Berichte

Leben ohne Geld! - Teil 2

  • Vor ca. einem halben Jahr habe ich über Tobi Rosswog berichten. Einen tollen Menschen, den ich beim Jugendkongress in Hannover kennenlernen durfte.
    Tobi hat sich auf eine spannende Reise ohne Geld begeben.
    Jetzt, nach über 6 Monaten, ohne Geld, gibt es ein weiteres Interview.

    (Falls ihr den ersten Artikel noch lesen wollt, den gibt es hier.)

    Lieber Tobi, ich freue mich immer sehr von dir und deinen Erfahrungen zu hören:

    Was hat sich seit unserem letzten Interview verändert?
    Es hat sich viel bewegt. Es gab wunderbare Begegnungen, viel fantastischen und inspirierenden Austausch über eine Gesellschaft von morgen und es ist einfach wundervoll, dass ich dem wundervollen Sonnenkind Pia bei einem Workshop an der Uni Mainz begegnen durfte. Gemeinsam bereisten wir für einige Zeit europäische Länder. Eineinhalb Monate durfte wir in Marseille bei der liebsten Gwendoline – zunächst unsere Couchsurfinghostin, aber dann doch eher unsere Mitbewohnerin – leben, die nun unser Logo für living utopia designt, da sie Teil dieser neuen Bewegung sein möchte. Im warmen Südfrankreich durften wir eine sehr kreative Zeit erleben, wundervolle Erfahrungen sammeln und viele Impulse aufgreifen, die zu neuen Projektideen wurden.
    Unsere Vision ist es eine geldfreie, biovegane Schenkgemeinschaft 'living utopia' mit ganzheitlichem Anspruch und viele andere lebendige Projekte – unter anderem das utopival – zu verwirklichen, weshalb wir wieder nach Deutschland gekommen sind, um direkt zu starten!

    Pia – du lebst jetzt auch geldfrei – wie fühlt sich das für dich an? War es für dich schwer?

    Schwer hat es sich keinesfalls angefühlt, eher befreiend. vorher habe ich sowieso seit einiger Zeit kein Geld mehr in die Hand genommen: Kleidung schenkte und bekam ich durch Kleiderschenkparties und durch meinen Aktivismus für foodsharing und das Teilen von Lebensmitteln konsumierte ich finanziell auch keine Lebensmittel mehr. Im Grunde waren es nur noch Fixkosten wie Wohnung und Strom, die mich vom geldfreien leben trennten... es war kein großer Unterschied zu vorher, bis auf den festen Wohnsitz vielleicht. Reisen bringt große Freude, doch jetzt um die Schenkgemeinschaft zu verwirklichen, sind wir wieder auf der Suche nach einem Gelände, auf welchem und durch welches unsere Idee lebendig werden wird.

    Wie sieht dieses utopival genau aus?
    Für fünf Tage wird ein Mitmachraum geschaffen, um neue Ideen zu leben. Gemeinsam mit vielen jungen (allen Alters), kreativen, kritischen und motivierten lebenden Wesen wuppen wir jährlich an einem wundervollen Ort das utopival. Unsere begleitenden Motive sind dabei: geldfrei, vegan, ökologisch, pazifistisch und solidarisch. In denWorkshops zu den verschiedensten Themen wie Permakultur, Ernährung, Postwachstum, ... und den praktischen Entfaltungsmöglichkeiten wie beim seed bombs-,Kräuterschnecken- oder Solarofen bauen sowie in Diskussionen tauschen wir uns über eine Gesellschaft von morgen aus. Es wird jedes Mal bunt und kreativ. Zum Beispiel bei jonglage, livemusik, poetryslam, kleiderschenken und vielem mehr.Diese Tage sind eine Möglichkeit mal außerhalb der Box zu fühlen, zu denken und zu leben. Das utopival lädt zum Träumen ein und dazu die Idee hinter living utopia zu erfahren. Gerne könnt ihr für mehr Infos bald auf utopival.livingutopia.org schauen oder uns einfach mailen.

    Was stellt ihr euch genauer unter der Schenkgemeinschaft 'living utopia' vor?
    Es ist das Modellprojekt mit den gleichen begleitenden Motiven wie beim utopival und möchte den theoretischen Backround von living utopia durch gelebte Praxis lebendig werden lassen. Es schafft mit den drei weiteren Motiven – alternative Bildung, Kretivität, Lebendigkeit – einen lebendigen Mitmachraum. Wir möchten mit diesem Zukunftsprojekt eine praktische alternative zu unserem jetzigen gesellschaftlichen Miteinander ermöglichen und alle lebenden Wesen herzlichst einladen, mitzuwirken, ein Teil zu sein oder einfach nur zu beobachten. Durch lebendige Projekte wie Repaircafes, solidarische Gärten, biovegane Mitmachcafés oder utopische Tage möchten wir einladen, eine Welt von morgen zu träumen, umzusetzen und durch interaktive Workshops praktisch zu erfahren. Wir möchten in der Schenkgemeinschaft das Konzept des Freilernens und der selbstbestimmten und selbstmotivierten Weiterbildung durch verschiedene Angebote wie das Einladen von Referentinnen und Referenten leben. Dafür suchen wir nur noch einen geeigneten Ort und dann kann es auch schon losgehen. Bald haben wir einen Termin mit der Stadt Stuttgart für Gespräche um die Villa Berg. Wir sind aber für jeden Tipp dankbar.

