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amaZOOnico - den Regenwald retten ist gar nicht so einfach

  • Wenn man mit der Schule fertig ist und noch nicht richtig weiss, was man studieren moechte, dann kommt einem ein Jahr im Ausland ganz verlockend vor. Ueber weltwaerts habe ich dann ein Projekt gefunden, das voellig meinen Interessen entspricht: Amazoonico; eine Tierauffangstation im Regenwaldgebiet - ein Jahr und viele Motivationsbriefe spaeter bin ich tatsaechlich da: in Ecuador, mitten im Regenwald. Die naechste Stadt ist eine Kanufahrt und 1 ½ Busstunden entfernt. Das amaZOOnico liegt idyllisch gelegen am Rio Arajuno, welcher ein Nebenfluss der Rio Napos ist.
    Das amaZOOnico gehoert zu der Organisation „Selva Viva“. Diese Organisation wurde vor 20 jahren von Schweizern und Ecuadorianern ins Leben gerufen und sie versucht den ecaudorianischen Rregenwald als Lebensraum fuer Tiere zu beschuetzen und zu erhalten. Das Projekt arbeitet eng zusammen mit der indigenen Bevoelkerung vor Ort, die zu den Quechas gehoeren. Viele Menschen aus der Gemeinde arbeiten fuer "Selva Viva" und auch die Fruechte fuer die Tiere werden von ihnen angebaut.

     

    Im amaZOOnico werden Wildtiere, die vorher Haustiere waren oder die von Wilderern verletzt wurden aufgenommen und versucht wieder auszuwildern. Wer jetzt davon traeumt, eine ganze Horde von Tieren jeden Tag freizulassen, den muss ich enttaeuschen. Leider stirbt ein Drittel der Tiere im amamZOOnico, weil sie in so einer schlechten Verfassung bei uns ankommen, ein Drittel der Tiere bleibt im amaZOOnico, da es nicht moeglich ist diese Tiere wieder auszuwildern, weil sie z. B.: zu sehr an Menschen gewoehnt sind und sie nach der Freilassung direkt wieder zu Menschen zurueckkehren wuerden, wo sie wieder gefangengenommen werden. Das andere Drittel koennen wir aber wieder in die Wildnis integrieren. Dies ist aber nicht sehr einfach. Es ist mit viel Geduld, Arbeit und auch mit einem Haufen Papierkram verbunden. Die Tiere gehoeren genauer gesagt dem Umweltministerium, welches die beschlagnahmten Tiere zu uns bringt. Wenn wir ein Tier auswildern moechten, muss das Ministerium die Zustimmung geben und meistens ist bei einer Auswilderung auch ein Mitarbeiter des Ministeriums dabei.

     

    Die Tiere, die wir vom Ministerium bekommen sind meistens Tiere, die illergaler Weise als Haustiere gehalten wurden und dann konfesziert wurden. Manchmal kann man kaum glauben, was die Menschen so alles im Garten halten. Vom Nasenbaer zum Tapir und Kaiman war schon alles dabei.

    Auch wenn es nicht hunderte von Tieren sind, die wir tagtaeglich auswildern, so kann man doch sagen, dass man auch mit kleinen Schritten etwas bewirken kann. Mittlerweile gehoert zu dem Amazoonico auch ein 1700ha grosser Schutzwald, in dem Jagen und Baeume faellen verboten ist, und in dem wir unsere Tiere freilassen. Dieser Wald beherbergt Tucane, Tapire, Ozelote, viele verschiedene Arten von Affen und noch viel mehr. Dort leben auch Gruppen von Totenkopfaeffchen, die vor dem Beginn des Projektes in dieser Gegend ausgerottet waren.
    Da es aber auch noch Tiere gibt, die nicht ausgewildert werden koennen, hat man als Freiwilliger auch die Arbeit sich um diese Tiere zu kuemmern. Falls ein Tier krank wird, kann der Tierarzt oder die Biologin helfen, die auch in der Station leben. Als Volontaer im amaZOOnico bereitet man das Futter fuer die Tiere zu, reinigt die Kaefige, fuettert die Tiere und beobachtet die Tiere, um zu sehen, ob alle gut essen und niemand krank ist. Dazu fuehren wir auch Touristengruppen durch das Zentrum und erklaeren ihnen den Sinn dieser Station und zeigen ihnen ein paar Tiere und erzaehlen ihre Geschichte. Fast jedes Tier hat seine eigene Geschichte. Woher es kommt und warum es hier ist. Wir haben z.B., einen Wollaffen, Martin. Er wird fuer immer im amazoonico bleiben, weil er zurueckgeblieben ist und es deshalb nicht moeglich ist ihn auszuwildern. Er ist zurueckgeblieben, weil ein Wilderer auf seine Mutter geschossen hat, die dann vom Baum gefallen ist. Nur war Martin leider noch auf ihrem Ruecken und ist mit gefallen. Er hat einen Gehirnschaden und eine Behinderung davongetragen. Wegen solchen Geshichten versuchen wir die Touristen, aber auch die einheimische Bevoelkerung darauf aufmerksam zu machen, was fuer ein Schaden das Wilderern haben kann.

     

    Nachdem ich eine traurige Geschichte erzaehlt habe, moechte ich jetzt auch eine lustige und fast erfolgreiche erzaehlen: ein paar Jahre vorher hat das amaZOOnico versucht, eine Gruppe von Klammeraffen auszuwildern. Das hat auch am Anfang gut geklappt, doch ist diese Gruppe irgendwann zurueck gekommen und lebt nun seitdem auf dem Dach des Volontaershauses und uebt sich darin, auf die Koepfe der Volontaere zu pinkel und so viel Essen wie moeglich aus der Kueche zu stehlen. Wenn man nur eine Sekunde die offene Kuechentuer aus den Augen laesst, ist schon ein Affe in die Kueche geschluepft und wuehlt seelenruhig in der Gemuesekiste. Nur durch eine ordentliche Ladung Wasser laesst er sich dann von seinem Vorhaben abbringen...

    Wenn ihr mehr ueber die Arbeit als Volontaer erfahren wollt, oder ueber die Zusammenabreit mit der indigenen Bevoelkerung koennt ihr gerne auf der Internetseite vorbei schauen oder mich fragen. :)

     www.amazoonicorescuecenter.com (dies ist die neue Homepage, zur Zeit ist sie noch nicht online, aber in ein paar Wochen)

    www.selvaviva.ec (dies ist die alte Homepage, die leider nicht mehr ganz aktuell ist.)


     

Kommentare

13 Kommentare
  • Morgentau
    Morgentau Ich kann mich den anderen nur anschließen! Wow!
    6. März 2014
  • JaneCS
    JaneCS Ein super Bericht, danke!
    Da bereut man fast (sofort) sich für das soziale Jahr entschieden zu haben...
    PS.: Wasserschwein ;)
    7. März 2014
  • FranziL
    FranziL Wow, das ist ja echt \'ne wundervolle Möglichkeit zwischen dem Schulabschluss und dem Studium/der Ausbildung noch etwas sinnvolles zu tun. Ich will nach meinem Abi auch ins Ausland, weiß aber noch nicht genau was ich machen möchte, aber d...  mehr
    8. März 2014
  • AmyNew
    AmyNew Wow, toller Bericht! Da bekommt man richtig Lust, selbst mitzumachen! Ich selbst möchte auch am liebsten nach dem Abi ins Ausland... :) oder halt den Naturschutz hier mit einem FÖJ unterstützen
    17. Juli 2014