Berichte

Lecker kochen – geht das auch umweltfreundlich?

  • Den Satz "Vegetarier essen meinem Essen, das Essen weg" hat doch bestimmt schon jeder gehört. Doch die Realität hat gezeigt, dass die Antwort darauf lauten müsste: "Dein Essen nimmt dir bald die Luft zum Atmen."


    Weil die Ernährung einen großen Teil zum Klimawandel beiträgt, haben wir, Alina und Thuy Anh, uns beim 2°Campus vorgenommen, am Wochenende vegetarisch zu kochen (Thuy Anh) und sich 2 Tage die Woche vegan zu ernähren (Alina).

     

    Thuy Anh, wie bist du darauf gekommen, nach dem 2°Campus plötzlich am Wochenende vegetarisch zu essen?


    Ich bin einer von vielen Menschen, die es genießen, leckere, frisch zubereitete Speisen zu essen. Ich habe nicht nur ein Lieblingsgericht, sondern mein "Geschmacksspekrum" reicht von deutschen bis vietnameischen Essen, von süßem Griesbrei bis zu leckerem Steak, von leichtem Kartoffelsalat bis zu gebratenem Fisch, ...


    Während des 2° Campus wurde mir klar, dass ich auch klimafreundlicher essen könnte. Allein durch tierische Produkte entstehen 70% der Treibhausgase, die durch unsere Ernährung hervorgerufen werden. Aber kann man wirklich das Essen genießen ohne Fleisch?! – "Ja" war die Antwort des veganen Familiencafés "Madia" in Potsdam. Mit einer leckeren Gemüse-Pie konnte es mich überzeugen. Deswegen habe ich mir vorgenommen, an den Wochenenden ohne Fleisch zu kochen. Ob ich mich daran halten kann?


    Das Restaurant hat uns das Rezept für die Pie gegeben, die ich gleich zu Hause zubereitet habe. Es war zwar sehr aufwendig, aber es hat sich gelohnt – sie war besser für das Klima und lecker für mich und meine Familie.


    Ich habe versucht an jedem Wochenende selbst vegetarisch zu kochen, doch in der Klausuren-Zeit war es schwierig und wenn ich nicht zu Hause war, war es unmöglich. Deswegen habe ich mir vorgenommen möglichst wenig Fleisch zu essen. Immerhin konnte ich einige Gerichte ohne Fleisch selber kochen, u.a. :


    Die vegetarische Ernährung war nicht das Einzige, das du dir vorgenommen hast. Konntest du auch noch andere Leute zu einem klimafreundlicheren Leben überzeugen?


    Ich bilde mit anderen engagierten Schülern die "CO2 - can't do!" – Gruppe. Wir setzen uns für eine klimafreundlichere Schule ein und regen Schüler und Lehrer zu einem klimabewussten Leben an. Ich hatte zuerst die Idee, Schüler zu reduziertem Fleischkonsum zu überzeugen. Dazu wollte ich vegetarische und vegane Rezepte mit Hilfe unserer Gruppe verbreiten. Dies stieß allerdings nicht auf große Begeisterung, da viele Vegetarismus als großen Verzicht sehen und nicht als Bereicherung des Lebens. Auch Diskussionen helfen nichts, wenn Schüler kein Interesse am Klimaschutz zeigen.


    Und um das zu ändern habt ihr eine Aktion geplant?


    Genau! "Mission Klimaschutz – was machst du?" – so hieß unsere Aktion auf dem Hoffest unserer Schule. Wir haben Schüler und Lehrer befragt, was sie privat für den Klimaschutz tun. Ihre Aktivitäten haben wir mit bunten Stiften aufgeschrieben und sie an einer Pinnwand gesammelt. Das Ergebnis:



    Unser Ziel war es, dass sich Schüler und Lehrer über ihrer Aktivitäten für den Klimaschutz austauschen und darauf aufmerksam werden. Diejenigen, die schon aktiv sind, wurden motiviert, weiter zu machen. Andere, die bisher noch nicht so aktiv waren, bekamen realisierbare Anregungen, anzufangen. Nebenbei gewannen wir neue Mitglieder und konnten unsere selbst designten und klimafreundlichen T- Shirts und Beutel gut verkaufen.


    Vegetarisch zu essen scheint doch zu funktionieren, oder Alina? Du isst jetzt schon 3 Jahre lang vegetarisch und hast dir vorgenommen jetzt auch 2 Tage die Woche vegan zu essen. War das schwierig?


    Dass vegetarische Ernährung möglich ist und auch gut schmeckt, hab ich in den 3 Jahren gemerkt, in denen ich jetzt vegetarisch esse. Vegan aber, wenn auch nur für 2 Tage die Woche, war durchaus eine Überwindung.


