Berichte

Weniger NGOs, mehr Unklarheit

  • Die Situation in Kopenhagen spitzt sich in jeder Hinsicht immer weiter zu. Während sich an der offiziellen Verhandlungsfront die Lage offenbar weiter verdüstert, verschlechtert sich auch täglich die Lage der NGOs. Gestern waren die Mitstreiter von Avaaz und Friends of the Earth (in Deutschland BUND) schon komplett ausgeschlossen. Stundenlang harrten sie mit einem Sitzstreik im Eingangsbereich aus und demonstrierten für ihr Recht, die Verhandlungen weiter zu verfolgen, während WWF-Kollegen und andere versuchten, die UN zur Aufhebung der Maßnahmen zu bewegen.

    Dass es ihr gutes Recht ist, steht eindeutig fest. Am 8. Oktober diesen Jahres trat die so genannte Aarhus Konvention in Kraft, welche der Zivilgesellschaft - also damit gerade auch den NGOs wie WWF und BUND - die Teilnahme an Verhandlungen der Vereinten Nationen zu Klimawandelfragen zusichert. Die dänische Regierung hat diese Konvention der United Nations Economic Commission for Europe (UNECE) unterzeichnet und ratifiziert, ist also an ihre Einhaltung gebunden. Der WWF vertritt 5 Millionen Menschen weltweit, alle NGOs, die im Climate Action Network zusammengeschlossen sind, sogar 450 Millionen Menschen. Bei dieser für die Welt so entscheidenden Konferenz darf die Stimme dieser Menschen nicht ausgeschlossen werden.

    altDoch angesichts der Tatsache, dass von ursprünglich 25.000 registrierten Vertretern der Zivilgesellschaft heute und morgen angeblich nur noch 300 zugelassen sein sollen, stellt sich die Frage, ob Dänemark und die Vereinten Nationen sich gerade an diese Konvention halten. Grundsätzlich haben der WWF und die anderen NGOs durchaus Verständnis dafür, dass angesichts der Teilnahme von über 100 Regierungschefs die Sicherheitsvorkehrungen verschärft werden müssen. Doch warum mussten deshalb manche Organisationen komplett ausgeschlossen werden und NGO-Vertreter stundenlang vor dem Konferenzgebäude in der Kälte warten?

    Denn die NGOs werden als Beobachter und Antreiber nun mehr gebraucht denn je zuvor. Sie sollten bis zum Ende als Beobachter dabei sein, um sicherzustellen, dass die Verhandlungen wieder in die richtige Spur geraten, und Lösungsvorschläge unterbreiten. Denn trotz der Ankunft der Minister fehlt es weiterhin an Führungswillen. Positive Vorstöße, die den Verhandlungen einen neuen Schub geben könnten, sind selten. Meistens werden Statements wiederholt, die schon zigfach gemacht worden sind. Die Staaten verharren auf ihren Positionen.

    Die Nachtsitzungen von Dienstag auf Mittwoch brachten so zum Beispiel keine Lösung zustande, wie den Entwicklungsländern finanziell bei der Bewältigung der Folgen des Klimawandels und eigenen Klimaschutzbemühungen geholfen werden kann. Die Angebote für Emissionsreduktionen sind weiterhin viel zu niedrig. So ist die Welt derzeit weiterhin auf einem Kurs, der uns eine Erhöhung der globalen Durchschnittstemperatur von mehr als 4 Grad gegenüber vorindustriellen Zeiten bringen könnte. Außer Barack Obama und die anderen Regierungschefs schaffen es, in den verbleibenden 48 Stunden das Ruder herumzureißen.

Kommentare

1 Kommentar
  • Sarah25
    Sarah25 Sauerei, dass sie nicht mehr alle Organisationen reinlassen.
    Klar, Sicherheitsvorkehrungen und so...
    aber dann können sie doch keine ganzen Organisationen wie den BUND rausschmeißen.
    Hoffentlich kommt noch irgendetwas zu Stande !!!
    18. Dezember 2009