Menschen Massenmörder werden“. Teile seiner hier gewonnenen Erkenntnisse finden in „Klimakriege“ zu recht beachten. Es geht darum, wie wir unsere momentane Realität wahrnehmen. Und versucht somit auf wichtige Erkenntnisse in unserem Prozess mit dem Umgang mit dem Klimawandel zu bringen. Der Ausbruch des 2. Weltkrieges notierte sich Kafka beispielsweise als eher eine Nebensache und konzentriert sich in seinen Tagebucheinträgen viel mehr auf andere Probleme. Im gleichen Moment habe ich mich gefragt, wie ich die Unterzeichnung des Klimaabkommens wahrgenommen habe oder den Beschluss des „Klimapaket“(chen). Ereignisse, welche maßgeblichen Einfluss auf den Klimawandel hat bzw. noch haben wird. Ja und nicht zu vergessen die Corona Lockdowns wie sie nun stattfindet.

    WAS KÖNNEN WIR ALSO GEGEN KLIMAKRIEGE TUN?

    Harald Welzer appelliert dazu, dass wir uns als Staat überlegen, welche Werte wir vertreten und auf ein Ideal hinregieren und nicht nur auf politische Geschehnisse reagieren. Was für ein Land wollen wir sein? Wollen wir ein Land sein, welches soziale Verantwortung tragen möchte, welches den Klimawandel stoppen will oder nicht? Wenn wir uns damit identifizieren, dann müssen Gesetze für das Erreichen dieser Ziele geschaffen werden. Den auch ein machen-wie-üblich ist eine Antwort auf die Frage, welche Einstellung wir vertreten. Gerade in Hinblick auf die NS-Zeit verdeutlich, dass eine vermeidliche Stabilität und Trägheit nicht immer gegeben ist und es sehr wohl rapide zu gesellschaftlichen Veränderungsprozessen kommen kann. Welche mit einer moralischen Umorientierung, Identifikationen mit gewissen Werten und zwischenmenschlichen Handeln sich schnell ändern kann. Es kann zum einen ein sehr bedrückender Fakt sein, den man nicht unterschätzen sollte. Aber ich möchte euch eher dazu ermutern, dass positive darin zu sehen. Die Handlungsträgheit für mehr Klimaschutz kann sich demnach schnell ändern.

    Ein wenig wie es der Name schon verrät. Kriegsursachen minimieren, dazu zählen Klassenunterschiede verringern, Ressourcen gerecht verteilen und besonders die Rechtsstaatlichkeit aufrechterhalten. Ländern in denen letzteres auf der Kippe steht, neigen er zu Konfliktsitutationen. Weitere Probleme ergeben sich dann durch den Krieg. Dabei weißt Welzer besonders darauf hin. Krieg fördert Krieg, der Terror steigt, Umwelt und Natur wird zerstört und damit auch Lebensgrundlagen.

    Wenn wir Konflikte auf Grund Wetterextremereignisse oder Flüchtlingswellen auf Grund des steigender Meeresspiegel verhindern wollen, sollten wir den Klimawandel an sich bekämpfen.

    (c) A.Bürke

    WER WERDE ICH GEWESEN SEIN?

    Das Buch ist schon ein wenig älter weshalb ich die weitere Entwicklung mal vornewegnehmen kann. Um Mut zu machen möchte Welzer uns dazu appellieren das „Futur Zwei“ (https://futurzwei.org/)  bei der Entscheidungsfinden vermehrt anzuwenden. Wie wollen wir auf uns zurückblicken oder wie werden wir auf uns zurückblicken wollen?

    Mittlerweile ist er uns auch als Herausgeber des gleichnamigen Magazins der taz „futurzwei“ und hat bereits drei Bücher mit „Geschichten vom guten Umgang mit der Welt“ veröffentlicht.  

    Schreibt es doch mal in die Kommentare.

    Wie werdet ihr die Corona Zeit genutzt haben?

    Wer wollt ihr gewesen sein?

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    Ich bin in dem Artikel nur ein paar wichtige Aspekte seines Buches eingegangen. Ich kann euch das wirklich sehr empfehlen um Gesellschaftliche Dynamiken, welche in der Geschichte wahrgenommen wurden besser zu verstehen und es als Motivation für kommende Aktionen zu sehen!

Kommentare

2 Kommentare
  • JasminV7
    JasminV7 Das klingt total spannend. Vielen Dank für den tollen Artikel und die Leseempfehlung
    13. Dezember 2020 - 1 gefällt das
  • Johannisbeere1502
    Johannisbeere1502 Ich bin auch Fan von Harald Welzer und FuturZwei finde ich auch genial. Dieses Buch habe ich noch nicht gelesen, es klingt aber sehr spannend und ich möchte es gerne demnächst nachholen.
    14. Dezember 2020