Berichte

Olympische Spiele in Sotschi

  • In 2 Wochen beginnen die Olympischen Spiele in Sotschi. Es sollen „grüne Spiele“ werden. Was das Für die Betroffene Region heißt, ist allerdings fraglich.

    Im September verkündeten der im IOC für Sotschi verantwortliche Franzose Jean-Claude Killy und der für die Organisation der Spiele zuständige stellvertretende russische Ministerpräsident Dmitrij Kosak vor Journalisten aus vielen Ländern, dass die Vorbereitungen phantastisch liefen. Die Welt könne sich auf wunderbare Spiele freuen, deren positive Auswirkungen auf die Stadt schon jetzt zu spüren seien.
    Das dürften manche Anwohner wahrscheinlich anders sehen.

    Durch die kleine Siedlung Achschtyr brettern ungefähr 250 LKW Tag und Nacht, um Steine aus dem nahegelegenen Steinbruch aufzuladen und abzutransportieren. Die Steine werden für die Olympischen Sportanlagen benötigt.
    Ein Protokoll von Ende Juni von einer Besprechung unter Leitung des stellvertretenden Ministerpräsidenten Dmitrij Kosak besagt, dass einer der Steinbrüche von Achschtyr für olympische Bauabfälle genutzt werden solle.
    Niemand weiß genau, was seitdem in den Krater oberhalb des Dorfes gekippt worden ist, aber Umweltschützer und Fachleute der Russischen Geographischen Gesellschaft befürchten, dass giftige Stoffe in den Boden sickern oder sogar ins Trinkwasser gelangen könnten. Die Müllkippe gilt amtlich als illegal, etwas daran geändert hat aber bisher niemand. Ein Bewohner von Achschtyr sagt, die Verantwortlichen hätten schnell Erde darauf gekippt, damit es niemand mehr sehen könne.
    Viele Bewohner haben an den Hängen Obst angebaut und damit ein wenig verdient, aber das will jetzt keiner mehr kaufen, denn jetzt liegt so viel Staub darauf, dass man ihn nicht abwischen kann. Angeblich sind bereits Menschen krank geworden wegen des Staubs. Er setze sich direkt in den Lungen fest, so eine Anwohnerin.

    Eigentlich war das Gebiet mal ein Nationalpark. „War“ deswegen, weil dieser Status dem Gebiet entzogen wurde. Die Bäume wurden abgeholzt um an die Steine heranzukommen.
    Früher habe es innerhalb der Stadtgrenzen des Kernortes Sotschi 30 Quadratmeter Grünfläche pro Einwohner gegeben, sagt Umweltschützer Wladimir Kimajew, heute seien es noch drei. In den Flüssen wurden die Orte zerstört, wo die Lachse laichen.
    Es habe auch mal einen natürlich gebildeten Strand aus Felsen und Sand gegeben, doch der sei den Umbaumaßnahmen zum Opfer gefallen. Und der kolchidische Wald sei auch zerstört worden. Dafür seien Palmen aus Italien eingeflogen worden, die irgendwo im Sumpf gepflanzt wurden. Er habe sich einmal vor ein das Gelände mit den neu gepflanzten Bäumen angeschaut. Nur vereinzelte Setzlinge hätten überlebt, sagt er, die meisten seien verkümmert.
     

    Die Steinbrüche senken den Wasserpegel. Deshalb ist der Brunnen versiegt. Nun kommt einmal in der Woche ein LKW und bringt den Bewohnern Wasser. Allerdings fällt dieser auch schon einmal aus und sie müssen dann 2 Wochen lang auf ihn warten.
    In Achschtyr gibt es zu wenig Wasser, in Mirnyj gibt es zu viel davon.
    Das Gelände des olympischen Parks war mit Erde um etwa drei Meter angehoben worden, damit die Stadien oberhalb des Meeresspiegels liegen und auf trockenem Boden stehen. Dabei waren auch viele Kanäle einfach zugeschüttet. Das Kanalsystem der Siedlung war allerdings aus dem Takt gekommen und die Bewohner von Mirnyj hatten bei Regen oft eine Überschwemmung zu Hause.


     

    Vorzeige- Siedlungen des Staates sind Tawritscheskij und Nekrasowka. Dort wohnen nun Umsiedler, deren Häuser und Einkommensquellen einer Trainingshalle für Eishockeymeisterschaften weichen mussten. An der Rückseite der Häuser in der vermeintlichen Idylle fließt allerdings das Abwasser, da sich die Regierung weigert sie an das Kanalnetz anzuschließen.


    Die Wettkämpfe gelten mit Kosten von rund 37,5 Milliarden Euro als die bisher teuersten Winterspiele der Geschichte.

    Ein Mann aus Achschtyr :
    "Wir haben weder Wasser, noch eine Verkehrsanbindung, noch Gas. Wir heizen mit Feuerholz, aber das hat man uns verboten, damit keiner der Olympia-Gäste während der Spiele Rauch aus unseren Schornsteinen kommen sieht. Damit alle denken, dass überall alles schön ist und wir eigene Gasleitungen haben."

    Gemäß OK-Chef Dmitri Tschernitschenko sollen diese Winterspiele „die ganze Region verändern“.
    Vielleicht haben sie das sogar schon geschafft.

     

     

     

    Quellen: www.taz.de/!129557/

    www.deutschlandfunk.de/sotschi-2014-die-olympia-verlierer-von-achschtyr.1346.de.html?dram:article_id=271350 

    www.faz.net/aktuell/politik/ausland/europa/sotschi-vor-den-olympischen-spielen-orte-der-gebrochenen-versprechen-12603517.html

    Bilder: www.google.de/imgres

    theinspirationroom.com/daily/2010/sochi-2014-branding/

Kommentare

23 Kommentare
  • Tigerlein
    Tigerlein Die Winterspiele in Sotschi sind ein Produkt von Menschenrechtsverletzungen und Umweltverschmutzung!
    Der einzige Grund, dort hinzufahren, bzw. zu fliegen ist, dort zu demonstrieren!!
    Leider habe ich dafür nicht genug Geld. ;)
    7. Februar 2014
  • safetheanimals
    safetheanimals Hä??
    die haben da kein Wasser und lassen einen Delfin eine Fackel tagen? das muss mir mal einer erklären. Wo genau liegt Sotschi denn jetzt? in Russland oder den Subtropen?(merke gerade mal wieder das ich keine Ahnung habe)wenn es in Russland is...  mehr
    8. Februar 2014
  • AfriKaro
    AfriKaro Ich finde es echt ssssccchhh........schlecht, dass sowas gemacht wird. Es ist ja nicht nur Sotschi, in Rio de Janeiro wird auch die Fußball WM abgezogen, während die Menschen in katastrophalen Verhältnissen leben! Ich habe mir die Erö...  mehr
    8. Februar 2014
  • Servamus
    Servamus #menschlicheintelligenz ?
    27. Februar 2014