Berichte

55 km, 235 kg Müll - Clean Up Walk 2019

  • 7 Tage, 14 junge Menschen, 55 km über Felder und durch kleine Orte, Sonnenschein, Musik und jede Menge Müll – Das war der Clean Up Walk 2019.

    Los ging es am Freitag in Bensheim, wo wir im Familienzentrum übernachten durften. Die ersten Müllsammler*innen bereiteten am Abend alles für die kommenden Tage vor: Es wurden Lebensmittel von foodsharing Hessische Bergstraße abgeholt, ein Einkaufswagen vom lokalen Edeka Jakobi ausgeliehen und vor allem mussten die Bollerwagen zusammengebaut werden, die während des Müllsammelns unser Gepäck tragen sollten. Durch die mangelhafte Anleitung war das gar nicht so leicht, aber letztendlich waren die beiden Wagen bereit für den weiten Weg.

    Dieser führte uns am nächsten Morgen über Feldwege Richtung Heppenheim. Bevor es richtig los ging trafen wir noch eine Journalistin, die uns für einen Zeitungsartikel interviewte. Bei über 30 Grad liefen wir dann los und sammelten fleißig den Müll am Wegesrand. Dabei fanden wir auch einige Kuriositäten, wie zum Beispiel das Johannis Evangelium und einen ganzen Haufen voll Golfbälle. Diese warfen wir allerdings nicht in unsere Müllsäcke, sondern gaben sie beim benachbarten Golfplatz ab.
    Durch die Hitze ziemlich geschafft, erreichten wir unser vorläufiges Ziel: Bei Annes Tante wurden wir mit gekühlter Bionade und leckerer Gemüsesuppe, sowie Kochkäse empfangen. Nach dieser Stärkung schafften wir auch noch das letzte Stück zu unserer Unterkunft, dem Haus am Maiberg.

    Mit Verstärkung durch zwei weitere Müllsammlerinnen wanderten wir am Sonntag nach Hemsbach, wo wir im Jugendhaus der evangelischen Freikirche schlafen durften. Bei niedrigeren Temperaturen und einem kürzeren Weg als am Vortag, kamen wir gut voran. Als wir durch den kleinen Ort Laudenbach kamen, waren wir zunächst etwas irritiert. Überall lagen klebrige Bonbons und Plastikbecher auf den Straßen. Den Grund dafür fanden wir jedoch schnell heraus: Am vorherigen Tag hatte dort anlässlich der Froschkerwe ein Straßenumzug stattgefunden und anscheinend war noch niemand zum Aufräumen gekommen. Also machten wir uns an die Arbeit und sammelten die platt getretenen Süßigkeiten auf. Zum Verzehr waren sie leider nicht mehr geeignet.
    Den Abend konnten wir in unserer gut ausgestatteten Unterkunft mit Musizieren und Riesen-Schach-Spielen ausklingen lassen.

    Am Montag traf weitere Verstärkung ein. Mit inzwischen zehn Personen machten wir uns auf den Weg nach Lützelsachsen. Unsere Motivation zum Müllsammeln wurde an diesem Tag mehrfach gesteigert. In Weinheim wurden wir erneut von foodsharing (Bezirk Viernheim Weinheim) unterstützt und durften uns Teile einer Abholung mitnehmen. Die wartende Gruppe staunte nicht schlecht, als wir zu zweit mit mehreren Taschen voller Obst, Gemüse, Brot und Joghurts zurückkamen. Schnell wurden die Bollerwagen umgepackt, damit genug Platz für das Essen war. Das zweite Highlight des Tages war der Empfang in unserer Unterkunft, der Winzerhalle. Dort wurden wir von der Ortsvorsteherin, dem ehemaligen Ortsvorsteher, dem Pressesprecher plus Presse und einigen ehemaligen Winzerköniginnen willkommen geheißen. Mit so vielen Leuten hatten wir nicht gerechnet! Mit selbstgebackenem Kuchen und dem regionalen Wein konnten wir uns ein wenig stärken und unterhielten uns noch eine ganze Weile mit verschiedenen Journalist*innen und unseren Gastgebern. An dieser Stelle nochmal ein großes Dankeschön für diesen wunderbaren Empfang und die Wertschätzung unseres Engagements!

