Berichte

Skurrile Neuentdeckungen am Mekong: Fliegende Riesen-Hörnchen und Fallschirm-Geckos

  • Fliegende Frösche und Riesen-Hörnchen, Fallschirm-Geckos, augenlose Riesenspinnen, Schlangen mit Zorro-Maske, ein Fisch, der seine Geschlechtsorgane auf dem Kopf hat - und das sind nur die skurrilen und bizarrsten Vertreter aus dem aktuellen WWF-Bericht "Mysterious Mekong". Der WWF-Report listet über 360 neu entdeckte Tier- und Pflanzenarten! Die bisher unbekannten Erdenbewohner tummeln sich alle in der südostasiatischen Mekong-Region und wurden in einem Zeitraum von nur einem Jahr erstmalig wissenschaftlich beschrieben. Wir zeigen euch hier die interessantesten Neuentdeckungen:

    Versteckt in der Hauptstadt: Neue Arten findet man nicht nur im Dschungel... Der Kambodschanische Schneidervogel wurde in der kambodschanischen Hauptstadt Phnom Penh entdeckt. Tests an Gefieder, Gesang und Genen ergaben: Eine neue Art.

    Nachtschwärmer mit Nasenradar: Diese sehr speziell aussehende Fledermaus wurde zuerst 2008 auf der vietnamesischen Insel Cat Ba gefunden. Ein Team von Forschern fand aber erst jetzt heraus, dass es sich um eine neue Art handelt, die Griffin-Laubnasenfledermaus. Ihre grotesk anmutende Nase hilft beim Navigieren, quasi als Echolot.

    Hörnchen vom Fleischmarkt: Bizarr und traurig ist die Entdeckungsgeschichte des Laotischen Riesenflughörnchens: Das allererste Exemplar mit seinem außergewöhnlichen rot-weißen Fell wurde auf einem Wildfleischmarkt in Laos entdeckt.

    Nur zum Laichen vom Baum: Der Fliegende Frosch! 21 neue Amphibien wurde beschrieben, darunter Helens Fliegender Frosch, entdeckt 100 Kilometer von Ho Chi Minh Stadt in Vietnam. Rhacophorus helenae entging bisher der Aufmerksamkeit der Forscher, indem er von Baumwipfel zu Baumwipfel hüpft und dabei seine großen Hände und Füße zum gleiten nutzt. Nur zum Laichen steigt er herab – dabei wurde er nun in Regentümpeln gefunden.

    Nachtjäger mit Zorromaske: Die etwa 1,3 Meter lange Wasserschlange wurde im Ban Badan-Reservoir in der Provinz Nakhon Ratchasima in Thailand entdeckt. Sie jagt in der Nacht kleinere Fische.

    Phukets unbekannter Einheimischer... Sie sieht aus, als sei sie nicht von dieser Welt: Die zebragestreifte Eidechse. Gefunden wurde sie in den Wäldern auf Phuket – also in einer der populärsten Touristenregionen Thailands. Die meisten Wälder Phukets wurden von der touristischen Entwicklung schwer in Mitleidenschaft gezogen. In der Mitte der Insel blieb aber Primärwald bestehen, wo diese Eidechse nun entdeckt wurde.

    Regenbogen unter der Erde: Diese Eidechse ist nun wirklich ungewöhnlich! Ihre Haut schimmert wie ein Regenbogen und sie ist ungewöhnlich lang – was durch den überproportional langen Schwanz und die kurzen Beine noch unterstrichen wird. Entdeckt wurde sie im abgelegenen Veun Sai-Siem-Regenwald von Kambodscha. Ein Glücksfall, weil sie eigentlich meistens im Boden versteckt lebt und es von ähnlichen Arten oft nur wenige Exemplare gibt.

