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WATER! Ein Ausstellungs-Tipp

  • Hallo liebe Community!


    Ich würde euch heute gerne eine Ausstellung empfehlen, die mich sehr fasziniert – aber auch schockiert – hat. Es geht um Fotos des kanadischen Fotokünstlers Edward Burtynsky, der sich mit dem Thema Wasser beschäftigt hat: Darum heißt seine Ausstellung auch „WATER!“.
    Das ganze Projekt ist um eine zentrale Frage ausgerichtet: „How does water shape us? And how do we shape water?“ (“Wie formt uns das Wasser? Und wie formen wir das Wasser?”)


    Dass Wasser das verbindende Element ist, wird einem schon beim ersten Blick deutlich. Im ersten Raum hängen Bilder vom Xiolangdi-Damm am Gelben Fluss in China. Eines der Bilder sieht fast aus, als stellte es nur einen riesigen, gelben Staubwirbel dar, doch wenn man näher kommt, erkennt man mitten in der schäumenden Gischt ein filigranes Brückengeländer. Auf einem anderen Bild sieht man, mit welcher Gewalt das Wasser aus den Öffnungen im Damm schießt, wenn Wasser abgelassen wird.


    Auf der anderen Seite des Raums hängen Fotografien aus Arizona. Sie sehen zuerst aus wie eine Fotomontage: Das Bild ist zweigeteilt – auf der linken Seite erkennt man eine Wüste, nichts als eine flache, leere Öde voll gelblichem Sand und Bäumen, die in seltsamen Mustern wachsen, die an Flussarme erinnern. Auf der rechten Seite, von der Wüste durch eine staubige Piste getrennt, erkennt man ordentliche Siedlungen, lauter Einfamilienhäuser mit Bäumen und Schwimmbecken im Garten, ein ganz normaler Vorort. Alles ist grün, mit roten und sandfarbenen Tupfern durch die Häuser, durchzogen von schwarzen Asphaltbändern. Es sind zwei Welten, wie sie gegensätzlicher nicht aussehen könnten, doch Burtynsky hat nichts hinzugefügt, nur dokumentiert. Zwar sieht man in diesem Bild kaum Wasserflächen (von den Pools mal abgesehen), aber trotzdem erkennt man sofort, warum Burtynsky dieses Motiv gewählt hat: Ohne Wasser wäre es niemals möglich, mitten in einer Wüste ein Wohngebiet anzulegen.


    Burtynsky beschäftigt sich in seinen Arbeiten nämlich mit dem Eingriff des Menschen in natürliche, vom Wasser geschaffene Landschaften oder damit, wie der Mensch vom Wasser abhängige Landschaften erschafft. Burtynsky hat sich für diese Aufnahmen in die Luft begeben. Aus der Vogelperspektive, von einem Kran, Helikopter oder Flugzeug aus, hat er in jahrelanger Arbeit in zehn Ländern einfach nur dokumentiert, wie er die Natur sieht.
    Die Bilder an sich werden in der Ausstellung nicht kommentiert. Man muss sich häufig selbst erschließen, was sie darstellen und es wird auch nicht immer klar, ob sie tatsächlich eine Problematik zeigen. So zum Beispiel bei einem Bild aus seiner Heimat Kanada: Er zeigt eine Bucht am Waldessaum, bedeckt von Wasserpflanzen. Der Himmel spiegelt sich auf der Wasseroberfläche, rund herum ist der Wald grün und unberührt. Ist dort wirklich alles so friedlich, wie es scheint? Man steht vor dem großformatigen, gestochen scharfen Bild und sucht nach Details, die irgendeinen Hinweis geben, doch letztlich muss man einsehen, dass es so einfach nicht ist. Es liegt an uns, wie wir das Bild sehen. Burtynsky kann (und will?) uns unseren Blick nicht vorschreiben.


