Berichte

Wie eine andere Welt...

  • Ich schaue auf den Krater¹ herab. Eine riesige grüne Fläche breitet sich vor mir aus, unterbrochen von dem glänzenden Wasser eines Sees, an den Hängen des Kraterrandes grüner Wald. Überall auf dem Kraterboden entdecke ich Gruppen kleiner dunkler Punkte und frage mich, ob es Gnu- oder Büffelherden sind, oder vielleicht doch Elefanten.
    Ich gehe ein paar Schritte und schaue die Außenseite des Kraterrandes herab. Wellblechdächer glänzen im Sonnenschein. Der braun-grüne Boden ist in kleine Rechtecke unterteilt, Mais und andere Pflanzen werden dort angebaut. Und ich habe das Gefühl innerhalb von einem Moment zwei verschiedene Welten zu sehen...


                                    Gnus, im Hintergrund einige Zebras, im Ngorongoro Krater

    Egal wo ich hinschaue, erblicke ich Tiere. Mittlerweile sind wir in den Krater hinabgefahren. Als erstes kommen wir an Zebras und Gnus vorbei, die in aller Ruhe grasen. Ich kann den 19km breiten Krater ganz überblicken. Der flache See ist von einem rosa Schleier bedeckt – hunderte von Flamingos. Aber auch viele Safari-Autos erblicke ich in den Weiten des Kraters. Wir fahren weiter, vorbei an Zebras, Gnus, Warzenschweinen, entdecken eine Hyäne, ein paar Elefanten im Hintergrund und schließlich Löwen, die sich gut getarnt im gelblichgrünen Gras ausruhen.

    Ich kann nicht richtig realisieren, welche Tiere ich gerade in freier Wildbahn sehe. Tiere, die ich sonst nur aus dem Zoo oder aus Naturdokumentationen kenne. Tiere, deren Existenz in freier Wildbahn fast mein Vorstellungsvermögen sprengen. Ich komme mir vor wie in einem riesigen Freiland-Zoo, wie in einer anderen Welt.

                                                                        Thomson Gazellen

    Wir setzen unseren Weg fort in Richtung Serengeti, dem wohl bekanntesten Nationalpark Tansanias, wenn nicht sogar Afrikas. In Deutschland bekannt geworden durch den Film „Serengeti darf nicht sterben“, ist dieser Nationalpark ein echter Touristenmagnet. Nicht umsonst, muss ich feststellen. Gruppen von Gazellen säumen den Weg, die Weite der Ebene ist atemberaubend. Nach einiger Zeit ändert sich die Landschaft. Das Gras wird höher, später verdichtet sich die Ebene mit Akazien. Und die Landschaft raubt mir noch immer den Atem. Es überrascht mich jedoch schon nicht mehr Zebras, Giraffen oder Elefanten zu entdecken. Ab und zu erscheint es mir aber doch wieder sehr realitätsfern graue Dickhäuter friedlich beim Fressen zu beobachten oder einen Löwen keine zehn Meter entfernt schlafen zu sehen.

    Die Welt um mich herum wirkt friedlich, unbeeindruckt von den vielen Safari-Autos und Touristen, die eifrig Fotos machen. Der Kreis der Natur und das Schicksal der Natur scheint ungebrochen. Ich sehe ein kleines Gnu am Wegesrand, das immer wieder Rufe ausstößt. Doch kein anderer Artgenosse ist weit und breit zu sehen. Es habe die Gruppe verloren und werde wohl bald von einem Raubtier gefressen, erklärt unser Guide. Am liebsten hätte ich es mitgenommen, um es seinem Schicksal zu entziehen, doch mein Verstand sagt mir, ich solle der Natur freien Lauf lassen. Ich fühle mich wie in eine Naturdoku hineinversetzt.

                                            junges Gnu allein in der Weite der Serengeti

    Nur die vielen Touristen und die dazugehörigen Autos, Picknick- , Campingplätze und Lodges passen nicht in das Bild und erinnern mich an die andere Welt außerhalb der Nationalparks. Es erinnert mich sogar viel mehr an das weit entfernte Deutschland als an Tansania. Nach 50 Stunden verlassen wir wieder die Schutzgebiete. Ein komisches Gefühl macht sich in mir breit, als wir den ersten Ort erreichen. Es herrscht das übliche Gewusel von Menschen zwischen Straßen, Häusern und Märkten. Einerseits fühle ich mich wieder zu Hause in der vertrauten Umgebung eines tansanischen Ortes. Andererseits kann mein Kopf nicht verarbeiten, dass nur 40km von diesem alltäglichen Anblick entfernt Elefanten, Antilopen, Giraffen, Löwen und Co. durch die Weiten der Natur streifen.

    Und die letzten Tage kommen mir vor wie ein Traum, deren einziger Realitätsnachweis die Fotos auf der Kamera sind.

    Ihr wollt mehr über meinen Aufenthalt in Tansania erfahren? Dann schaut hier und hier.

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    ¹ die Ngorongoro Conservation Area liegt südöstlich der Serengeti und wurde 1979 von der UNESCO als Weltnaturerbe anerkannt. Der Hauptkrater hat eine Größe von 260km² und ist somit der 6. größste ungebrochene Kraterkessel der Welt. Weiter Informationen findet ihr hier

    Titelbild, Bild 3 & 4: Copyright Michael Hanus

    Bild 1 & 2: Copyright Sarah Hanus

Kommentare

16 Kommentare
  • Lisa18
    Lisa18 Vielen Dank für den wunderschön geschriebenen Bericht und die super Fotos!! Bei dem kleinen Gnu kann ich dich gut verstehen, aber wie du schon richtig sagtest, man sollte der Natur freien Lauf lassen! Ich finde, bei solch schönen Berichten ...  mehr
    23. März 2014
  • yellow.peace
    yellow.peace die fotos sind toll! da würde ich auch gerne mal hin!! :)
    4. April 2014
  • Makanie
    Makanie @Westernpferdle: Ich mag das auch nicht, wenn da so viele Touris sind. Lieber ein bisschen abseits.
    Aber der Bericht war wirklich superschön!
    7. April 2014
  • Gluehwuermchen
    Gluehwuermchen Danke Sarah, für das Teilen dieses einzigartigen Erlebnisses. ich kann gut nachvollziehen, dass du so oft mit dem Realitätsgefühl haderst. Ich wünsche dir noch eine tolle Zeit in Tansania!
    8. April 2014