Berichte

Türchen 3

  • Einen Abend nur mit Geschenken zu Verbringung und unheimlich viel zu essen, ruft bei dem ein oder anderen ein schlechtes Gewissen hervor. In vielen Teilen der Welt ist das ein sehr großer Luxus. Nicht ohne Grund kann man davon ausgehen: Weihnachtszeit ist Spendenzeit. Laut dem Institut der Deutschen Wirtschaft spenden die Deutschen zwei bis dreimal so viel wie im Vergleich zum Rest des Jahres. Ein unheimliches Potenzial für den guten Zweck und um Veränderung unabhängig von der Wahlurne oder einer Demo zu bewirken. Schlussendlich ist der WWF ebenfalls ganz allein auf Spendende und Förderprojekte abhängig. Mit dem heutigen Türchen möchte ich gerne ein bisschen tiefer in die Spenden Thematik eintauchen, die wichtigste Schlagworte für die nächsten Zeilen lauten „Altruismus“. Keine Angst, dass wird kein wissenschaftliches Paper. Schließlich sind wir ja immer noch in der WWF Jugend.

    Bevor ich erkläre was effektiver Altruismus ist, vielleicht ein kleines Gedanken Experiment. Stell dir vor du hast 10.000 Dollar für den guten Zweck zur Verfügung. Würdest du damit..

       a) einen Blinden aus Deutschland einen Blindenhund finanzieren

    oder

       b) mit Hilfe von Augen OP‘s 300 blinden Kindern in Afrika das Augenlicht schenken

    Hast du dich für Option b entschieden? Tja, dann hast du nach dem Prinzip des effektiven Alturismus gehandelt und dich rational für den besseren Impakt entschieden. Nach der Meinung viele effektiver Altruisten geschieht genau das viel zu selten im sozialen Bereich. 

    Altruismus selbst steht nach Duden [2] für selbstlose Denk- und Handlungsweise; Uneigennützigkeit und damit das Gegenteil zu Egoismus, genau genommen wurde es aus dem Lateinischen von alter = der andere abgeleitet.

    Effektiver Altruismus stellt sich also die Frage "Wie kann ich am MEISTEN Gutes tun?" und hinterfragt - wie der Name es bereits verrät - die Effektivität von Spenden. Die fünf zentralen Punkte sind…

    1. Geld: effektives Spenden
    2. Zeit: Ethnische Berufswahl
    3. Meta: Wachstum der Effektiven Altruismus Bewegung
    4. Globale Probleme: Wo kann ich am meisten bewirken?

    1. Geld: effektives Spenden

    Bei Geldspenden kommt häufig die Angst auf, dass zu wenig Geld in den eigentlichen Projekten bzw. vor Ort ankommt. Wenig Geld für Administrationskosten heißen nicht zwingend effektive Organisation, sondern eigentlich das Gegenteil. Von effektiver Planung und einem überlegten Einsatz von Ressourcen kann auf diese Weise ausgegangen werden. Die Spendeneffektivität wird gemessen an vermiedenem Leid oder Krankheiten. Weniger an gefühlten Fakten wie ein Bekannter war von dieser Krankheit befallen. Bleiben wir kurz im medizinischen Bereich. Bespielsweise ist die Unterstützung in Ländern der Dritten Welt hier deutlich einfacher. Ein bekanntes Beispiel hierfür die die Organisation “Deworm the World“( https://www.evidenceaction.org/dewormtheworld-2/). Durch Verteilung von Wurmkuren kann das Kind nicht nur gesund werden, sondern regelmäßige Schulbesuche und damit später Aufbau der lokalen Wirtschaft kann gesichert werden.

    Wir in der WWF Jugend befassen uns ja vor allem mit ethischerem und nachhaltigem Konsum oder Zeit in politische Aktionen zu „investieren“. Warum können wir mehr mit dem unseren Spenden bewirken? Konsum ist an sich nicht unwichtig, aber es gibt wichtigeres. Wie könntest du sonst z.Bsp. die Verteilung von Wurmkuren unterstützen. Außerdem ist es wichtiger weitere Leute zu einem umweltfreundlicherem Leben zu überzeugen als selber von 90% Biolebensmittel auf 100% zu kommen. Diese Weiteren Personen könnten z.Bsp. durch explizite Stellen erreicht werden.

