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Arbeit des WWF in Tansania - Ein Interview

  • Mitte Januar besuchte ich zusammen mit zwei anderen Freiwilligen Jan und Malte den WWF Tansania in Dar Es Salaam. Dort trafen wir den Koordinator des Waldprogrammes Isaac Malungu, mit dem wir ein interessantes Interview über seine Arbeit und die Arbeit des WWF in Tansania führten. Damit auch ihr einen EIndruck der Arbeit des WWF Tansania bekommen könnt, habe ich unser Interview in Deutsch übersetzt. Viel Spaß beim Lesen!

    Was ist Ihre Position beim WWF Tanzania?

    Mein Name ist Isaac Malugu und meine Rolle hier im Waldprogram ist, alle Waldprojekte in ganz Tanzania zu koordinieren. Wir haben Projekte im Norden Tansanias, in Tanga in den Usambara Bergen, den Eastern Arc Mountains und dann haben wir Projekte im Süden Tansanias, im Küstenwald. Wir haben auch Projekte in den Uzungwa Bergen, die auch Teil der Eastern Arc Berge sind. Und dann haben wir das REDD Projekt¹. Das ist meine Rolle.

    Und das müssen Sie alles koordinieren?
    Ja, ich muss alle Projekte koordinieren.

    Haben Sie so etwas wie extra Stationen in all diesen Waldregionen oder arbeiten Sie mit lokalen Partnern?

    Wir haben eine vielfache Herangehensweise. Wir arbeiten mit Partner. Wir haben Partner da draußen, da ist die Tanzanian Forest Conservation Group, falls ihr davon gehört habt. Da ist Mjumita. Mjumita ist ein Gemeindenetzwerk, da ist auch Hakiardhi, das ist ein Organisation zu Landrechten. Wir arbeiten mit Camco. Sie sind Energieexperten, sie sind auf erneuerbare Energien spezialisiert. Wir haben ein Projekt zu Holzkohle, nachhaltige Holzkohleproduktion and dann arbeiten wir mit Sokoine University für das REED Projekt.
    Das ist eine Herangehensweise: lokale Partner. Aber wir haben auch einen anderen Ansatz, wobei wir direkt mit den Gemeinden zusammenarbeiten und grundsätzlich übernehmen wir den Teil des Waldmanagements, welches ein nationaler Ansatz ist, wobei wir die Gemeinden involvieren, ihre Waldressourcen zu verwalten.
    Und dann arbeiten wir auch mit der Regierung zusammen durch den Tanzanian Forest Service. Der Tanzanian Forest Service ist eine halbautonome Behörde. Jetzt führen wir ein Projekt genannt „Küstenwald“ durch, um die Infrastruktur des Küstenwaldes zu erweitern. Der Tanzanian Forest Service ist auch unser Partner, mit dem wir diese Projekte durchführen, eingeschlossen auf Zanzibar.

                         Malte, ich und Jan mit Isaac in seinem Büro nach einem langen Interview

    Welche anderen Projekte führt der WWF Tansania momentan durch?

    Wir haben einige Projekte im Rahmen von Frischwasser. Dazu haben wir Projekte in Iringa und Mbeya. Grundsätzlich arbeiten wir dort mit Wassernutzerverbände für ein nachhaltiges Wassermanagement.
    Und dann haben wir ein Projekt zu Wildlife, wobei es um gemeindebasiertem Management von natürlichen Ressourcen geht.Wir haben ein Projekt zu Wildlife Management Areas, das in einigen geschützten Gebieten wie dem Selous Game Reserve und anderen Game Reserves in Tansania durchgeführt wird. Und dann haben wir Projekte in CSOs². Es ist ein Programm, das mit allen CSOs in Tansania zusammenarbeitet und konzentriert sich auf natürliche Ressourcen, Forstwirtschaft, Wildlife, Wasser und seit kurzem gibt es auch Engagement zu Öl und Gas im südlichen Teil Tansanias.
    Und dann geht es um Regierungsführung, welches ein überschneidendes Thema ist, es heißt „Policy und Governance“, Engagement zu Regierungsführungsangelegenheiten. Wie ihr wisst sind die meisten Herausforderungen in diesem Land über Regierungsführung, Regierungsführung über natürliche Ressourcen.
    Aber wir haben auch TRAFFIC, ihr Haus ist hier. Wir arbeiten eng mit ihnen zusammen zum Thema illegaler Holzhandel und Wildtierhandel.

