Berichte

Klimafreundliche Weihnachten - zwei Selbstversuche

  • Fehlender Weihnachtsbaum, kein Festbraten und kaum Geschenke: das soll Spaß machen?

    Die beiden 2°Campus-Macherinnen Birgit und Ivonne im Zwiegespräch.

    Ivonne: „Grüß Dich Birgit, ein schöner Weihnachtsurlaub war das. Hast Du Dich gut erholt? Wie lief Dein ‚Geschenkexperiment‘?“

    Birgit: Ja, danke, ich habe mich gut erholt. Schön, dich wieder zu sehen. Also das mit den wenigen Geschenken war eine echte Herausforderung. Wie kamen wir dazu? Immer diese Berge von Geschenken und am Ende weiß niemand mehr, was er alles bekommen hat und die Hälfte der Geschenke liegt kaum oder ungenutzt rum. Was für eine Verschwendung…..Nun, die Herausforderung war für mich und meinen Mann weniger groß (wir haben jeder zwei Geschenke erhalten) als für unsere Kinder. Mit ihren 10 und 13 Jahren sind sie voller Wünsche und können sich ja vieles auch nicht einfach so kaufen. Außerdem ist es immer schwierig für Kinder, Gewohnheiten und Rituale zu ändern. Doch unsere Tochter, die 13 Jahre alt ist, war dann doch rasch bereit, das Experiment einzugehen und so machte auch unser Sohn mit. Aber weißt du, was noch viel schlimmer war? Die Reaktion der Freunde und Bekannten. Sie hatten kein Verständnis, bemitleideten die Kinder und fanden uns als Eltern geradezu gemein. Wir hielten aber an der Idee fest und verhandelten mit den Kindern, dass sie je drei Geschenke bekommen durften. Und nun begann etwas Tolles: die Kinder mussten überlegen, welche drei Dinge ihnen so wichtig sind, dass sie es auf die Wunschliste schaffen. Dieser Prozess war für uns alles spannend und hilfreich. Und am Ende haben wir gefühlt immer noch ewig ausgepackt – nur war der Berg überschaubarer und alle Geschenke wurden in den Ferien intensiv genutzt. Mal sehen, wie die Geschenke-Verhandlungen dieses Jahr verlaufen werden. Aber sag, wie ist denn dein ‚vegetarisches Experiment‘ ausgegangen?“

    Ivonne: „Ja, weißt du, wirklich gut! Ich hatte mir im Vorfeld gedacht: oft isst man ja an fast allen Weihnachtstagen festliche Braten und viel Fleisch. Das ist ja auch mal lecker, aber muss es gleich so massiv sein? Deswegen hatte ich meiner Familie vorgeschlagen, den Heiligabend doch mal vegetarisch zu verbringen. Ich bin auch gar nicht auf großen Widerstand gestoßen, alle fanden es gut bzw. haben mir den Gefallen getan, mal etwas anders zu machen. Schließlich haben wir uns ein Menü aus eingerollten Eierkuchen mit Mangold, Chicorée und Champignons, dazu Salat der Saison, Sauerkrautsuppe, Brot und Käse schmecken lassen. Es war köstlich und niemand hat sein Fleisch vermisst. Und sowieso ist weniger mehr. Beim Essen macht Qualität viel mehr Spaß als Quantität. Und wie habt Ihr Euer Weihnachtsessen gestaltet?

    Birgit: Hier hatte ich keinen Verhandlungsspielraum. Es gab die traditionelle Fischsuppe mit Salat und als Nachtisch „Mousse au Chocolat“. Aber dafür aßen wir an den anderen Tagen vegetarisch, was uns nicht schwerfiel, da wir keine Fleisch-Fans sind.

    Ivonne: „Das finde ich gut, man muss sich ja auch nicht gleich von allen Traditionen auf einmal trennen. Bei uns gab es dafür zum Beispiel massig Geschenke – was durchaus allen Freude bereitet, weil fast jeder jedem etwas schenkt. Aber der Geschenkpapiermüllberg danach war nicht mehr so festlich. In jedem Fall verschicke ich nächste Weihnachten vorab eine Anleitung zur nachhaltigen Geschenke-Einwickel-Technik. :-)

    Birgit: „Was verbirgt sich denn dahinter?“

    Ivonne: „Na ja, das mag jetzt für manche echt banal klingen: aber wickelt man Geschenke so ein, dass man kein Klebeband benutzt und auch nur eine einfache Schleife bindet, dann ist es viel leichter, ein Geschenk auszupacken, ohne gleich das schöne Papier (ja, auch wenn es bereits recyceltes Papier ist) zu zerreißen. So kann man das Papier und die Schleifen mindestens noch einmal verwenden. So mach ich das immer - garantiert trotzdem schön! Apropros Papier: diese Weihnachten habe ich zum ersten Mal ohne Weihnachtsbaum gefeiert.“

