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Die letzten Naturparadiese der Erde: Die Prärien Nordamerikas

  • Über 638 400 Quadratkilometer erstrecken sich die weiten Prärien Nordamerikas über den südöstlichen Teil der kanadischen Provinz Alberta sowie den Südwesten der Provinz Saskatchewan und den Ostausläufern der Rocky Mountains, den Osten Montanas, den Westen Nord- und Süddakotas sowie den Nordosten Wyomings in den USA. Damit bilden sie eine der größten Ökoregionen des gesamten amerikanischen Kontinents.

    Mit 90 Km/h Höchstgeschwindigkeit ist der Gabelbock das schnellste Tier der Welt auf weite Distanzen.

    ©ingrids-welt.de

     

    Tötet nicht die Bäume, macht nicht das Wasser unserer Flüsse trübe.                                             Reißt nicht das Eingeweide unserer Erde auf. Sonst werden die Flüsse und Bäume weinen.           Wenn ihr das nicht befolgt, wird es schlimme Konsequenzen für euch haben.                       
    Eines Tages wird die Erde weinen, sie wird um ihr Leben flehen, sie wird viele Tränen weinen. Ihr werdet die Wahl haben, ihr zu helfen oder sie sterben zu lassen, und wenn sie stirbt, sterbt ihr auch."

     Keokuk (Häuptling der Sauk)

    Mit 4000 Kilometern zwischen den Rocky Mountains in Montana und St. Louis ist der Missouri länger als der Mississippi, in den er mündet, und damit der längste Fluss in den USA.
    © oldmantravels (flickr.com)

    Endlose Ebenen, von Blumen übersät und unzähligen Wildtieren gesäumt – dieses faszinierende Naturschauspiel erwartete die ersten Pioniere, die bis in diese Regionen vorstießen. Stille beherrschte die weiten Flächen auf denen Elche wie Schmetterlinge, Bisons wie Ameisen zu finden waren. Doch mit dem Ankommen der Siedler veränderte sich die Landschaft drastisch. Systematische Bepflanzung sowie die Nutzung als Weideflächen für die Viehwirtschaft setzten den fruchtbaren Böden der Prärie zu. Ehemalige Wälder wurden zu Schandflecken, nur die letzten Baumstümpfe erinnerten an das, was einmal war, bevor die Bäume abgeholzt und der Boden nutzbar gemacht wurde. Nichts ließ mehr die weiten Flächen der ehemaligen Prärie vermuten, denn um die Farmen war nichts als riesige Nutzflächen zu entdecken. Die Jagd, die ehemals zum Ernähren der Menschen diente, artete zu einem Akt puren Vergnügens aus, wovon die nunmehr trist und leer wirkenden Flächen zeugen.

    Mit der steigenden Nutzung der Prärien Nordamerikas erlebte Kanada und die Vereinigten Staaten einen Aufschwung zu führenden Nationen auf der Welt. Doch zur selben Zeit verschwanden die Ureinwohner oder wurden in Reservate gepfercht. Jedoch versuchen sie bis heute, ihre Kultur zu verteidigen – eine Kultur, die mit der Natur, in der die Ureinwohner leben, im Einklang ist. Trotz dem Einfallen der Siedler herrscht diese Kultur in den endlos scheinenden Flächen des Nordens vor.

    Ein ausgezeichneter Jäger – der Kanadische Luchs darf bis heute in den Vereinigten Staaten gejagt werden. Doch dies hat glücklicherweise nicht zur Gefährdung der Art geführt.

    © medienwerkstatt-online.de
     


    Die Prärien Nordamerikas und ihre Vegetation werden vom rauen, kalten Winter charakterisiert. Die Temperaturen betragen bis zu minus zehn Grad Celsius. Nach dem sehr kurzen Frühling prägen immer wiederkehrende Trockenperioden die Landschaft. In den nordöstlichen Gebieten kommen vorwiegend Laubwälder vor, die, mit steigender Höhe, von Nadelwäldern verdrängt werden. Die vielfältigen Graspflanzen werden gen Norden hin seltener, dort wird die Landschaft vor allem vom Einjährigen Rispengras (Poa annua) und durch die etwas selteneren Koelaria-Arten gekennzeichnet. Kennzeichnend für das Ökosystem der Prärien Nordamerikas ist hohe Anzahl der vielfältigsten Gräser und Sträucher. Je trockener die Gebiete werden, desto mehr trifft man auf Kakteen und Feigenkaktusarten. Die Täler und Flussterrassen der Prärie sind mit Pappeln (Populus spp.), Weiden (Salix spp.) und dem Eschenahorn (Acer negundo) gesäumt.

     

    Der Amerikanische Schwarzbär ist der größte Fleischfresser in den Prärien Nordamerikas. Die Jungen bleiben mindestens ein Jahr bei ihrer Mutter, um alles Nötige für das harte Überleben zu erlernen.