    Spinne ohne Augen: In einer Höhle in Laos wurde die weltweit erste Riesenkrabbenspinne ohne Augen entdeckt – wirklich riesig ist sie mit einer Beinspanne von sechs Zentimetern aber nicht. Die Rückbildung der Sehorgane war nur möglich, da die Spinnen ohne Tageslicht leben. Ohne Gesellschaft muss die blinde Spinne nicht auskommen: In den Höhlen von Laos wurden auch schon Fische, Skorpione und Krebse ohne Augen entdeckt.

    "Die über 360 neu entdeckten Tiere und Pflanzen offenbaren uns wie kreativ und phantastisch Evolution sein kann. Viele Arten könnten direkt einem Science Fiction-Film entsprungen sein. Doch tatsächlich kommen sie nicht von fernen Welten, sondern leben auf unserem Planeten", sagt WWF-Referentin Kathrin Hebel. "Die Mekong-Region ist eine der letzten weitgehend unerforschten Ecken der Erde, ein Hotspot der Biologischen Vielfalt." Doch die WWF-Expertin zeigt sich bei aller Begeisterung über die Neuentdeckungen auch besorgt: "Zahlreiche Arten drohen zu verschwinden, bevor sie überhaupt entdeckt wurden. Der Bau von Straßen, große Stauanlagen und schnell wachsende Städte bedrohen die Artenvielfalt am Mekong."

    Nach WWF-Angaben mussten in Südostasien seit 1990 jährlich 2,7 Millionen Hektar Dschungel den Monokulturen riesiger Plantagen weichen. Außerdem sollen rund 150 neue Wasserkraftwerke entstehen. Bereits heute finden sich 70 Prozent der nur hier vorkommenden Säugetierarten auf der Roten Liste, darunter der Indochinesische Tiger oder der Asiatische Elefant. Das letzte Java-Nashorn auf dem asiatischen Festland wurde gar 2011 in Vietnam gewildert. Auch die 369 Neuentdeckungen könnten bald für immer verschwunden sein.

    Der WWF hat sich deshalb zum Ziel gesetzt, biologisch wertvolle Gebiete am Mekong mit Unterstützung der internationalen Staatengemeinschaft grenzüberschreitend und dauerhaft zu sichern.

    Willst du uns dabei unterstützen? Dann werde jetzt WWF Jugend Mitglied!

    Fotos: Mekong © Adam Oswell / WWF-Greater-Mekong; Orthotomus chaktomuk © James Eaton / Birdtour Asia / WWF; Griffin`s Fledermaus © Vu Dinh Thong / Institute of Ecology and Biological Resources Hanoi / WWF; Biswamoyopterus laoensis © Daosavanh Sanamxay / WWF; Helens Fliegender Frosch © Jodi JL Rowley / Australian Museum / WWF; Homalopis mereljcoxi © John C. Murphy / WWF; Cyrtodactylus phuketensis © Montri Sumontha / WWF; Lygosoma veunsaiensis © Gabor Csorba / Hungarian Natural History Museum / WWF; Sinopoda Scurion © Peter Jaeger / Senckenberg Research Institute Frankfurt / WWF

Kommentare

10 Kommentare
  • Maike11
    Maike11 Die Tiere sehen ja schon alle irgendwie skurill aus :)
    7. Juni 2014
  • Janine
    Janine Echt interressant! Unser Kurator für Amphibien und Reptilien vom Zoo Köln fliegt auch regelmäßig nach Vietnam und entdeckt alle Nase lang neue Arten! Es gibt so viele - unvorstellbar!

    Die Fledermaus finde ich echt gut! Krasse Nase! ...  mehr
    8. Juni 2014
  • Makanie
    Makanie Da erforschen die Menschen das halbe Universum und kennen noch nicht einmal ihre Welt!
    13. Juni 2014
  • Puma
    Puma Ich finds klasse,dass es immer noch unerforschte Arten gibt :) Da sieht man mal wieder,wie wenig die Menschen doch eigentlich über die Natur wissen.Schade nur,dass manche von diesen wirklich faszinierenden Arten schon wieder bedroht sind :(
    26. Juni 2014