Berichte

Klimawandel erfahren - nanoCamp 2014

  • 3600 Meter über dem Meer, eine tolle Erfahrung! Auch wenn unsere Aussicht nicht gerade berauschend war, die gesammelten Informationen waren dafür umso beeindruckender.
    Gemeinsam mit elf anderen Jugendlichen habe ich die vergangene Woche in der Schweiz, genauer in Bern und auf dem Jungfrau Joch, verbracht. Organisiert wurde das nanoCamp von 3sat und dem Oeschger Zentrum in Bern.

    Der Samstag gestaltete sich für mich eher entspannt, da ich schon früh anreiste um noch Verwandte in Bern zu besuchen. Ich war jedoch etwas über eine vorangegangene E-Mail irritiert, in der von Dreharbeiten gesprochen wurde. Wie sich herausstellte, war dies nicht als Scherz gemeint..

    Am nächsten Morgen brachen wir auch schon zum Moossee in der Nähe von Bern auf, um dort Sedimentproben vom Grund und vom Ufer zu nehmen. Mit Ruderbooten ging es hinaus auf den See, und dank Tiefenkarten und Ultraschallmessgerät war eine passende Bohrstelle schnell gefunden. Wobei, gebohrt haben wir eigentlich nicht, sondern nur eine Art Anker benutzt, der einen Meter Sediment aus dem Boden entnahm. Dieses wurde dann an Land Zentimeterweise in Tütchen verpackt, beschriftet und später im Labor ausgewertet.
    An Land wurde es dann anstrengend, denn nun wurde mit reiner "Mannes- (und Frauen)-kraft" ein 7 Meter tiefes Loch gebohrt. Auch diese Proben wurden für das Labor archiviert und später untersucht.Der 7 Meter lange Bohrer

    Am Montag ging es für uns dann zuerst an die Polit- Wirtschaftliche Fakultät der Uni Bern, wo wir vorerstellte Fragebögen erhielten, die wir dann noch eigenständig verbesserten bzw. ergänzten. Das war nötig, aufgrund der begrenzten Zeit, die wir in Bern zur Verfügung hatten. Es war jedoch auch ganz angenehm, bereits Material an die Hand zu bekommen. Letztes Jahr beim 2°Campus habe ich gemerkt, wie schwierig die Erstellung eines eigenen Fragebogens sein kann. Die Fragebögen enthielten die Themenbereiche 'Mobilität und Reisen',' Ernährung und Konsum', sowie 'Heizen und Wohnen'. Wir befragten in der Altstadt von Bern sowie vor dem Bundeshaus Passanten und haben Erstaunliches heraus gefunden. Beispielsweise kaufen etwa ein Drittel aller Schweizer auf kleinen Bauernhöfen in ihrer Nähe ein. Was mich persönlich überrascht hat ist, dass enorm vielen Schweizern der Klimawandel bewusst ist, einfach aus der Tatsache heraus, dass sie ihre Gletscher dahin schmelzen sehen.

    Die nächsten beiden Tage verbrachten wir hauptsächlich mit reisen und akklimatisieren. Als es dann am Mittwoch endlich mit den Forschern auf den Aletsch-Gletscher, den größten Gletscher Europas, hinaus ging war die Spannung natürlich hoch. Besonders weil wir die gesicherte Wanderroute verlassen mussten um die Messungen durchführen zu können. Für diese war jedoch ein vier Meter tiefes Loch nötig, das von den Teilnehmern selbst gegraben werden "durfte". Der Anblick der verschiedenen Schneeschichten und vor allem das, was man daraus lernen konnte, entschuldigten jedoch die Arbeit. Zum Beispiel fanden wir den Sand von zwei vergangenen Sahara-Stürmen im Schnee eingelagert. Außerdem wurden zwei Glasflaschen mit Gletscherluft gefüllt und mit ins Tal genommen.

    Der Vorletzte Tag des Camps war dann gefüllt mit allerlei Wissenschaft. Die CO2 Konzentration der Gletscherluft wurde gemeinsam gemessen und mit dem weltweiten Durchschnittswert verglichen. Auf die Frage, wieso wir denn oben auf dem Gletscher gemessen haben antwortete uns Michel Schibig, Doktorand der Uni Bern, dass man dort oben die gesichertsten Luftverhältnisse vorfindet, ohne durch Vegetation, thermische Luftströmungen oder menschlichen Einfluss ein verfälschtes Messergebnis zu erhalten.
    Eine kleine Gruppe von drei Campern durfte sich anschließend einen Eisbohrkern anschauen und auswerten. Anschließend wurden unsere genommen Sedimentproben ausgewertet, einerseits mithilfe der Schwemmtechnik, um größere Partikel wie Pflanzenreste oder Muscheln zu finden. Andererseits haben wir Pollen mithilfe von Salzsäure (HCL, 10% ) aus den Proben extrahiert und anschließend unter dem Mikroskop analysiert.

    Als Highlight der ganzen Woche kam dann am Freitagmorgen vor unserer Abreise Heinz Wanner, bekannter Klimawissenschaftler, Nobel-Preisträger im Bereich Geologie und UN-Klimawissenschaftler zu uns um über die weltweiten Klimaschwankungen und ihre Auswirkungen zu sprechen. Ein einprägsamer Vortrag, den ich da hören durfte. Immer noch bleibt mir seine Aussage "Bildung ist das wichtigste, man muss ständig informieren, darf nicht übertreiben und vor allem immer sandstrahlen" in den Ohren.

    An den 2°Campus kommt das nanoCamp natürlich lange nicht heran, gerade der inhaltliche Input hat mir enorm gefehlt. (Der Vortrag von Heinz Wanner war außerplanmäßig organisiert). Jedoch war es toll, die Klimaforschung auch einmal von der praktischen Seite zu erleben und es war auf jeden Fall eine tolle Woche in der Schweiz. Und ich habe auch schon ein paar interessierte Bewerber für den nächsten 2°Campus gefunden.

    Ach ja.. Für alle, die es interessiert: Am 5. 9. läuft eine Doku über das nanoCamp auf 3sat, ersatzweise für eine nano-Sendung

    Bildquellen:

    Eigene, Alena Giesche

     

Kommentare

5 Kommentare
  • Kathy3
    Kathy3 Hört sich sehr spannend und erlebnisreich an. Ich hoffe du hattest viel Spaß :)
    9. Juli 2014
  • peacemeinfreund
    peacemeinfreund Cool, das du meinem Tipp nachgekommen bist und da rein gekommen bist. :D
    10. Juli 2014
  • Ivonne
    Ivonne Wow, das hört sich wirklich spannend an, Jonas!! Danke, dass du Deine Erfahrungen mit uns teilst! Ich freue mich schon auf das Alumnitreffen mit euch! Liebe Grüße, Ivonne
    11. Juli 2014
  • Zweitagsfliege
    Zweitagsfliege Hört sich echt interessant an.
    Ich glaube ich werde mir die Doku angucken (wenn ich dran denke.) ;)
    11. Juli 2014