    © wdr.de


    Die Prärien Nordamerikas sind bei weitem keine eintönige Landschaft, bei der ein Fleck dem anderen gleicht. Die Ökoregion beherbergt eine Vielzahl von Überraschungen. Die Populationen der Säugetiere allein sind für diese hoch im Norden liegende Region riesig. Bis 1850 herrschte eine Art über die weiten Prärien Nordamerikas – das amerikanische Bison (Bison bison). Heute ist der Bestand der kraftvoll anmutenden Tiere drastisch reduziert, die wenigen Herden werden zumeist auf Farmen gehalten, welche privat oder von Ureinwohner betrieben werden. Ebenfalls im Ökosystem zu Hause ist der Kojote (Canis latrans), dessen Habitat sich durch das Vordringen der Zivilisation sich sogar vergrößert hat. Dadurch kommt es auch gelegentlich zu Paarungen zwischen Kojoten und Hunden. Die Prärien Nordamerikas sind ebenfalls die Heimat des amerikanischen Rotfuchses (Vulpes fulva), des Waschbären (Procyon lotor), des Grauhörnchens (Sciurus carolinensis), des Amerikanischen Murmeltiers (Arctomys monax), des amerikanischen Schwarzbären (Ursus americanus), des Weißwedelhirschs (Odocoileus virginianus), des Europäischen Bibers (Castor fiber), des Eurasischen Wolfs (Canis lupus lupus) und des kanadischen Luchses Lynx lynx canadensis). Bei den Amphibien sind der Graue Laubfrosch (Hyla versicolor) sowie der Amerikanische Ochsenfrosch (Rana catesbeiana) zu finden. Auch die Vogelwelt der Prärien weist faszinierende Arten auf: der Raufußkauz (Aegolius funereus), der Virginia-Uhu (Bubo virginianus), der Blauhäher (Cyanocitta cristata), die Blauflügelente (Anas discors), der Kanadareiher (Ardea herodias) sowie der Steinadler (Aquila chrysaetos) sind in den Prärien Nordamerikas anzutreffen.                                                             Im Gebiet der Großen Seen findet man außerdem die bedeutendsten Brutstätten des vom Aussterben bedrohten Gelbfuß-Regenpfeifers (Charadrius melodus). Der Königsbussard (Buteo regalis) und die Höhleneule (Athena cunicolaria) sind ebenfalls gefährdet. Doch der WWF und andere Umweltschutzorganisationen bemühen sich um den Erhalt jeder Art dieses faszinierenden Naturparadieses…

    Der Wolf drohte auch in den Prärien Nordamerikas vom Menschen ausgerottet zu werden, da er als Jagdkonkurrent galt. Erst in den letzten Jahrzehnten wurden Projekte zum Erhalt des Wolfs ins Leben gerufen.

    © Ulli J. (flickr.com)

     

     

    Ein Blick in die Zukunft:
    Von der ursprünglichen Ökoregion sind heute mehr als 85 Prozent Anbau- und Weideflächen. Einigen Schätzungen nach kann man in den kanadischen Gebieten nur noch zwei Prozent als intakte Lebensräume bezeichnen. Es bestehen allerdings gute Chancen, dass das Gebiet sich wieder erholen kann, weshalb zahlreiche Projekte gestartet wurden. Projekte mit dem Ziel, den natürlichen Zustand wieder herzustellen und die Populationen der bedrohten Arten wieder aufzubauen und zu schützen. Projekte mit dem Ziel, eines der letzten Naturparadiese der Erde wieder aufzubauen und zu erhalten!

    Mystisch durchdringt der einschneidende Laut die Stille der Prärie – der Ruf eines Kojoten ertönt oft in dem riesigen Naturparadies. Kojoten verfügen über ein breites Spektrum an Tönen, welches der Kommunikation untereinander dient. Einer dieser Töne ist ein Heulen, welches dem des Wolfes ähnelt.

    © Friedhelm Stille (naturfotografen-forum.de)


    Was tut der WWF, um dieses Naturparadies zu erhalten?
     

    Der WWF Canada hat 2003 ein Projekt gestartet, welches die Prärie erhalten und bis 2025 größtenteils wieder herstellen soll. Zudem werden große Bemühungen zum Schutz der bedrohten Arten unternommen. Hierbei wird sich an den Grundkriterien gerichtet, welche die ursprünglichen Arten, wie das Amerikanische Bison oder der Schwarzfußiltis, an die Ökoregion stellen. Somit könnten auch diese Arten erhalten werden. So könnte es eines Tages wieder möglich sein, dass wir dieselbe Landschaft betrachten können, wie sie einst die ersten Pioniere vor Augen hatten. Eine faszinierende und prachtvolle Landschaft, in der es möglich wäre, als Mensch Fuß zu fassen ohne als zu zerstören. Und möglicherweise erfüllt uns dann dasselbe Gefühl wie die Pioniere, die als ersten die weiten Ebenen der Prärien Nordamerikas erblickten – ein Gefühl von Freiheit und Stolz in einem der letzten Naturparadiese der Erde…
     

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    Dies war ein Bericht aus der Berichtreihe „Die letzten Naturparadiese der Erde“ http://www.wwf-jugend.de/community/artikel/neue-berichtreihe-die-letzten-naturparadiese-der-erde;3179

    Text: Fabian Nagel

    Titelbild: rotel.de

    letztes Bild: spiegel.de

    Quellen: Die letzten Naturparadiese der Erde (Buch), wikipedia.org, tu-berlin.de

Kommentare

6 Kommentare
  • Monamona
    Monamona Sehr sehr schöner Bericht!
    18. August 2013
  • 4lexSchneegans
    4lexSchneegans bei den bildern will man gleich dorthin ,... schon fast fernweh zu einem ort den man nicht richtig kennt
    guter bericht
    18. August 2013
  • Carinaa
    Carinaa Toller Bericht & schöne Fotos
    19. August 2013
  • safetheanimals
    safetheanimals UNGLAUBLICHE BILDER:
    das Buch "die letzten Naturschätze dieser Erde", ist das auch bebildert?
    14. Januar 2014