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Augen zu und durch! Die Ignoranz der Klimaskeptiker

  • Es gibt drei Typen von Menschen, mit denen sich der Doktorant Jascha Lehmann gerne beschäftigt. Trendskeptiker, Ursachenskeptiker und Folgenskeptiker. Abers was genau ist das? Das hat sich die diesjährige Gruppe des 2 Grad Campus auch gefragt – und ich mich ehrlicherweise auch.

    Aber wo genau befinden wir uns eigentlich? Auch in diesem Jahr findet der 2 Grad Campus in Berlin statt, wo sich Jugendliche aus ganz Deutschland treffen, um gemeinsam an Lösungen und Probleme im Bereich des Klimawandels zu forschen. Gemeinsam mit einigen Universitäten geht es dann an die Grundlagen des Klimawandels. Dazu gehört auch die Seite der Skeptiker zu betrachten. Das mag zuweilen nervig erscheinen aber welch große Bedeutung das Ganze hat, wurde den Jugendlichen des 2 Grad Campus schnell klar. Denn auf dem Potsdamer Telegrafenberg findet sich im Wissenschaftspark Albert Einstein unter anderem das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, kurz PIK.

    Dort hieß uns Jascha Lehmann willkommen und führte uns hoch hinauf in eine ehemalige Sternwarte. Es schien fast so, als ob die Thematik von oben betrachtet werden sollte. Denn die Breite der Thematik rund um die Klimaskeptiker schien groß. Ebenso groß erschien auch der Fernseher, der uns die Präsentation von Herrn Lehmann zeigte. Gleich zu Beginn flogen auch schon die harten Fakten auf uns ein.

    Der Klimawandel ist zu 97% durch den Menschen verursacht. Da sind sich die Wissenschaftler einig aber in den USA beispielsweise glauben nur 50% der Menschen daran. Trotz Dürren, Hochwassern, zunehmenden Stürmen und anderen Wetterextremen. Uff, denken sich alle.

    Herr Lehmann versucht es noch deutlicher zu formulieren. Zwar sind sich ein Großteil der Wissenschaftler (97%) einig, dass der Klimawandel eine anthropogene, also menschliche Ursache hat, aber in den Medien werden die restlichen drei Prozent an Wissenschaftlern ebenso stark zu Wort gelassen als die 97%. Somit entsteht ein Verhältnis von 50:50 bei einem tatsächlichen Verhältnis von 97:3. Ganz schön unfair, befindet die Gruppe. Und Herr Lehmann geht noch weiter. Studien haben gezeigt, dass in einem Zeitraum von 18 Monaten innerhalb der USA bis zu 500.000.000 Millionen US-Dollar von Firmen bereitgestellt wurde, die den Klimawandel relativieren oder nicht als Wahrheit betrachten. Dies sind oftmals Firmen aus dem Ölgeschäft, allen voran ExxonMobil.

    Von Büchern wie „Smoke, Mirrors and Hot Air“ bis hin zu Filmen wie „The Great Global Warming Swindle“ ist alles vertreten, die den Klimawandel verharmlosen oder die menschliche Ursache außen vor lassen. Letzteres wurde zudem beim deutschen Fernsehsender RTL ausgestrahlt. Lehmann sieht hier die Medien in einer großen Verantwortung, denn sie sind die Überbringer von Nachrichten. Das Problem ist hierbei nicht die Berichterstattung, sondern die fehlerhafte. So lassen sich die Filme und Bücher innerhalb kurzer Zeit einfach widerlegen aber das bekommt der Leser oder Zuschauer natürlich nicht mehr mit.

    Wem das in die Hände spielt, ist den Jugendlichen des 2 Grad Campus schnell klar. Den Klimaskeptikern. Lehmann sieht hier vor allem drei Gruppierungen, die den Skeptiker erklären soll.

    1. Der Trendskeptiker: Es gibt keinen Klimawandel – basta!
    2. Der Ursachenskeptiker: Der Mensch hat keinen Einfluss auf den Klimawandel!
    3. Der Folgenskeptiker: Die Folgen sind doch nicht so schlimm, wie wir immer annehmen.

    Schnell wird klar: Jeder in der Gruppe hatte schon einmal eine Erfahrung mit einem dieser Gruppierungen. Denn oftmals vermischen sich Ohnmachtsgefühl, Gleichgültigkeit und fehlende moralische Werte zu einem einfachen Standpunkt: Klimawandel? Ist mir egal. Die einzige richtige Antwort, das wird schnell klar, gibt es nicht. Denn wie auf völlige Resignation oder Ignoranz reagieren? Das kann immer unterschiedlich sein, meint Lehmann. Er selber habe oftmals auch keine Chance, an Menschen heran zu kommen. Eine Meinung kann sich verhärten und bleibt für immer – wider die Fakten. Er selber betrachtet lieber die Menschen, die sich von Grund auf offen für Diskussionen zeigen und die einen Weg finden wollen, hier Probleme zu lösen. Aber, auch das sagt Lehamnn, der Klimawandel hat ein Öffentlichkeitsproblem und daran gilt es zu arbeiten. Es geht nicht um Meinungsmache, sondern vielmehr um die tatsächlichen Fakten. Eines der größten Probleme auf die er immer wieder stoße ist gar nicht der Klimawandel an sich. Der ist schlimm genug. Sondern vielmehr der lange Zeitraum, der für viele kaum greifbar ist.

    Und tatsächlich scheint hier das größte Problem der Thematik zu stecken. Was genau wird passieren? Wann wird was passieren? Lebe ich dann überhaupt noch? Und wie können wir auf die kaum bekannten Probleme reagieren?

    Eine Antwort kann Lehmann darauf nicht geben, zumindest nicht direkt. Vieles steckt tatsächlich noch im Wagen, einiges aber lässt sich mit Sicherheit sagen: Wir Menschen müssen etwas verändern. Im Verhalten mit Ressourcen und der Umwelt. Denn Probleme wie Dürren, Hochwasser oder ähnliche Katastrophen nehmen deutlich zu und sind klare Indizien des Klimawandels. Was genau sich ändern sollte? Lehman denkt an vieles. Aber wenn er es aus dem Arm schütteln könnte, dann wäre es hier in Deutschland die Energiewende. Die Jugendlichen des 2 Grad Campus sind sich indes einig: Wir müssen weiter aufklären und handeln, auch wenn nicht immer alles zu 100% voraus gesagt werden kann. Aber nicht nur der eigenen Generation zuliebe, sondern dem Planeten. Denn: „Es kostet nicht die Welt, den Planeten zu retten.“ Ottmar Edenhofer, Co-Vorsitzender des aktuellen IPCC-Berichts.

    Headerbild © Banksy
    Restlichen Bilder © Arnold Morascher / WWF

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