    Dass trotz aller Objektivität aber auch Kritik in den Bildern mitschwingt, erkennt man an den Texten, die zwischen den Bildern an den Wänden stehen.
    Das reicht von einfachen Auflistungen über den Wasserverbrauch zur Herstellung von bestimmten Gütern („eine Jeans: 11.000 L Wasser“) bis hin zu Zitaten des Künstlers: “While trying to accommodate the growing needs of an expanding – and very thirsty – civilization we are reshaping the Earth in colossal ways. Over five years, I have explored water in various aspects; distress, control, agriculture, aquaculture, waterfront and source,” states Burtynsky. “We have to learn to think more long-term about the consequences of what we are doing, while we are doing it. My hope is that these pictures will stimulate a process of thinking about something essential to our survival, something we often take for granted— until it’s gone.” (Während wir versuchen, die wachsenden Bedürfnisse einer sich ausbreitenden – und sehr durstigen – Zivilisation zu befriedigen, gestalten wir die Erde auf kolossale Art neu. Fünf Jahre lang habe ich Wasser unter verschiedenen Aspekten untersucht; Not, Kontrolle, Landwirtschaft, Aquakultur, Ufer und Quelle“, erklärt Burtynsky. „Wir müssen lernen, langfristiger über die Konsequenzen dessen, was wir tun, nachzudenken, während wir es tun. Meine Hoffnung ist es, dass diese Bilder einen Prozess des Nachdenkens anregen über etwas, das notwendig ist für unser Überleben, etwas, das wir oft für selbstverständlich halten – bis es verbraucht ist.


    Zusätzlich zu den Bildern gibt es noch einen ca. 90-minütigen Film über das Projekt. Er ist allerdings kein Making-Of, sondern ein eigenständiges Werk von Edward Burtynsky und Jennifer Baichwal, das sich mit denselben Themen wie die Fotos befasst und auch teilweise die gleichen Orte zeigt. Zusätzlich kommen aber zum Beispiel auch Wissenschaftler zu Wort, die mithilfe von Eisproben den Klimawandel und den Anstieg des Meeresspiegels untersuchen.


    Außerdem gibt es eine Installation aus Plastikflaschen von der Künstlerin Juliette Israël. „Under the surface“ heißen die weißen, grünen und blauen Wasserflaschen, die wellenförmig von der Decke hängen. Man denkt sofort an Wasser, natürlich, und kann es auch dabei belassen. Manch einem kritischeren Betrachter kommt aber auch schnell der Gedanke an Plastikmüll, der unsere Meere verschmutzt. Wie bei Burtynskys Werken gibt es aber auch hier keinen Kommentar, der einem irgendeine Ansicht vorschreibt.


    Aus Copyright-Gründen darf ich hier in diesem Artikel leider keine Fotos zeigen, aber wer Interesse an den Bildern hat, sollte diese zwei Seiten besuchen:
    http://www.altana-kulturstiftung.de/museum-sinclair-haus/ausstellungen/aktuell/
    http://burtynsky-water.com/book/photographs/
    Dort kann man einige der Bilder aus der Ausstellung sehen sowie andere, die nicht in der Ausstellung sind. Im ersten Link ganz unten sind auch Bilder von Juliette Israëls Installation.
    In diesem Link kann man sich den Trailer zum oben genannten Film „Watermark“ ansehen: http://edwardburtynsky.com/site_contents/Films/Watermark_Film.html (Englisch)
    und hier nochmal auf Deutsch: http://www.senator.de/en/movie/watermark-ot
    Das Zitat von Burtynsky stammt von dieser Seite: http://burtynsky-water.com/book/ Ich hoffe, ich habe keine Fehler gemacht beim Übersetzen :)


    Wer gerne die Ausstellung besuchen möchte, kann das in Bad Homburg (nahe Frankfurt am Main) noch bis zum 31. August tun.
    MUSEUM SINCLAIR-HAUS
    Löwengasse 15
    Eingang Dorotheenstraße
    61348 Bad Homburg v. d. Höhe
    Internetadresse: http://www.altana-kulturstiftung.de/

    Regulär kostet der Eintritt 5 Euro, ermäßigt 3 Euro. Mittwochs ist der Eintritt generell frei.

Kommentare

4 Kommentare
  • Carinaa
    Carinaa cool, danke für den Tipp :)
    6. August 2014
  • Taki
    Taki danke für den Tipp
    7. August 2014
  • Ronja96
    Ronja96 Das hört sich wirklich interessant an! Danke für den Tipp!
    8. August 2014
  • Marfrie
    Marfrie Das klingt total interessant, toll! Danke! :)
    10. August 2014