Berichte

Schluss mit der Verschwendung

  • Essen gehört auf den Teller, nicht in die Tonne. Foto von LC-click auf Pixabay

    Im letzten Bericht, habt ihr einen Eindruck vom Ausmaß der Lebensmittelverschwendung bekommen. 18 Millionen Tonnen Essen landen jedes Jahr allein in Deutschland im Müll, davon könnten 11 Tonnen vermieden werden. Deutschland hat sich mit den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen (SDGs) dazu verpflichtet, bis 2030 die Lebensmittelabfälle im Einzelhandel und in Privathaushalten um 50 % zu reduzieren. Im November 2018 veröffentlichte die Bundesregierung ein Eckpunktepapier, in dem die Strategie zur Reduzierung der Lebensmittelverschwendung erläutert wird.

    Ein großes Problem bei der Erfassung der Lebensmittelverschwendung, besteht in der unzureichenden Datenlage. Es gibt bisher keine Dokumentationspflicht für Lebensmittelabfälle, sodass die entsprechenden Zahlen teilweise recht stark variieren. Um das Ziel der Halbierung der Verschwendung zu erreichen, muss also zunächst eine entsprechende Datengrundlage geschaffen werden, die einen aussagekräftigen Vergleich ermöglicht.
    Die Bundesregierung setzt in diesem Punkt und bei entsprechenden Maßnahmen gegen die Verschwendung allerdings auf die Freiwilligkeit der Unternehmen. So sollen „an sektorbezogenen Runden Tischen [...] freiwillige Selbstverpflichtungen gemeinsam mit Lebensmittelunternehmen getroffen und konkrete Maßnahmen gegen Lebensmittelverschwendung festgelegt“ (BMEL 2018: 8) werden. Ob die Reduzierung von Abfällen auf diese Art und Weise schnell genug erfolgen kann, ist fraglich. In einem gemeinsamen Aktionspapier fordern foodsharing und Deutsche Umwelthilfe daher verbindliche Zielvorgaben für Unternehmen, deren Einhaltung über Sanktionen gewährleistet werden soll. Auch ein „Wegwerf-Stopp“ für Supermärkte wäre möglich. In Frankreich ist es größeren Supermärkten beispielsweise verboten, Lebensmittel wegzuwerfen. Sie müssen entweder gespendet, als Tiernahrung verwendet oder kompostiert werden. Auch in Deutschland könnten Unternehmen dazu verpflichtet werden, überschüssige Produkte zu spenden oder reduziert anzubieten. Das Spenden von nicht mehr verkaufsfähigen Nahrungsmitteln ist für die Betriebe allerdings nicht besonders attraktiv. Denn obwohl sie mit den gespendeten Produkten keinen Gewinn mehr erwirtschaften, sind sie nicht von der Umsatzsteuer befreit. Dadurch bleiben sie auf einem Großteil der Kosten sitzen. Anders ist das bei abgeschriebenen Lebensmitteln, die im Müll landen. Das Wegwerfen ist für Supermärkte also kostengünstiger, als die Weitergabe an Dritte. Eine Ausnahme bildet hier die Spende an Tafeln, diese sind von der Umsatzsteuer befreit. Da aber auch die Tafeln teilweise zu viele Lebensmittel haben und beispielsweise abgelaufene Produkte nicht annehmen können, ist eine Kooperation nicht für alle Unternehmen möglich. Hier sollte also unbedingt eine Gesetzesänderung erfolgen, die es Betrieben ermöglicht, Spenden an andere Organisationen – wie beispielsweise foodsharing – von der Steuer abzusetzen.

