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Woher kommt die Bio-Milch? – Der WWF vermittelt einen Einblick

  • Ich laufe zwischen den Supermarktregalen entlang und gelange schließlich an die Kühltheke. Dort reihen sich neben Butter, Jogurt und Käse die Milchflaschen aneinander. Ich greife nach einer Glasflasche Bio-Milch, schließlich will ich unnötigen Verpackungsmüll vermeiden. Während ich all diese Milchprodukte in Augenschein nehme, frage ich mich mal wieder: Woher kommt diese Milch eigentlich?

    Der WWF müsste es eigentlich wissen. Also melde ich mich bei Markus Wolter, Landwirtschaftsexperte beim WWF Deutschland. Markus war vor ein paar Tagen beim Milchvieh-Betrieb Bischoff in Langballig zu Besuch, der 2004 auf Bio umgestiegen war. Dort ging er genau dieser Frage auf den Grund und konnte mir davon berichten.

    Er erzählte mir, dass auf dem 115 Hektar großen Hof von Kai Bischoff 150 Rinder leben. Davon wird, und das überraschte mich, aber nur ein gutes Drittel gemolken. Der Rest sind 10 Ochsen und 75 Nachwuchstiere. Im Durchschnitt gibt eine Kuh auf diesem Hof 22 Liter Milch am Tag. Bei konventioneller Fütterung – also nicht Bio- könnten durchschnittlich noch 6 Liter mehr erreicht werden.

    Der Unterschied in der Fütterung besteht darin, dass die konventionelle Fütterung mehr Kraftfutter vorsieht, da dies einen höheren Energie- und Eiweißgehalt hat. Bauer Kai Bischoff verfüttert zwar auch Kraftfutter, mit insgesamt 1,2 Tonnen jährlich aber nur halb so viel wie ein vergleichbarer konventionell betriebener Hof. Außerdem haben die Kühe einen in der Bio-Norm festgeschriebenen Freilauf, bei dem sie frisches Kleegras und Gras nach Belieben fressen können. Bei einer Ernährung ausschließlich von Grünfutter, würden die Kühe deutlich weniger Leistung bringen, sodass Bauer Bischoff 10 bis 12 Kühe mehr bräuchte um im Jahr auf die gleiche Menge an Milch zu kommen. Dafür reicht der Platz nicht aus. Deswegen verfüttert er Kraftfutter, Heu und Silage. „Silage? Was ist das?“, fragte ich mich. Markus klärte mich auf: Silage ist Gras, das gemäht, nach einigen Tagen zusammengefahren, verdichtet und luftdicht abgeschlossen wird. Dann setzt ein Gärungsprozess ein, durch den es sehr haltbar wird.

    Der Milchvieh-Betrieb Bischoff produziert das gesamte Futter selbst, sodass nichts hinzugekauft muss. „Ich will alle Tiere vom eigenen Betrieb ernähren, das ist das Entscheidende“, zitierte Markus den Betreiber.

    Das Futter ist auch ein Grund dafür, dass der Preis für Bio-Milch höher ist als der für konventionelle Milch. Schließlich sind die Futterkosten höher, pro Kuh wird eine größere Fläche benötigt und der Milchertrag ist geringer bei der gleichen Anzahl an Milchkühen.

    Und wie läuft das mit dem Melken ab? Der Bauer hatte Markus erzählt, dass die Kühe freiwillig in den Melkstand kommen. Nur Muttertiere würden ihre Milch nicht freiwillig abgeben, weswegen es notwendig ist, die Kälber von ihrer Mutter zu trennen. Diese Trennung unternimmt Bauer Bischoff nach 3-7 Tagen und es tue ihm immer in der Seele weh. Der Kompromiss: Ammenkuhhaltung, bei der eine Mutter sich um 3-4 Kälber kümmert. Sozusagen eine Pflegemami. Der Nachteil hierbei ist, dass die Tiere ein starkes Selbstbewusstsein entwickeln, das die Arbeit mit ihnen erschwert. Gut ist es, wenn die Kälber zumindest die ersten Schritte an der Seite ihrer Mutter machen, damit sie sich schon ein paar Dinge abgucken können. Tiere, die direkt weggerissen werden, wie es bei konventioneller Haltung meist der Fall ist, sind oft sehr charakterschwach.

    Aber damit nicht genug: Ihnen wird zudem das Horn ausgebrannt. Dazu werden sie ruhig gestellt, bekommen eine lokale Betäubung und Schmerzmittel. „Das sind vier Spritzen bevor das Tier enthornt wird“, berichtet mir Markus. Der Milchbauer hatte ihm außerdem erklärt, dass er diese Prozedur am allerwenigsten mag, sie aber aus Platzgründen im Stall nötig ist, weil die Laufgänge nicht breit genug sind. Hinzukommt, dass sich die Tiere bei Konflikten in der Herde gegenseitig verletzen könnten und gehörnte Tiere auch bei der Arbeit mit den Wiederkäuern das Arbeitsrisiko erhöhen. 

    Doch gerade diese Arbeit mit den Tieren und in der Natur, findet Herr Bischoff das schönste am Bio-Bauer sein. Bei ihm hat der Umweltgedanke schließlich gesiegt und er ist der Überzeugung, dass jeder Bauer der sich mit dem Pro und Contra von Bio-Landwirtschaft auseinander setzt, früher oder später automatisch dazu komme.

    Wer weiß, vielleicht werden eines Tages wirklich nur noch Bio-Milch Flaschen in den Regalen stehen oder generell weniger Milchprodukte… Um es also mit den Worten von Bauer Bischoff zu sagen: „Jeder fängt bei sich selbst an die Welt zu verändern.“

    Interview: Markus Wolter (WWF)
    Bilder: Markus Wolter (WWF)

Kommentare

8 Kommentare
  • Gluehwuermchen
    Gluehwuermchen @Tigerlein und Co.: Geht nicht immer davon aus, dass biologische Landwirtschaft paradisische Bauernhofidylle ist. Klar muss sich in der Landwirtschaft noch viel ändern. Aber ich finde es auch nicht gut, immer auf den Negativbeispielen rumzuhacken, de...  mehr
    1. August 2014
  • BlaubeerMuffin
    BlaubeerMuffin Danke für den Einblick hinter die Bio-Milchflaschen im Supermarkt. Ich fand´s interessant zu erfahren, wie die Kühe leben und sich der Biohof vom konventionellen Hof unterscheidet
    18. August 2014
  • Zohar7
    Zohar7 Danke für den tollen Einblick, dieses Thema hat mich schon immer interessiert! Schade, dass die Kälber auch bei Bio-Milchbetrieben so früh von ihrer Mutter gerissen werden...
    @Glühwürmchen: Ich finde du hast vollkommen recht!
    29. Dezember 2014
  • theresapanda
    theresapanda Aber die Hörner der Kühe werden doch nur weggemacht das sie sich nicht verletzen oder??
    26. Dezember 2015