    Birgit: „Bei mir war es schon das dritte Mal. Vor vier Jahren lebten wir für ein halbes Jahr in den USA, kurz nach Weihnachten stand die Rückreise an und es war klar, dass wir keinen Baumschmuck hatten und auch keinen extra kaufen würden. Und so gab es auch keinen Baum, sondern Zweige und einen schönen Adventskranz. Wir entschieden uns als Familie, das Geld, das wir nun durch den fehlenden Weihnachtsbaumkauf eingesparten, zu nutzen, um es den Obdachlosen in Eugene, Oregon, zu geben. Wir schnürten kleine Päckchen mit Lebensmitteln, Kerzen, Socken und Waschsachen und übergaben sie persönlich. Über die Dankbarkeit der Menschen, aber auch unsere notwendige Überwindung sprechen wir noch heute. Einmal probierten wir es wieder mit Baum, tauschten dann aber den Baum gegen das Beschenken der Obdachlosen ein, dann natürlich in Berlin. Das hätten wir nie gedacht, dass aus diesem Verzicht eine Bereicherung werden würde.“

    Ivonne: Ich dachte auch erst, dass es ohne Weihnachtsbaum vielleicht gar nicht gemütlich werden würde, aber ganz im Gegenteil: ein kleiner grüner Tannenzweig und dazu Hagebutten, ein bisschen Efeu und Schneebeeren waren völlig ausgereichender Weihnachtsschmuck. Außerdem war es viel schöner, den Tannenbaum im Januar nicht auf die Straße für die Müllabfuhr legen zu müssen mit der Befürchtung, dass am Ende doch in jedem Weihnachtsbaum ein Tannenbaum wie in Hans Christian Andersens gleichnamigen Märchen steckt. Alles in allem ein wirklich schönes Fest!

    Birgit: „Bei mir auch. Fehlender Weihnachtsbaum, kein Festbraten und weniger Geschenke sind eine Bereicherung – so widersprüchlich das klingt!“

    Ivonne: „So ist es. Mal sehen, welche weiteren kleinen klimafreundlichen Weihnachtsexperimente wir unseren Familien nächsten Jahr noch unterbreiten können.:-) Aber jetzt freue ich mich erst einmal auf das neue 2°Campus Jahr 2014, das vor uns liegt. Diesen Freitag, am 17. Januar, ist Jurysitzung, das heißt, nächste Woche steht der neue Jahrgang fest! Ich bin schon sehr gespannt!“

    Birgit: „Und ich erst!“

    Liebe WWF Jugend Community: Wir freuen uns auf ein spannendes Jahr mit euch und werden euch wieder jede Menge berichten aus unserer 2°Campus Werkstatt. Noch ist der 2°Campus Redaktionsplan nicht ganz fertig: wünscht Ihr Euch vielleicht ein ganz bestimmtes Thema oder brennt euch eine wichtige Frage unter den Nägeln in Bezug auf den Klimaschutz? Wie war Euer Weihnachten? Schreibt uns!

    Eure Birgit und Ivonne aus dem WWF Team
     

    Bilder: Schneewald via flickr_Alie Caulfield; Geschenke via flickr_Roberto Verzo; Gemüsesuppe via flickr_vielphoto; Geschenkpapier via flickr_Stevendepelo; Adventskranz via flickr_Pfeilhofer; Weihnachtsmänner via flickr_CBeas 

Kommentare

13 Kommentare
  • Franzi...
    Franzi... Ich finde es toll, dass man Weihnachten auch "umweltfreundlich" feiern kann.
    Wir recyceln unser Geschenkpapier auch immer, aber ich glaube, dass mir der Weihnachtsbaum fehlen würde...
    16. Januar 2014
  • Himbaerchen
    Himbaerchen Tolle Sache :)
    18. Januar 2014
  • Makanie
    Makanie Coole Aktion!
    Aber wie Franzi würde der Weihnachtsbaum auch mir fehlen.
    Dafür gibt es eine Alternativlösung: Einen kleinen Tannenbaum einen Tag vor Heiligabend samt Wurzeln ausgraben...und danach wieder eingraben!
    20. Januar 2014
  • Ria2000
    Ria2000 Cool, echt toll! :D
    11. Dezember 2014