Berichte

Wir stehen drauf

  • Was haben deutsche Buchenwälder mit der Serengeti-Savanne in Tansania und den Gebirgssteppen des Schneeleoparden im Himalaya gemeinsam? Die Antwort überrascht dich vielleicht: Es ist die Verwundbarkeit ihrer Böden. Würde ihr intakter Boden geschädigt, brächen diese Ökosysteme zusammen und sie würden wahrscheinlich zu Heideland, Halbwüsten oder Geröllhalden.

    Aber warte, bevor wir gleich wieder die ganze Welt im Blick haben - Was ist eigentlich der Boden? Nun, man könnte ihn umschreiben als die belebte Schicht der festen Erde. "Belebt" klingt so harmlos, dabei hat es der Boden im wahrsten Sinne des Wortes in sich! In allen Land-Ökosystemen steckt die meiste Lebensvielfalt direkt im Boden.

    Natürlich wird fruchtbarer Boden durch Lebewesen hergestellt. In mühevoller Kleinarbeit greifen sie das Gestein an und lösen Minerale heraus. Das Bodenleben profitiert dabei von chemischen Verwitterungsprozessen des Gesteinsuntergrunds und beschleunigt diese aktiv. Zugleich bringen die Bodenbewohner, zu denen natürlich auch die Pflanzen gehören, aus der Luft Kohlenstoff und Stickstoff in den Boden. Das Ergebnis: organische Substanz – und damit das Beste am Boden: der Humus, die üppigste Speisekammer der Pflanzen.

    Weil die allermeisten Gewächse nur im Boden und nicht auf nacktem Fels Halt und Nahrung finden, brauchen letztlich alle Lebewesen den Boden zum Leben – Tiere und Menschen eingeschlossen.

    Das ist aber noch längst nicht alles, was der Boden für uns leistet! Sind zu viele Nährstoffe im Ökosystem, können fruchtbare Böden sie aufnehmen und damit ihre übermäßige Auswaschung in die Gewässer verhindern. Fehlen hingegen Nährstoffe, aktivieren die Pflanzen die Bodenpilze und unzählige Mikroorganismen, damit diese ihnen Nährstoffe liefern. Dafür ernähren die Pflanzen das Bodenleben. Das tun sie mit Leckereien: Besonders der in den Blättern hergestellte und zu großen Teilen über die Wurzeln ausgeschiedene Zucker ist bei Bodenpilzen und Mikroorganismen sehr begehrt.

    Die Artenvielfalt im Boden ist um ein Vielfaches größer als auf dem Boden. Noch immer verstehen wir nur einen kleinen Teil des extrem komplexen und vielfältigen Zusammenspiels der Pflanzenwurzeln und ihren Millionen Wurzelhaare mit den Billiarden von Bakterien und Pilzen, Einzellern und Tieren. Dabei ist dies der Schlüssel zu einem fruchtbaren Boden.

    Nicht erst, wenn eine Sanddüne naht, wissen wir, dass mit dem Boden etwas nicht stimmt. Fast ein Viertel der landwirtschaftlich nutzbaren Fläche weltweit muss bereits als schwer geschädigt bezeichnet werden. Das bedeutet: sie ist heruntergewirtschaftet und zum Teil im Sinne des Wortes verwüstet.

    Fruchtbarer Erdboden schwindet weltweit. Vor allem dort, wo Wälder vernichtet werden (das verursacht etwa 30 Prozent der Bodenzerstörung), Grasland überweidet (35 Prozent) und Ackerbau nicht nachhaltig betrieben wird (27 Prozent). Allein in Deutschland gehen in der Landwirtschaft im Durchschnitt pro Jahr und Hektar zehn Tonnen fruchtbarer Boden durch Erosion und Humusabbau verloren. Dem gegenüber steht ein jährlicher natürlicher Bodenzuwachs von nur etwa einer halben Tonne pro Hektar. Der Boden wird also rund 20-mal schneller zerstört, als er nachwächst. Dieses Ungleichgewicht ist schon lange bekannt und gehört zu den großen Herausforderungen der Weltgemeinschaft.

    Für den WWF wird der Bodenschutz zunehmend wichtig. In vielen WWF-Projekten weltweit – ob in Brasilien oder Paraguay, Indien oder Malaysia – werden wir mit den Folgen von Bodendegradation konfrontiert. Wenn auf ehemals fruchtbaren Böden nichts mehr wächst, dann versucht die Landwirtschaft neue Flächen zu erschließen. Immer mehr Wald wird gerodet, damit die Menschen Nahrung produzieren können. Doch mit so einem Raubbau geht auf Dauer jeglicher lebendige Boden verloren – und damit die Grundlage der Biodiversität und der menschlichen Ernährung zugleich. Der WWF geht daher andere Wege. Wir setzen uns für eine Landwirtschaft ein, welche die Bodenfruchtbarkeit erhält, die biologische Vielfalt in den Böden als Lebensgrundlage sieht und das Gleichgewicht in den natürlichen Ökosystemen bewahrt.

    Und dabei kannst du uns helfen! 2015 wird das UN-Jahr des Bodens - Auch deshalb möchte der WWF das Thema Bodenschutz stärker ins Bewusstsein rücken. Wir suchen deine Ideen und Vorschläge, was konkret der WWF künftig zum Schutz des lebendigen Bodens tun sollte. Denn wir glauben, dass ihr uns in unserer Arbeit zusätzlich super inspirieren könnt!

    Gibt es vielleicht Dinge, die du bereits für den Boden tust?

    Welche Botschaft für den Erhalt der Böden wäre am überzeugendsten?

    Welche Projekte sollte der WWF in der Welt besonders unterstützen? Wie können wir dabei die Bevölkerung vor Ort einbeziehen? Und wie kann der WWF Unternehmen und Politiker überzeugen, die Böden zu schonen?

    Poste deine Ideen und Vorschläge hier per Kommentar - Wir sind gespannt!

Kommentare

4 Kommentare
  • Kathy3
    Kathy3 Während meiner Recherche zum 2°Campus Thema Ernährung bin ich immer wieder auf das Thema Bodenfruchtbarkeit gestoßen. Auch wenn es uns vielleicht nicht bewusst ist: Die Welternährung wird in Zukunft zu großen Teilen vom Bode...  mehr
    22. Juli 2014
  • Carina
    Carina Ich glaube, dass bei dem Thema Boden noch ganz viel Aufklärungsarbeit geleistet werden muss. Für viele Menschen sind Böden einfach nur "Dreck" und sie wissen gar nicht, wie wichtig sie für unsere Ernährung und die Biodiv...  mehr
    23. Juli 2014
  • Jamila00
    Jamila00 Viele wissen gar nicht wie wichtig der Lebensraum Boden ist.
    Bevor man ein Projekt startet könnte man auch erstmal eine Art Infotreffen veranstalten wo man einen Eindruck davon bekommt was der Boden wirklich für die Natur und das ganze Leben bed...  mehr
    23. Juli 2014
  • Morgentau
    Morgentau Ich finde auch die Aufklärungsarbeit als ersten Schritt am wichtigsten.

    Für den Boden tue ich persönlich nicht so viel. Klar, ich kaufe nur Recycling-Papier, überzeuge meine Eltern, möglichst viele Bioprodukte zu kaufen und versu...  mehr
    24. Juli 2014