    Was sind die wichtigsten Herausforderungen, die sie haben?

    Also es gibt so viele. Deswegen sind wir hier, um mit Partner und anderen und allen Interessengruppen zu arbeiten, um diese Herausforderungen anzusprechen. Zum Beispiel ist beim Thema Wald der illegale Abbau von Holzprodukten die hauptsächliche Herausforderung. Aber im Allgemeinen ist es die ganze Angelegenheit der Regierungsführung. Vielleicht erinnert ihr euch, dass 2005 der illegale Abbau in diesem Land ziemlich groß war und die Produkte nach China und in andere asiatische Länder transportiert wurde. Das war die Zeit als dieses Land viel illegalen Abbau bezüglich Wälder, Holzprodukte, erlebte. Bis jetzt ist der illegale Abbau von Holzprodukten eine Herausforderung.

    Aber mit Wildtieren ist es das Gleiche. Elefanten werden wegen ihrer Stoßzähne getötet. Das ist eine andere große Herausforderung. Natürlich versucht das ganze Land dagegen zu kämpfen und kürzlich gab es eine Operation, habt ihr von der Operation Tokomeza gehört? Tokomeza ist ein Suaheli-Wort und steht für beseitigen. Die Operation Tokomeza war ein Schlag gegen alle Wilderer und hauptsächlich konzentrierte sie sich darauf, die Anzahl der wegen ihrer Stoßzähne getöteten Elefanten zu reduzieren. Und natürlich gibt es noch andere Herausforderungen wir Mensch-Tier-Konflikte, die es überall gibt, weil Tiere aus ihren Gebieten herausgehen oder Gemeinden nahe Schutzgebieten siedeln und so die Wildtierkorridore blockieren.

                                       Bürogebäude des WWF Tansania in Dar es Salaam

    Es gibt Herausforderungen bei der Wassernutzung und -verwaltung. Denn man findet Bauern, die ihr Vieh nahe Wasserquellen grasen lassen, zum Beispiel nahe Flüssen. 2010 wurden Bauern von den großen Feuchtgebieten im südlichen Hochland umgesiedelt wegen des Vieh. Es graste in den Feuchtgebieten, sodass die Feuchtgebiete schrumpften und austrockneten. Also wurden sie umgesiedelt. Aber sie haben sich nahe anderen Flüssen wieder niedergelassen, verursachen also noch immer eine Herausforderung. Und natürlich trocknen die Flüsse auch aus anderen Gründen aus: Klimawandel und -schwankungen. Die Bauern bauen nahe der Flüsse an und verkleinern die Flüsse und Wasserquellen. Natürlich streben wir nach und bemühen uns um eine nachhaltige Verwaltung von allen natürlichen Ressourcen.

    Wenn du diese Agenda hast, ist es nicht leicht. Du musst Leute schulen, du musst dich mit dem Bewusstsein beschäftigen und Leute dazu bringen zu verstehen und schließlich erreichst du deine Ziele. Das Problem der Holzkohle, ich habe es vergessen zu erwähnen beim Thema Wald. Holzkohle ist eine große Angelegenheit, eine Herausforderung. Wir haben ein Pilotprojekt zu nachhaltiger Holzkohleproduktion ausprobiert. Wir haben es in Piji ausprobiert. Das ist im Süden Tansanias. Dort kommt heutzutage die meiste Holzkohle her. Wir bildeten die Gemeinden aus, effizientere Öfen zu bauen.


                      Die Mission des WWFs auf der Rückseite des Besucherausweises

    Wie versuchen Sie den Herausforderungen zu begegnen, vor allem Wilderei und illegaler Holzschlag?

    Wie ich erklärt habe, sind all diese Herausforderungen in Angelegenheiten der Regierungsführung eingebettet. Also versuchen wir sehr gegen die Regierungsführung vorzugehen. Zum Beispiel gibt es eine Kampagne, die Mama Msitu heißt, unsere Waldkampagne. Habt ihr davon gehört?

    Ja wir haben einen Sticker davon in unserem Office.