    Am Anfang hab ich an den veganen Tagen, weil mir nicht so viel eingefallen ist, einfach so wenig wie möglich gegessen. Ich habe einige vegane Kochbücher zu Hause und wollte mir einige Snacks für die Schule zubereiten. Mein Problem war da, dass ich die Namen der meisten Zutaten noch nie gehört hatte und keine 15€ für ein Glas Mandelmus ausgeben wollte (, was aber in fast allen Rezepten enthalten war). Darum hatte ich oft richtig schlechte Laune, wenn ein "Vegan-Tag" anstand, weil mir die Schokolade ;) fehlte und ich Basismüsli mit Mandelmilch irgendwann nicht mehr sehen konnte. Mein Bruder meinte einmal zu meiner Mutter: "Alina isst wieder vegan. Geh ihr bloß aus dem Weg."

    Geändert hat sich das, nachdem ich im Reformhaus eingekauft habe und gemerkt habe, dass es doch leckere Sachen gibt. Es ist zwar alles ein bisschen teurer, aber dafür aus biologischem Anbau. Außerdem ist es da so viel einfacher vegane Gerichte zu finden, da an veganen Produkten grüne Schilder sind. Ich habe sogar Ersatz für meine Schokolade gefunden, die ich so vermisst hab. Jetzt fallen mir die "Vegan-Tage" leichter und auch meine Laune ist wieder super ;)


    Es war für mich auf jeden Fall spannend, meine Ernährung ein bisschen umzustellen. Ich muss zugeben, dass es mir nicht leicht fällt. Manchmal habe ich mich den ganzen Tag vegan ernährt und dann, wenn ich spät am Abend nach Hause gekommen bin, nicht nachgedacht und ein Stück Käse gegessen. Mir ist damit klar geworden, wie unbewusst ich tierische Produkte konsumiere.


    Ich habe großen Respekt vor Veganern. Ich finde es bewundernswert, aber ich könnte mich nicht für den Rest meines Lebens komplett vegan ernähren. Vielleicht ist das egoistisch, aber es bedeutet mir zu viel Verzicht.


    Trotzdem werde ich auf jeden Fall auch nach dem 2°Campus weiter im Reformhaus einkaufen und versuchen, mich so oft wie möglich vegan zu ernähren. Der größte Gewinn dieses Selbstversuches ist für mich aber das bessere Bewusstsein von dem, was ich esse. Ich esse weniger tierische Produkte und wenn, dann achte ich jetzt auf Bioqualität. Diese Lebensmittel esse ich jetzt nicht mehr "so zwischendurch", sondern genieße sie bewusst.

    Du hattest doch auch eine zweite Selbstverpflichtung, wie sieht es damit aus?

    Meine zweite Selbstverpflichtung war, dass ich nach meiner Führerscheinprüfung nur 50 km im Monat Auto fahre. Darüber kann ich noch nicht viel berichten, da ich gestern meine Prüfung gemacht (und bestanden :D ) habe und darum erst jetzt mit meinem Vorhaben anfangen kann.

    Ja, lecker Kochen kann man auch umweltfreundlich. Auch Gerichte ohne Fleisch oder andere tierische Produkte lassen sich super genießen, das haben wir in unseren Selbstversuchen gemerkt. Es ist wirklich jedem zu empfehlen, sich ab und zu vegetarisch oder vegan zu ernähren. Ihr tut damit nicht nur Gutes für das Klima, sondern auch Gutes für euch selbst.

    Unser Fazit: Ein umweltfreundliches Handeln ist nur eine Frage des Bewusstseins, jeder kann es!

Kommentare

9 Kommentare
  • Ronja96
    Ronja96 Danke für den tollen Bericht! Ich habe vor Veganern auch großen Respekt, möchte aber auch mal ab und zu vegan kochen. Aber auf Schokolade könnte ich nie verzichten )(
    21. Juli 2014
  • vince
    vince Ja das Reformhaus hat echt ne große und gute Auswahl an vegetarischen Produkten!!
    21. Juli 2014
  • IsabellSchlangen
    IsabellSchlangen Hey echt cooler Artikel und super Bilder! :) Klasse das ihr das so super durchzieht!
    27. Juli 2014
  • Ivonne
    Ivonne Danke Euch beiden für diesen tollen Artikel! Die Gerichte sehen sehr professionell zubereitet aus. :-) Ich kann eure Erfahrungen gut nachvollziehen, weil ich selber in der diesjährigen Fastenzeit vegan gelebt habe und dies weiterhin oft tue. Vor...  mehr
    2. August 2014