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Und die Moral...

  •  ...der Fleischesser ist dem Untergang geweiht.

    So zumindest laut der Zeitschrift "Der Spiegel". In diesem ist nämlich in der aktuellen Ausgabe, die heute ankam ein einseitiger Artikel über eine neue wissenschaftiche Studie.

    Jeder kennt das: man hat ein Haustier, z.B.: ein Kaninchen oder Hühner, gibt im Namen und sorgt dafür... Bis die Eltern mit dem Schlachterbeil kommen. Dann ist das Gejammer groß und man will auf keinen Fall etwas davon essen. Denken wir nur an die Szene aus dem Film "Das Wunder von Bern". Deshalb ist für Bauernhofkinder die goldene Regel oft "Keine Freundschaften mit dem Nutzvieh". Genau hier liegt das Problem.

    Einerseits gibt es kaum jemanden, der Tiere nicht liebt, gerade so knuddelige wie Schweinchen oder Hasen. Andererseits will keiner auf seinen Braten verzichten. Dieses sogenannte "Fleisch-Paradox" ist das neue Baby der Wissenschaftler.

    Ist es Liebe, die (Nutz-)tier und Mensch verbindet? Der vom "Spiegel" zitierte Sozialpsychologe Gordon Hodson sagt Nein. Er vergleicht die Beziehung zwischen Mensch und Tier mit der Beziehung eines Striplokalbesitzers zu seinen Tänzerinnen. Es existiert eine gewisse Zuneigung, was ihn aber nicht davon abhält sie auszunutzen. 

    Um dieses Paradox zu verstehen, machten sich die Wissenschaftler daran eine repräsentative Studie zu entwickeln. Das Ergebnis: "Das Essen von Tieren verringert aktiv die moralischen Bedenken". Die fleischessenden Probanden konnten "ihre Tierliebe an- und ausknipsen, wie einen Lichtschalter."

    Bei einem der Tests zeigte man den Probanden ein Bild eines Baumkängurus.

     

    Ist doch süß, oder?!

    In zwei Gruppen mussten die Leute nun die moralischen Rechte des Baumkängurus einschätzen. Nur einer von zwei Gruppen hatte man jedoch vorher mitgeteilt, dass dieses niedliche Tier als Delikatesse bei Feinschmeckern gilt. Interessanterweise bewertete genau diese Gruppe die Rechte des Tieres als geringer, als die Gruppe, die nur mit ein paar allgemeinen Infos ausgestattet worden waren.

    Die Folgerung:  "Die bloße Einschätzung eines Tieres als Nahrungsquelle führt offenbar dazu, dass seine moralischen Rechte ausgeblendet werden", so der Psychologe Steve Loughnan. Auch in einer weiteren Studie, indem den Probanden ein Bild mit Kuh und Schaf auf einer Wiese gezeigt wurde, bestätigte sich diese These. Die Bildunterschrift einer Gruppe besagte, dass die Kuh zum Schlachter müsse, das Schaf auf der Wiese weiterleben dürfe. In Gruppe zwei waren die Rollen vertauscht. Auch hier wurde das Tier, dass als potenzielle Nahrungsquelle markiert wurde jeweils niedriger in Schmerzempfinden, moralische Antastbarkeit und weniger schützenswert eingestuft. Fazit: "Interessanterweise sind die Leute rasch bereit, Schlachttieren Gemüt und Verstand abzusprechen".

    Warum? Es scheint eine Art Schutzmechanismus zu sein, um den eigenen Fleischkonsum rechtfertigen zu können. Wer sich selbst überzeugt, dass das Schnitzel nicht gelitten hat, kann guten Gewissens reinbeißen. Die Folgerung des Gehirns ist ein Paradoxon: "Ich esse dieses Fleisch, also kann das Tier keinen Verstand besessen haben, auch kein Gefühl, denn sonst würde ich es ja nicht essen". So kann man die moralischen Bedenken problemlos umgehen.

    Und was bedeutet das jetzt konkret? Für die Fleischesser: Gar nichts. Ihr könnt weiter eure Rouladen essen. Euer Gehirn wird euch vor allen Bedenken bewahren. 

    Für die Vegetarier wie mich bedeutet es aber folgendes: wir können uns ab jetzt eine Menge Arbeit sparen. Missionarsversuche und Bedenken sähen...alles ist umsonst. Unsere Zielgruppe wird nicht auf uns hören. Uns bleibt nichts, als zu hoffen, dass doch mal moralische Bedenken durchkommen.

    Bevor ich diesen Artikel beende möchte ich aber noch betonen: Ich bin übezeugte (Ovo-Lacto-)Vegetarierin. Ich habe diesen Artikel geschrieben, weil ich die Studie interessant fand und Aufmerksamkeit darauf lenken wollte. Was ich nicht möchte ist eine "Unsere-Lebenseinstellung-ist-besser-Schlammschlacht" in den Kommentaren, wie es erfahrungsgemäß (auch in anderen Foren) schnell passiert. Jeder soll selbst entscheiden, wie er leben möchte und niemandem seine Meinug aufdrücken. Lasst euch die Infos durch den Kopf gehen, erzählt euren Freunden davon und lasst jeden selbst entscheiden.

    Quelle: Der Spiegel, Nr. 21/19.05.2014 Artikel "Kann es Liebe sein?"

    Bildquelle: http://www.wz-newsline.de/lokales/krefeld/neues-zuhause-fuer-die-baumkaengurus-1.247449

     

Kommentare

19 Kommentare
  • Nick97
    Nick97 wenn der felischkonsum in den schwellenländern auf ein niveau steigt wie in den industriestaaten, dann wir es entweder bald ernsthafte konkurenz um das fleisch geben oder massenhaft mehr fleischbetriebe und somit auch nachfrage nach futtermitteln wie...  mehr
    22. Mai 2014
  • Anais
    Anais Ich denke das wäre zwar ein Grund dafür, warum es so schwer fällt andere davon zu überzeugen auf Fleisch zu verzichten, aber deshalb ist der Versuch meiner Meinung nach trotzdem nicht umsonst. Ich denke, dass es durchaus eine sehr star...  mehr
    27. Mai 2014
  • Line
    Line ich hatte in letzter zeit auch des öffteren diskussionen über fleischkonsum und ich muss auch sagen dass ich noch nicht sehr lange vegetarisch esse.
    so wie ich das sehe gibt es schon die sorte mensch, die ihre gedanken an das tier beim essen ein...  mehr
    28. Mai 2014
  • Ria2000
    Ria2000 Hey, ich bin auch seit ein paar Monaten Vegetarier, und irgendwie regt es mich immer auf, wenn selbst meine Familie das nicht akzeptiert. Immer die Fragen: " Warum isst du denn kein Fleisch mehr? Das Tier hat doch nicht groß gelitten!!" Ic...  mehr
    22. September 2014