     

    Nach diesem guten Tag konnten wir am nächsten Morgen voll motiviert in die nächste Etappe starten. Leider mit leeren Trinkflaschen und vollen Blasen, denn die Bauarbeiter nebenan hatten leider ein Rohr durchgeschnitten und mussten deshalb das Wasser abstellen. Aber davon ließen wir uns nicht die Stimmung verderben und sammelten fleißig Müll. Die Mittagspause, bei der wir schon die Hälfte der Strecke zurückgelegt hatten, verbrachten wir im Schatten einiger Obstbäume. Diese Stärkung konnten wir später noch gut gebrauchen, denn wir fanden eine ganze Müllkippe am Abhang neben einer Autobahnbrücke. Dort sammelten wir so viel Müll ein, dass wir letztendlich alle Rucksäcke tragen mussten, um den ganzen Abfall mit Bollerwagen und Einkaufswagen transportieren zu können. Angekommen bei unserer Unterkunft, der evangelischen Kirchengemeinde Ladenburg angekommen, konnten wir es kaum erwarten den gesammelten Müll zu wiegen. Fast 98 kg brachten die Müllsäcke auf die Waage! Also mehr, als wir bisher insgesamt gesammelt hatten. Einerseits froh darüber, die Natur von so viel Müll befreit zu haben und andererseits auch traurig darüber, dass Menschen ihren Abfall einfach am Straßenrand entsorgen, krochen wir an diesem Abend in unsere Schlafsäcke.

    Noch ein letztes Mal hieß es am Mittwoch Bollerwagen bepacken, Handschuhe anziehen und loslaufen in Richtung unseres Endziels Heidelberg. Die Etappe war die längste unserer Wanderung, aber sie führte uns am Neckar entlang durch ein Naturschutzgebiet, sodass wir zunächst nicht besonders viel Müll fanden. Erst an einer Autobahnbrücke ging es richtig los mit dem sammeln. Dort waren wir mehr als eine halbe Stunde beschäftigt, unsere Müllsäcke zu füllen. Spraydosen, Plastikverpackungen, Stofffetzen, Kippen, Glasflaschen und vieles mehr holten wir aus den Büschen und hinterließen diesen Ort ein ganzes Stück sauberer. Die Zigarettenkippen sammelten wir die ganze Woche lang in einem extra Gefäß, um sie anschließend Tobacycle zu übergeben. Dort werden sie dann recycled.
    Zwei Drittel des Weges lag allerdings noch vor uns und so liefen wir den Rest der Strecke ohne längere Zwischenstopps bis zum Transition Haus. Dort warteten die täglichen Aufgaben auf uns: Müll wiegen, kochen, Update schreiben und zusätzlich mussten die Bollerwagen wieder auseinander gebaut werden. Das gestaltete sich zum Glück einfacher, als das Aufbauen und so konnten wir noch einen Ausflug in die Heidelberger Altstadt machen und den Ausblick auf die Stadt bei Nacht genießen.

    Am Tag der Abreise besuchten wir noch Annas Unverpacktes, wo wir etwas über die Hintergründe und Abläufe eines Unverpacktladens erfuhren. So konnten wir den Clean Up Walk auch inhaltlich gut abschließen und durften uns für die Heimfahrt sogar ein paar Snacks in unsere Brotdosen packen.
    Dann war der Zeit des Abschieds gekommen. Einige mussten ihre Züge erreichen, andere besuchten noch die FoodCoop „Appel un Ei“, wo es ein leckeres Frühstück und weitere Ideen für Unverpacktes Einkaufen gab.

    Auch dieses Jahr war der Clean Up Walk ein riesiger Erfolg! Insgesamt haben wir 235 kg Müll gesammelt und die Spendensumme auf unserer Actionpanda-Seite steigt. Danke an alle, die das möglich gemacht haben! In Zeitung und Radio wurde mehrfach über uns berichtet und auch die Menschen, die wir unterwegs trafen waren begeistert von unserer Aktion. Manche spendeten sogar direkt Geld oder schenkten uns Proviant für die Reise. Diese Freundlichkeit bestärkte uns immer wieder auf unserer Wanderung. 

    Wir hoffen mit dieser Aktion die Menschen auf die Müllproblematik aufmerksam machen zu können. Denn diese 235 kg müssten nicht sein. Wie schön wäre es, wenn wir gar keinen Müll in der Natur fänden! Dafür können wir alle etwas tun: Einerseits natürlich Abfall richtig entsorgen und andererseits auch darauf achten, möglichst wenig davon zu produzieren. Wir alle sind Teil des Problems, aber auch Teil der Lösung!

     

    Hier geht es zu unserer Spendenseite mit Updates der einzelnen Tage.

    Berichte in der Presse über den Clean Up Walk:

    https://www.weinheim.de/Startseite/Stadtthemen/saubere+wanderung+an+der+bergstrasse.html

    https://www.morgenweb.de/bergstraesser-anzeiger_artikel,-bergstrasse-putz-spaziergang-fuer-saubere-wege-an-der-bergstrasse-_arid,1511289.html

    https://www.morgenweb.de/bergstraesser-anzeiger_artikel,-bananeweb-bergstrasse-und-ostsee-gleichzeitig-saeubern-_arid,1510776.html

    https://www.wnoz.de/Lokales/Weinheim/Auf-dem-Weg-zu-einer-besseren-Welt-077dbff3-83fe-4373-baf9-babc03e3fbcc-ds

     

    Fotos: Lena Liebetrau, Sina Bohm, Annalena Völkel

Kommentare

4 Kommentare