    Apropo Stellen. Kommen wir zum nächsten Frage: „Lieber für einen guten Abschluss pauken um einen guten Job und damit ein möglichst hohes Geld also Spendenanteil anstelle sich direkt für die gute Sache einzusetzen?“

    Mh, da fällt mir nur direkt die einprägende Parole des Aktionsbündnis Ende Gelände ein. Der Klimawandel wartet nicht auf deinen Bachlor.

    (c) Hambacherforst.org

    Andererseits finde ich es schon einen guten Punkt sehr genau sich zu überlegen, welche Richtung man beruflich Einschlagen möchte und in dem man dazu beitragen kann wichtige oder kommende Probleme unserer Zeit zu lösen.

    Genau den Ansatz verfolgt die Gruppe „80 000 hours“. Der Organisationsname ergibt sich aus dem typischen Mengen an Stunden, die ein jeder Mensch in seinem Leben mit Arbeitszeit verbringt. Einen Job zu wählen der dazu beitragen kann das Leid in der Welt zu verhindern, ist deren Hauptziel.

    Ein anderen Ansatz effektiven Altruismus verfolgt „Earning to Give“. Einen möglichst gut bezahlten Job anzustreben um damit „viel“ effektiven Altruismus zu bewirken. Denn alleine schon durch eine Spende von 10% seines Einkommes gehört der Großteil der westlichen Bevölkerung zu den reichsten und privilefiertesten Menschen auf der Welt. Viele von uns würden gerne einen Beruf im Umwelt- oder Naturschutz erhalten, sollte man allerdings die Möglichkeit auf einen guten Gehalt haben. Dann sollte man stets das gute Gehalt vorgezogen werden, um damit viele potenzielle Stellen für andere Aktivisten zu finanzieren.

    Die Theorie dahinter ist folgende: Eine Stelle in einem NGO ist in der Regel ersetzbar durch andere Person mit ähnlichen Qualifikationen. Eine Stelle mit gutem Verdienst mit einer Person zu besetzten, die ebenfalls bereit dazu ist einen gewissen Prozentsatz seines Einkommens zu spenden, ist dagegen schwerer. Natürlich sollte man dabei nicht außeracht lassen, dass die Arbeit, welche man in der gutbezahlten Arbeit verrichtet nicht explizit dem Ziel „Verminderung von Leid“ entgegenwirkt. Mögliche Arbeitsfelder in der Direktarbeit des effektiven Altruismus können nicht nur Effektive Weltverbesserungsmaßnahmen sein, sondern auch Politische Arbeit, um effektiven Altruismus bekannter zu machen und für eine breitere Anwendung zu finden.

    Zum dritten Punkt möchte ich mich eher kürzer fassen, weil die Botschaft einfach ist. „Spende und Rede darüber!“ Denn nur wer offen seinen Lebensstil bekannt gibt, kann dafür sorgen diesen auch zu verbreiten und andere Leute zu einer anderen Lebensweise zu inspirieren. Denn „Menschen zu finden, die sich gerne Vollzeit für die Sache engagieren würden, ist nie ein Problem. Die Finanzierung solcher Stellen hingegen fast immer.“ Je mehr Leute also Spenden umso eher ist die Finanzierung dieser Stellen gesichert.

