Berichte

Halbgarer Text und halbherzige Versprechen

  • Man kennt es aus der Schule: Nachsitzen macht aus einem mangelhaften Schüler selten über Nacht einen Einserkandidat. An dieser Erkenntnis hat auch die Verlängerung der Kopenhagener Klimakonferenz in die gestrige Nacht hinein nichts ändern können.

    alt25 Regierungschefs, darunter Vertreter der mächtigsten Staaten, haben in der Nacht mühsam eine politische Erklärung fabriziert. Der so genannte "Copenhagen Accord" wurde schon in der Nacht von den USA als erfolgreicher Abschluss eines Deals verkündet. Doch selbst US-Präsident Barack Obama nannte den Text "unzureichend". Und so war denn die Verkündung eines Abschlusses wohl auch verfrüht. Entwicklungsländer kritisierten den "Copenhagen Accord".

    Zudem musste ohnehin noch das Plenum aus 192 Staaten zusammenkommen und das Dokument annehmen. So vernahm, wer heute morgen das Radio anschalteten, dass die Delegierten weiterhin am Arbeiten waren. Ergebnis des Plenums: Der "Copenhagen Accord" wurde lediglich "zur Kenntnis genommen", aber nicht förmlich angenommen.

    altDie UN-Klimakonferenz ist also nur Millimeter am totalen Scheitern vorbeigeschlittert und endete mit einem desaströsen Ergebnis, das viel zu schwach ist, um einen gefährlichen klimawandel zu verhindern. Der "Copenhagen Accord" enthält zwar das Ziel die Erwärmung der globalen Durchschnittstemperatur auf um 2 Grad zu begrenzen. Immerhin in dieser Hinsicht scheinen sich die Politiker rund um die Welt einig zu sein. Doch was Obama und Co tatsächlich auf den Tisch gelegt haben, wird nach Schätzungen des WWF zu einer Erwärmung von 3 Grad und mehr führen!

    Was sind die Gründe für das schlechte Ergebnis? Der Leiter des WWF-Klimaprogramms Kim Carstensen macht "mangelnde Führungsstärke" und "zu geringe Ambitionen" auf Seiten der Regierungen aus. "Gut gemeinte, aber halbherzige Versprechen unseren Planeten vor einem gefährlichen Klimawandel zu bewahren, sind einfach nicht ausreichend, um einer Krise zu begegnen, die nach völllig neuen Wegen der Zusammenarbeit zwischen Arm und Reich verlangt", so Carstensen.

    altWas bleibt, ist die Hoffnung darauf, dass in den kommenden Monaten die vielen Lücken in dem äußerst vagen Abkommen gefüllt werden und auf die vielen, vielen Klimaschutzinitiativen von Ländern, Städten und Firmen, die schon damit begonnen haben, eine CO2-arme Zukunft zu bauen.

    Um es mit Kim Carstensen zu sagen: "We are dissappointed, but the story continues." Der "Ccopenhagen Accord" ist noch weit entfernt von einem rechtlich verbindlichen Vertrag zum Schutze des Klimas, wie ihn der WWF gefordert hatte. Aber im besten falle wird die Weltgemeinschaft die Arbeit daran in einem halben jahr fortsetzen - bei der nächsten Konferenz.

Kommentare

1 Kommentar
  • Sarah25
    Sarah25 Oh Mann,
    Ich habe ja noch immer die Daumen gedrückt, dass die noch was auf die Reihe bekommen,
    aber Kopenhagen war ja wirklich nicht sehr positiv.
    ABER: Die Hoffnung stirbt zuletzt!
    Also sollten wir immer noch hoffen, dass die Politiker eines Tages die Wi...  mehr
    19. Dezember 2009