    Nur Spenden an die Tafel sind für Betriebe von der Steuer absetzbar


    Da etwa 40% des Lebensmittelmülls in Privathaushalten anfällt, ist auch die Aufklärung der Verbraucher*innen ein wichtiger Aspekt für die Reduzierung des Abfalls. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft hat deshalb die Initiative „Zu gut für die Tonne!“ ins Leben gerufen. Auf der Seite www.zugutfuerdietonne.de werden Informationen über Lebensmittelverschwendung und praktische Tipps zu deren Vermeidung, etwa durch Resterezepte und Hinweise zur richtigen Lagerung zur Verfügung gestellt. Außerdem werden jedes Jahr Projekte ausgezeichnet, die zur Reduzierung des Lebensmittelmülls beitragen.
    Ein großer Teil des Abfalls entsteht durch ein abgelaufenes Mindesthaltbarkeitsdatum (Mhd). Leider scheinen viele Leute die Bedeutung dieser Angabe nicht zu verstehen, denn jährlich werden 131.000 Tonnen Lebensmittel wegen Überschreitung des Mhds weggeworfen. Auch hier ist also Aufklärung nötig. So könnten in Supermärkten und auf den Verpackungen entsprechende Hinweise angebracht werden. Gerade Schulen bieten natürlich eine gute Möglichkeit, für das Thema der Lebensmittelverschwendung zu sensibilisieren und einen bewussten Umgang mit Nahrungsmitteln zu schaffen. Eine Aufnahme des Themas in den Lehrplan ist daher sehr wichtig.

    Zu den Verbraucher*innen gehören wir alle. Also müssen auch wir unser Verhalten reflektieren und gegebenenfalls ändern.
    Was kannst Du konkret gegen die Verschwendung machen?

    Passe deine Einkaufs- und Kochgewohnheiten an:
    Überlege dir vor dem Einkauf genau, was und wie viel du brauchst. Koche nur so viel, wie du auch essen kannst und bewahre Reste im Kühlschrank auf oder friere sie ein. 

    Kühlschrankmanagement:
    Ordnung im Kühlschrank hilft dir, nichts verkommen zu lassen. Geöffnete Produkte am besten in Sichtweite lagern, damit sie nicht in der hinteren Ecke vor sich hin schimmeln.

    Richtige Lagerung:
    Milchprodukte und zubereitetes Essen kommen in die oberen Fächer des Kühlschranks. Leicht verderbliche Produkte, wie Fleisch ins unterste Fach, dort ist es am kältesten. Im Gemüsefach kann jegliches Gemüse gelagert werden. Ausnahme sind Tomaten, Aubergine, Kürbis und Kartoffeln, da diese kälteempfindlicher sind. Tomaten und Äpfel sollten nicht mit anderem Obst und Gemüse gelagert werden, da es sonst schneller altert.

    Äpfel mögen es kühl und sollten lieber unter sich bleiben. Bild von marijana 1 auf Pixabay

    Reste verwerten:
    Aus trockenem Brot lässt sich Paniermehl machen, matschige Äpfel werden zu einem leckeren Apfelmus und braune Bananen sind perfekt für ein traumhaftes Bananenbrot. Werde kreativ und denke dir neue Resterezepte aus.

    Lebensmittel teilen statt wegwerfen:
    Über die Plattform foodsharing.de können Lebensmittel privat verschenkt werden. Wenn du richtig aktiv werden möchtest, kannst du auch zum Foodsaver werden und Lebensmittel bei Bäckereien und Supermärkten abholen, die sonst in der Tonne landen würden.

    Mach mit beim Verschwendungsfasten:
    Achte während der Fastenzeit bewusst darauf, keine Lebensmittel wegzuwerfen. Jede Woche bekommst du per Mail eine neue Challenge und entsprechende Hintergrundinformationen dazu von foodsharing und der Deutschen Umwelthilfe.

    Unterzeichne diese Petition an Julia Klöckner (Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft), damit auch sie sich in der Fastenzeit ausführlich mit dem Thema beschäftigt und dadurch wirksame Maßnahmen gegen die Verschwendung ergreifen kann.

    Lasst uns gemeinsam die Verschwendung stoppen!

     

    Quellen: 
    BMEL 2018: Strategie zur Reduzierung der Lebensmittelverschwendung. Eckpunktepapier
    Lebensmittelverschwendung stoppen

     

Kommentare

2 Kommentare
  • lenalotta
    lenalotta Das Verschwendungsfasten werde ich auf jeden Fall mal ausprobieren, danke für die Anregung! Lea hat vor einiger Zeit auch mal einen Bericht zum Mindeshaltbarkeitsdatum geschrieben, den findet ihr hier:...  mehr
    4. März - 1 gefällt das
  • SteffiFr
    SteffiFr letztes Jahr habe ich an einer "Tour de Müll" teilgenommen. Die Exkursion ging zu verschiedenen Müll-Stationen. An der Umladestation werden auch viele Lebensmittelabfälle von Supermärkten etc. gesammelt. Es gibt dort extra eine Maschine, die die...  mehr
    6. März