Berichte

19. Türchen

  • In den letzten zehn Monaten wurde das gesellschaftliche Leben extrem herunter gefahren. Alle waren dazu angehalten, die sozialen Kontakte möglichst einzuschränken und auch in den nächsten Monaten wird ein Treffen in größeren Gruppen wohl nicht möglich sein. Für viele Menschen ist diese Einschränkung des sozialen Lebens eine große Belastung. Zwar gibt es inzwischen viele Möglichkeiten online zusammenzukommen und z.B. einen Spieleabend zu organisieren oder einfach ein bisschen zu quatschen, aber reale Kontakte kann diese Form der „Fernnetzung“ nicht ersetzen. Deshalb bin ich unglaublich froh darüber, in einer WG zu wohnen. Denn so habe ich in meinem Alltag zumindest zwei Personen, die ich regelmäßig sehe, mit denen ich mich über alltägliche Dinge unterhalten oder philosophieren kann. Die aktuelle Situation macht mir noch deutlicher bewusst, warum ich nicht allein, sondern in Gemeinschaft leben möchte. Die meisten WGs sehen wohl in etwa aus wie meine: Drei Personen, die gemeinsam wohnen, ab und zu zusammen kochen, mal einen WG Abend machen und die alltäglichen Sorgen und Freuden miteinander teilen. 

    [Auf dem Bild ist ein gedeckter Tisch mit mehreren gefüllten Tellern, Gläsern und Flaschen zu sehen. Im Hintergrund sind einige Menschen zu erkennen, die um den Tisch herum sitzen. Eine Person, die am linken Ende des Tisches sitzt, greift nach einer Schale.] Bild von vivienviv0 auf Pixabay 

    Es gibt aber Menschen, für die Wohngemeinschaft mehr bedeutet als das. Beim funktionalen Wohnen ist das Zusammenleben deutlich enger und familiärer als in typischen WGs, denn hier werden nicht nur die Gemeinschaftsräume wie Küche, Bad und ggf. Wohnzimmer geteilt. Stattdessen wird allen Räumen eine bestimmte Funktion zugeordnet – z.B. Schlafzimmer, Arbeitszimmer, Musikzimmer/ Hobbyraum usw. - und sie werden gemeinschaftlich genutzt. Die Mitbewohner:innen arbeiten, essen und schlafen also gemeinsam, das Teilen steht bei dieser Wohnform im Vordergrund. Deshalb werden häufig auch die Lebensmittel, teilweise Kleidung und andere Gebrauchsgegenstände und manchmal auch Geld unter den Mitbewohner:innen gemeinschaftlich genutzt. Die Privatsphäre ist bei einem solchen Wohnmodell natürlich etwas eingeschränkt. Damit sich trotzdem jede:r mal zurückziehen kann, gibt es meistens ein extra dafür vorgesehenes „Ruhe-Zimmer“. Durch dieses enge Form des Zusammenlebens, entwickelt sich eine enge, familiäre Gemeinschaft. Gleichzeitig ist natürlich viel Kommunikation und Kompromissbereitschaft nötig, damit aufkommende Konflikte gelöst werden können.
    In meinem Freundeskreis gibt es eine solche Funktionale WG, in der zwischen neun und elf Menschen wohnen. Darunter einige Studierende, Arbeitstätige und auch Eltern mit kleinem Kind. Auch wenn natürlich nicht immer alle Mitbewohner:innen da sind, kocht und isst die WG normalerweise gemeinsam. Bekannt ist diese WG im Freundeskreis besonders für die geselligen Abende mit seeehr viel gerettetem Essen, zu denen normalerweise regelmäßig eingeladen wird. Häufig weiß ich bei den vielen Leuten dann gar nicht genau, wer denn nun eigentlich dort wohnt und wer zu Besuch ist. An diesen Abenden wird immer viel erzählt, gelacht, manchmal gespielt und natürlich viel gegessen. Für mich sind diese Abende immer sehr schön und ich genieße es, so viel Leben und Trubel um mich herum zu haben.

    Gemeinschaft ist für mich auch im Alltag unglaublich wichtig, das hat mir Corona noch einmal deutlich vor Augen geführt. Es gibt mir eine große Sicherheit zu wissen, dass ich nicht alleine bin und dass es Menschen gibt, die auch im Alltag für mich da sind. Deshalb kann ich mir gut vorstellen, selbst einmal in einer solchen oder einer ähnlichen Wohngemeinschaft zu leben. 

    Inwiefern spielt Gemeinschaft in eurem Wohnalltag eine Rolle? Und könntet ihr euch vorstellen in einer funktionalen Wohngemeinschaft zu leben? Ich bin gespannt, eure Kommentare zu lesen!

Kommentare

6 Kommentare
  • lenalotta
    lenalotta Ich habe in diesem Jahr vor allem gemerkt, wie wichtig eine gute Nachbarschaft ist. Ich kenne viele meiner Nachbarn gar nicht (jetzt ist das zwar immer noch so, aber inzwischen interessiere ich mich halt wenigstens für die Menschen aus meinem Haus). Das...  mehr
    21. Dezember 2020 - 2 gefällt das
  • Jojahanna
    Jojahanna Mir ist Gemeinschaft im Alltag sehr wichtig. Es war zwar schön, mal eine Zeit lang alleine zu wohnen und alles selbst zu bestimmen. Auf Dauer brauche ich aber Menschen, mit denen ich jederzeit reden kann. Reine Zweck-WGs finde ich aber nicht so gut und...  mehr
    21. Dezember 2020 - 2 gefällt das
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    Cookie Danke für die spannenden Einblicke in eine Art, zu wohnen, die ich bisher noch nicht kannte, liebe Maren! Nach schlechten Erfahrungen in einer WG und in Wohnheimen lebe ich seit ca. 5 Jahren zusammen mit meinem Freund und bin mit dieser Art zu wohnen...  mehr
    21. Dezember 2020
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    Cookie ...mir die Wohnsituation, in der ich aufgewachsen bin, aber sehr gut gefallen: auf einem Bauernhof mit meinen Eltern, meiner Schwester, meinen Großeltern und (zumindest zeitweise) meiner Tante und meiner Uroma. Jede Familie hatte ihre eigene Wohnung auf...  mehr
    21. Dezember 2020