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Kleider zum Essen - Essen zum Kleiden?

  • Auch heute schreibe ich wieder über ein Lebensmittel, jedoch nicht zum Essen sondern zum Anziehen. Geht nicht? Gibt's nicht?

    Doch das geht. Nämlich aus Milch. "Aus Milch? " wird nun der ein oder andere fragen. "Ist das nicht total verschwenderisch?" habe ich mir zuerst auch gedacht. Doch wenn man sich näher mit der Thematik befasst, wird einem klar, dass dies eine richtige Zukunftsinnovation ist.

    Der erste Versuch, aus Milch Kleidung her zu stellen entstand bereits in den 30er Jahren. Damals war jedoch das Verfahren sehr energieaufwändig, man benötigte viel Wasser und auch Formaldehyd war nötig, um die Milchfaser her zu stellen. Außerdem dauerte der ganze Prozess um die 60 Stunden.

    Anke Domaske, die Gründerin von QMILK antwortete mir auf die Frage, wie sie auf die Idee mit QMILK gekommen war damit, dass ihr Stiefvater an Krebs erkrankte und eine Textilallergie entwickelte. Sie suchte nach einer "chemisch unbehandelten Kleidung", konnte jedoch keine finden. Sie entwickelte das alte Verfahren weiter, um ein Produkt zu entwickeln, was anderen "Menschen helfen kann, aber auch umweltfreundlich produziert wird." 

    Anke Domaske

    Das Verfahren, das QMILK anwendet verbraucht nun, nach intensiver Forschung nur noch zwei Liter Wasser pro Kilogramm hergestellter Milchfaser. Selbst wenn man das virtuelle Wasser, welches bei der Milchproduktion verbraucht wird, mit einrechnet, verbraucht dieses Verfahren immer noch weniger Wasser als bei der Produktion von Baumwolle. Außerdem dauert der ganze Herstellungsprozess nur noch kurze 5 Minuten!

    Obwohl dem Gründungsteam kein Labor zur Verfügung stand und es sich mit 200,- Euro aus dem Supermarkt eines zusammen stellte hat es trotzdem geschafft, das alte, eigestaubte Verfahren zur Marktreife zu bringen. Noch 2014 soll die Produktion der ersten Fasern starten.

    Der ein oder andere bleibt jetzt wahrscheinlich trotzdem stutzig, denn Milch ist ja ein Lebensmittel, für das bekanntlich Kühe häufig leiden müssen. Doch auch hier weiß das Unternehmen Rat. Es benutzt nämlich keine Milch für den Verbraucher sondern jene, die sowieso weg geworfen würde, da sie schlecht, verunreinigt oder anderweitig belastet ist. Das sind in Deutschland 1,9 Mio. Tonnen im Jahr! Das Unternehmen möchte dies auch nicht hinnehmen und möchte den Milchmarkt revolutionieren, denn "weltweit entstehen immer mehr Milchseen - voll mit ungenutzter Milch"


    Noch einmal kurz die Vorteile:
    - Umweltfreundlich, da sehr wenig Wasser verbraucht wird und die Kleidung komplett biologisch abbaubar ist
    - Nachhaltig, da aus "Abfallprodukten" hergestellt
    - ein sehr angenehmes Hautgefühl und eine hohe Hautfreundlichkeit
    - breiter Einsatzbereich durch Modifikation der Milchfaser
    - Preislich vergleichbar mit Wolle
    - Die Faser besitzt sowohl einen natürlichen UV-Schutz und wirkt zudem noch antibakteriellAusgangs - und Endprodukt

    Ausgangs - und Endprodukt

    Anke Domaske sieht die Zukunft ihres Unternehmens breit gefächert. Vor allem als Kleidung, in der Automobilbranche, der Medizin und in Heimtextilien sieht sie ihr Produkt. Durch Modifikation des Bipolimers, welches aus dem in der Milch enthaltenen Kasein, einem Protein, gewonnen wird, kann man die Milchfaser auf fast jede erdenkliche Aufgabe einstellen.

    Jedoch gibt es auch viele andere Einsatzbereiche, wie beispielsweise die Kosmetikbranche oder die Kunststoffindustrie.

    Toll finde ich auch, dass das Unternehmen QMILK sich auch selbst das Thema Nachhaltigkeit auf die Fahne geschrieben hat. Es versucht, alle Firmenabläufe so nachhaltig und energieschonend wie möglich zu gestalten. Somit stellen sie nicht nur nachhaltige Produkte her sondern agieren auch als Unternehmen zukunftsbewusst.
    A pro pos Zukunft - Ich persönlich würde mir wünschen, bald Milchfasern in meinen Klamotten zu finden.

    Ach ja.. Essen kann man die Kleider natürlich nicht! Ich glaube auch nicht, dass dass das schmecken würde ;)

    Bildquellen: Eigene + Qmilk

Kommentare

15 Kommentare
  • Line
    Line @midori
    natürlich ist das kein grund und so hatte ich das auch gar nicht gemeint.
    ich bin auch der Meinung dass Bauern etwas anderes machen könnten und wir aufhören müssen Tiere zu missbrauchen, allerdings wird es bis dahin noch dauern...  mehr
    15. Mai 2014
  • midori
    midori @Line

    Aber wenn Du es als Methode für die Zwischenzeit beschreibst, hat es ja auch keine Zukunft! ;o)

    Also ich bin immer froh über neue und originelle Ideen, insbesondere wenn sie die Umwelt schützen. Aber nicht auf dem Rücken der ...  mehr
    15. Mai 2014
  • FranziL
    FranziL Ich finde die Idee gut und bin ziemlich erstaunt, dass sie schon so alt ist.

    @midori: Ich verstehe deine Bedenken, aber da es die Milchwirtschaft sowieso noch ettliche Jahre geben wird, kann man doch aus der Abfallmilch noch was sinnvolles herstellen.
    27. Mai 2014
  • Gluehwuermchen
    Gluehwuermchen Ich halte von der Idee auch nichts, aus ähnlichen Gründen wie midori.
    Dass Milch ja ein Abfallprodukt ist, ist für mich kein Argument. Wir müssen schleunigst von unserem drastischen Milchkonsum herunterkommen. Die meiste Milch, die de...  mehr
    28. Mai 2014