Berichte

WWF-Expedition: Taucher suchen nach Geisternetzen

  • Geisternetze sind herrenlose Fischernetze, die tonnenweise durch unsere Meere treiben und noch jahrelang ohne Kontrolle weiter fischen. In der Ostsee will der WWF nun etwa sechs Tonnen Geisternetze bergen – von Schiffswracks, in denen sie sich besonders oft verfangen. Im März 2014 haben Taucher des WWF zunächst eine Woche lang die Wracks in der Ostsee abgesucht, um herauszufinden, wie viele Tiere hier verendet sind und welche Netze durch den WWF geborgen werden sollen.

    Der WWF-Taucher auf diesem Foto hat ein besonders gefährliches Netz entdeckt: Es hängt oben noch an seiner alten Auftriebsboje und steht dadurch wie eine Falle senkrecht im Wasser.

    Alarmierend: Die Taucher haben selbst in Schleppnetzen, die eigentlich nur dann fangen, wenn sie aktiv durch das Meer gezogen werden, verfangene tote Fische gefunden.

    Manche Netze an den Wracks sind komplett von Muscheln überwachsen, so dass man sie kaum noch erkennen kann. Diese Netze lassen sich kaum bergen, sind aber auch keine große Gefahr mehr. Die Taucher haben bei ihrer Expedition aber auch viele Netze völlig ohne Bewuchs gefunden, was wohl an der Imprägnierung und dem Alter der Netze liegt.

    Oft sind diese Geisternetze stark in den Wracks verheddert. Das Problem: Einige alte Schiffswracks stehen unter Denkmalschutz und dürfen nicht beschädigt werden. Die Bergung durch den WWF muss sich deshalb auf jüngere Wracks beschränken.

    Bodenlebende Fische wie Seeskorpione oder Dorsche sind durch die Geisternetze an den Wracks in der Ostsee besonders gefährdet. Sie suchen am Boden nach Nahrung und können dabei in die Netze schwimmen und sich verheddern.

    Die Ostsee ist das größte Brackwassermeer der Erde, der Salzgehalt des Wassers variiert stark. Das führt dazu, dass Fischarten wie Dorsch und Hering vorkommen, aber auch typische Süßwasserfische wie Barsche und Hechte. Eine große biologische Vielfalt kennzeichnet das relativ kleine und flache Meer, das aber auch mit großen Umweltproblemen kämpft. Die hier abgebildete Ohrenqualle (Aurelia aurita) ist in der Ostsee in großen Mengen zu finden. Quallen gehören zu den Gewinnern der Überfischung und der Überdüngung der Meere. Ihre Biomasse nimmt in den meisten Meeren stark zu Die Ohrenqualle ist übrigens für den Menschen harmlos.

    Auf diesem Bild wird ganz deutlich, wie viele Netze sich an einem Wrack verfangen. Manche Ostsee-Wracks sind völlig von Geisternetzen bedeckt. Weltweit besteht fast ein Zehntel des Meeresmülls aus verloren gegangenen und weggeworfenen Fischernetzen.

    Geisternetze sind eine tödliche Falle für viele Meeressäuger, Seevögel und Fische. Ihre haltbaren Kunststoffmaterialien zersetzen sich erst nach Jahrzehnten.

    Wir brauchen eure Unterstützung! Zum Bewispiel mit einer Mitgliedschaft. Eure regelmäßige Spende hilft uns, die Geisternetze aus der Ostsee zu bergen!

    Fotos © Philipp Kanstinger / WWF

Kommentare

8 Kommentare
  • Gluehwuermchen
    Gluehwuermchen Schiffwracks unter Denkmalschutz...ach du je. Wer kann die denn da unten überhaupt angucken? Ist das nicht übertrieben angesichts der Gefahr, die sie darstellen?
    8. April 2014
  • Ronja96
    Ronja96 Ich wusste gar nicht, dass so etwas passieren kann. Das ist echt erschreckend.
    8. April 2014
  • LilianA
    LilianA Für mich war es auch neu das zu erfahren und es ist echt furchtbar! Gut, dass sich die Taucher darum kümmern! Ist ja wirklich kein Zustand. Die Tiere dort sind schon genug gefährdet durch menschliches Eingreifen.
    9. April 2014
  • Kerstin
    Kerstin Davon hab ich noch nie gehört, aber es ist wirklich schrecklich. Diese Fische können nicht noch mehr Bedrohungen gebrauchen!
    9. April 2014