    4. Globale Probleme: Wo kann ich am meisten bewirken? Hauptsächtlich spenden Altruisten*innen Unter dem Augenmerk: Wie vielen kann geholfen werden?, Wie einfach sind messbare Erfolge zu erkennen und wie viel wird bereits an diesem Problem geforscht. Viel wird vor allem im Bereich Weltarmut, Tierleid, Zukunft und Zukunftstechnologien investiert. Mehr Infos zu dem Thema findest du hier https://effektiveraltruismus.de/blog/globale-probleme-wo-kann-ich-am-meisten-bewirken/

    Ein weitere Spendenmöglichkeit betrifft uns selbst. Durch unsere Förderung, der politischen Bildung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen, kann effektiv mehr erreicht werden, da jungen Menschen offenerer gegenüber alternativen Lebensformen und aktiven Veränderungen sind. Die Zeitspanne hinweg über den wir bestimmte Sachen nicht konsumieren und damit in denen gewisse Güter nicht produziert werden, ist somit viel länger.

    Klar, ist es Fragwürdig auf immer nur auf Effektivität zu achten. Es kommen bei mir auch Fragen auf wie:

    Welche Werte stecken hinter den Kriterien, mit denen wir Wirkung zu messen versuchen?

    Wie können wir die Wirkung bestmöglich validieren?

    Was denkt ihr zu dem Thema? Habt ihr schonmal einen Teil eurer Geldgeschenke, die ihr zu Weihnachten oder zum Geburtstag erhalten habt, gespendet? Ich bin gespannt auf eure Kommentare.

    Abschließend noch mein dritter Neujahresvorsatz: Such dir einen Beruf mit dem du möglichste Effektiv eine positive Veränderung in der Welt bewirken kannst, sei es durch Spenden oder durch Direkte Arbeit.

    Zusammenfassend hier noch ein TedXTalk, weiter Infos findet auf den Seiten, welche ich für die Recherche meines Artikels genutzt habe.

     

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    Quellen:

    https://www.iwkoeln.de/studien/iw-kurzberichte/beitrag/mara-grunewald-anja-katrin-orth-geben-ist-seliger-denn-nehmen.html

    https://www.duden.de/rechtschreibung/Altruismus

    https://effektiveraltruismus.de/lesetipps-videos/

    https://sentience-politics.org/de/effektives-spenden/

    https://effektiveraltruismus.de/blog/globale-probleme-wo-kann-ich-am-meisten-bewirken/

    https://80000hours.org/key-ideas/#career-capital-deciding-how-much-to-prioritise-investing-in-yourself-relative-to-having-an-impact-right-away

    https://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/effektiver-altruismus-was-steckt-hinter-der-philosophie-a-1143066.html

    https://www.duden.de/rechtschreibung/Philanthropie

    Leseempfehlungen:

    https://effektiveraltruismus.de/lesetipps-videos/

Kommentare

4 Kommentare
  • Marcel
    Marcel Vielen Dank für diesen spannenden Artikel, Antonia! Da kommt man echt ins Nachdenken... Ich frage mich, ob es möglich ist, immer effektiv zu urteilen. Man sollte es sicherlich versuchen. Aber bei mir persönlich spielen auch Werte und das Bauchgefühl...  mehr
    Di. um 09:25 - 1 gefällt das
  • Luise
    Luise Super spannend genau zu dieser Jahreszeit! Mir fällt auf, dass immer Menschen (viele meiner Freunde beispielsweise) sich Spenden für ein Wunschprojekt zu ihrem Geburtstag wünschen. Dabei habe ich das Gefühl, dass diese Aufrufe auch andere...  mehr
    Di. um 09:30 - 1 gefällt das
  • GreenLulu
    GreenLulu Vielen lieben Dank für diesen tollen Artikel! Ich beschäftige mich schon seit ein paar Jahren mit dem Effektiven Altruismus. Zu gucken, wie wir mit den begrenzten Ressourcen Zeit und Geld so viel Gutes wie möglich tun können, finde ich total gut,...  mehr
    Mi. um 19:02
  • SteffiFr
    SteffiFr Das ist wirklich ein spannendes Thema. Bisher habe ich mich noch nicht damit beschöftigt, finde die Gedanken aber wirklich wichtig, und muss nochmal darüber nachdenken. WIe kann ich mit dem was mir zur Verfügung steht, möglichst viele...  mehr
    Do. um 20:42