    Durch Engagement in der Regierungsführung denken wir, können wir das ganze Problem vom illegalen Abbau von Holzprodukten aufzeigen. Da die Kampagne mehr über Bildung, Bewusstsein ist und den Leuten zu erzählen die Regulierungen zu befolgen zum Beispiel Abbauregulierungen. Wenn du politische Arbeit machst, geh nicht hin und erzähle den Menschen etwas. Das funktioniert nicht. Man muss die Menschen sensibilisieren. Sie sollten es selbst wissen und kontrollieren.
    Das war unsere Arbeit, um das Problem des illegalen Abbaus aufzuzeigen und es passiert etwas, denn anfangs, als ich im Süden Tansanias arbeitete, arbeiteteten wir mit Gemeinden zusammen. Sie riefen uns an, dass wir bitte kommen sollten, da ein Laster mit Holz dort sei. Heutzutage hat sich die Geschichte geändert. Sie rufen uns an und sagen, sie haben den Laster beschlagnahmt. Ob wir ihnen bitte bei den nächsten Schritten helfen können? Das ist die Veränderung. Sie greifen selbst ein. Und das ist, was wir wollen.

                                 Poster in Isaacs Büro zum Thema Wilderei von TRAFFIC

    Zum Beispiel haben wir die Waldreservate in Dörfern vorangebracht, welches im Einklang mit der Waldpolitik sind, die vorsieht, dass Gemeinden ihre eigenen Dorf-Waldreservate³ einrichten. Wenn sie ein Waldreservat im Dorf einrichten, dann sind sie die Eigentümer, sie haben die Kontrolle. Was auch immer in ihrem Waldreservat passiert, werden sie kontrollieren. Sie werden darauf aupassen, alles in Ordnung zu bringen. Das ist der einzige Weg die Herausforderung des illegalen Abbaus von Waldprodukten zu kontrollieren.

    Wenn wir über Wildtiere reden, ist es die Arbeit von allen, angefangen bei dem Individuun über die Regierung bis hin zur internationalen Gemeinschaft, denn die Wilderei von Wildtieren ist gut vernetzt. Sie ist international. Unsere Freunde von TRAFFIC haben uns gerade dieses Poster gegeben. Da ist Chinesisch, Suaheli und Englisch, sie versuchen alle anzusprechen. Und ich habe die Operation Tokomeza erwähnt, welches eine nationale Operation war.
    Wir als NGO können nicht raus gehen und Patrouillen unternehmen. Unsere Arbeit ist Lobbyarbeit zu machen, die Politik und Interessenvertretungen zu verpflichten, sich mit den Problemen der Wilderei, der Wildtiere zu beschäftigen. Das ist unsere Mission, die wir hier in Tansania versuchen zu machen.

    Hier geht es zum zweiten Teil des Interview. Darin geht es um die Erfolge des WWF, einen Lieblingsort in Tansania und die Zukunft der Natur in Tansania!

    Habt ihr Fragen oder Anmerkungen? Dann hinterlasst doch einfach einen Kommentar :)

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    ¹REED steht für "Reducing Emissions from Deforestation and Forest Degradation". Es ist eine Initiative der UN zur Bewältigung und Minderung des globalen Klimawandels durch eine Senkung der Treibhausgas-Emissionen, die in unsere Atmosphäre treten.

    ²CSO steht für "Civil Society Organization". Dazu zählen unter anderem NGOs, Gewerkschaften und religiöse Organisationen.

    ³ Orginal: Village Land Forest Reserves. Es handelt sich dabei um eine Art von gemeindebasiertem Waldmanagement, bei dem der Wald von der gesamten Gemeinde verwaltet wird.

    Bilder: Copyright Malte Gallee

Kommentare

5 Kommentare
  • Cookie
    Cookie Ich kann mich Kerstin da nur anschließen. Danke für dieses interessante Interview. :)
    25. Februar 2014
  • MaggieMaus
    MaggieMaus Hast dir viel Mühe gegeben! Wie schön, dass du dich so engagierst und auch noch ins Ausland fährst :)
    Die Rückseite von der Besucherkarte hat mich richtig fasziniert :)
    25. Februar 2014
  • Ronja96
    Ronja96 Vielen Dank für das Interview! Es ist wirklich interessant, was der WWF in Tansania macht. =)
    26. Februar 2014
  • Westernpferdle
    Westernpferdle Ich schließe mich den anderen an, das ist wirklich sehr interessant!!:)
    27. Februar 2014