    Hattet ihr einmal Probleme mit Behörden etc. weil ihr ohne Geld lebt?
    Bisher hatten wir noch keine negativen Erfahrungen, aber so viele großartige Begegnungen: In einem Schuhgeschäft bekamen wir grüne Schuhe geschenkt, wobei hier besonders die Begegnungsebene zu bemerken ist: Die bekannten Rollen „Verkäufer_in“ und „Konsument_in“ lösten sich. Das vorrangige Ziel der Verkäuferin war nicht mehr der Verkauf und der damit einhergehende Profit, sondern es ging viel mehr um die Begegnung, den Austausch, die Zeit, die wir miteinander teilten und die Freude am Schenken. Durch eine zufällige Begegnung auf den Straßen Südfrankreichs bekamen wir ein Fahrrad geschenkt und in Saarbrücken sowie Brüssel haben liebe Menschen von sich aus ihre Wohnungen mit uns geteilt. Durch diese und einige andere Begegnungen dürfen wir merken, dass es Menschen Freude bereitet zu schenken und von sich aus zu geben, ohne dafür eine Gegenleistung zu erwarten.

    Wie kann man einen Workshop bei euch besuchen?
    Schaut einfach auf der Website unter livingutopia.org. Da finden sich gleich auf der Startseite die „lebendigen Workshops“, wo wir aufführen, wann und wo die nächsten Workshops stattfinden. Wir freuen uns auch immer über Anfrage, um an Unis, auf Kongressen, Camps oder in Klassenzimmern unsere interaktiven Workshops mit wundervollen Leuten zu teilen. Wer was bei sich vor Ort organisieren möchte, kann uns einfach schreiben. Wir freuen uns sehr!

    Und auch nun wieder: Was möchtet ihr der WWF Jugend noch sagen?
    Wir sind alle teil des „Problems“ und damit aber auch teil des Lösungswegs, wenn wir gemeinsam diesen Weg gehen. Also lasst uns auf die Reise gehen.
    Petra Gruber schenkt uns einen interessanten Lösungsansatz: „Im Grunde geht es um ein anderes Mensch - Mitweltverhältnis, in dem sich der Mensch nicht mehr als omnipotenter Herrscher, sondern als Teil bzw. Beteiligter einer größeren Wirklichkeit begreift“
    Wir danken euch herzlichst für euer wunderbares Interesse! Schreibt uns gerne, wenn ihr Anregungen für oder Fragen an uns habt.
     


    Tobi, Pia, ich bedanke mich ganz herzlich für das Interview und dafür dass ihr euch Zeit für mich genommen habt.

Kommentare

11 Kommentare
  • safetheanimals
    safetheanimals finde ich eine super Idee ich denke auch manchmal dass Geld überflüssig ist was ich glaube ich auch gestern in ein Kommentar geschrieben habe. Ausprobieren würde ich das schon mal gerne für1 o. 2 Monate, aber ich glaube nicht, dass ich...  mehr
    13. Januar 2014
  • Celine2Grad
    Celine2Grad Mir persönlich gefällt die Idde, ohne Geld zu leben, ja schon. Aber ich kann mir nicht vorstellen, wie eine Gesellschaft so funktionieren sollte!
    Im kleinen Rahmen, zB in einem Dorf, das sich komplett selbst versorgen kann, wäre es sicher m...  mehr
    26. Februar 2014
  • Taki
    Taki Einen kleinen merklichgen Teil meine Lebens lebe ich schon ohne Geld. Wenn ich ein Buch lesen möchte dann Leihe ich mir es bei Bookcrossing.com. Das hat auch den Vorteil das ein Buch von mehrern Leuten gelesen wir. Spart Recurcen und schont die Umwel...  mehr
    27. Februar 2014
  • moxnox
    moxnox Ein sehr interessantes und inspirierendes Interview! Ich hoffe, dass viele Menschen es lesen und darüber nachdenken, was sie davon in ihren Alltag integrieren könnten... In Dresden gibt es nicht wenige Initiativen, die sich um Stadtgärten, ...  mehr
    4. März 2014